Alles bleibt anders

Kriminalitätsbekämpfung und Verkehrsüberwachung, Landesbereitschaft und Wasserschutz, Spezialeinsatzkommando und Hubschrauberstaffel – für einen Polizisten gibt es viele verschiedene Einsatzgebiete. Die Ausbildung steht dem in nichts nach. Sie ist außergewöhnlich vielseitig. Und hält jede Woche Neues für die Auszubildenden bereit.

 Was braucht man, um ein guter Polizist zu sein? Eine ganze Menge. Ein guter Polizist muss ein Spurenbild lesen können. Unser Rechtssystem kennen. Und er muss natürlich topfit sein. „Und wir brauchen kommunikative Fähigkeiten, sie sind das Wichtigste für uns“, betont Alexander Gent, „allein mit den ­richtigen Worten lassen sich viele Konflikte lösen.“ Der 21-Jährige und seine Kollegin ­Ramona Foth sind mittendrin in ihrer Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten. Wobei: Eigentlich sind sie Studierende an der Polizeiakademie Niedersachsen, wo sie den ­Bachelor machen. Die Theorie lernen die beiden an den Akademiestandorten Hann. Münden und Nienburg, die Praxis im Polizeidienst – so lautet der Fahrplan für die kommenden drei Jahre. Ramona Foth gefällt, dass in die Ausbildung nie Alltag einkehrt und alles anders bleibt. „Unser Stundenplan ändert sich wirklich jede Woche“, sagt die 23-Jährige.

Von Straf- über Verkehrs- bis Verfassungsrecht, von Ethik über Spurensicherung bis hin zu Konfliktbewältigung: Der Unterricht an der Akademie umfasst eine lange Reihe von ­Fächern, Themen, Lerninhalten. Um ihren Ausbildungsplatz zu bekommen, haben die beiden mehrere Hürden überwunden: den Sporttest, das Interview vor der Auswahlkommission, die polizeiärztliche Untersuchung. Auch ein computerunterstützter Eignungstest war Bestandteil des Auswahlverfahrens. Vier Stunden mussten Ramona Foth und ­Alexander Gent ihr Gedächtnis anstrengen, ihre sprachlichen Qualitäten unter Beweis stellen, kombinieren, herleiten, schlussfolgern.

Das hört sich stressig an? Das soll’s auch sein – denn auch der Job wird die beiden immer wieder vor neue Situationen stellen, in denen sie Umsicht zeigen und die richtige Lösung finden müssen. Um im Auswahlverfahren eine gute Figur abzugeben, empfiehlt Thomas Figge, Sprecher der Polizei Wolfsburg, „sich nie aus der Ruhe bringen zu lassen“. Neben Selbstdisziplin hilft auch der Griff ins Regal. „Es gibt Bücher, mit denen man für die Be­werbung trainieren kann.“

Was macht das Studium bei der Polizei so interessant? Thomas Figge nennt drei Gründe: „Keine Studiengebühren, tausend Euro Gehalt pro Monat und die Übernahmegarantie nach erfolgreichem Abschluss.“ Auch das Fahrsicherheits-, Schieß- und Einsatztraining sind ein echtes Pfund, weil sich Ramona Foth und Alexander Gent hier ganz besondere Fähigkeiten aneignen können. Dazu zählen Eingriffstechniken, Selbstverteidigungskünste und natürlich der Umgang mit der Dienst­pistole. „Jeder von uns wünscht sich, sie niemals einsetzen zu müssen“, sagt Alexander Gent. Die wichtigste Aufgabe der Waffe: „Sie gibt uns Sicherheit.“

In der Wolfsburger Polizeidirektion sind die beiden, um ihr erstes großes Dienstpraktikum zu machen. Eine Schlägerei verursachte den ersten Einsatz von Ramona Foth; Alexander Gent rückte wegen eines Parkplatzstreits aus, bei dem sich zwei Kontrahenten Beleidigungen an den Kopf warfen. „Was man in solchen Situationen braucht, damit sie nicht noch weiter eskalieren, ist ein hohes Maß an Selbstbewusstsein“, sagt Ramona Foth. „Und Empathie“, ergänzt Alexander Gent.

Viel mehr als die Dienstwaffe hilft den beiden das Talent, sich in andere hineinversetzen zu können, die Perspektive zu wechseln, den Sachverhalt aus anderen Augen zu be­trachten. Um mit den richtigen Worten und im richtigen Tonfall Konflikte zu entschärfen. Um die sozialen Kompetenzen und kommunikativen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, spielt die Psychologie eine wichtige Rolle in der Ausbildung. „Und interkulturelles Training, damit wir auch andere Kulturen besser verstehen können“, sagt Alexander Gent.

Was das Miteinander mit den ­Menschen angeht, hat Ramona Foth bisher viele gute Erfahrungen gemacht. Ist doch klar, dass nicht jeder begeistert ist, wenn er in eine Verkehrskontrolle gerät, erzählt sie. Doch in vielen Fällen entwickeln sich bei der Begegnung von Polizist und Bürger „richtig gute Gespräche“.

Und dann gibt es da ja noch die größten und treuesten Fans der Polizei: die Kinder. Wenn Alexander Gent im Außendienst seine blaue Standarduniform trägt, dann schnellen die Köpfe der Mädchen und Jungen hoch. „Wenn die Kinder mich sehen und mir lachend zuwinken, dann freue ich mich jedes Mal.“

boy