Am Massengeschmack vorbei. Zum Glück.

Vermutlich ist es Wahnsinn. Eigentlich ganz sicher. Im Internet ein Video-Magazin über Wolfsburg zu starten, das kann nur scheitern – und das weiß auch Olaf Levin. Doch zum Glück ist er kein Betriebswirt, sondern Musiker, Künstler; einer, dem Kreativität wichtiger ist als Rendite, der statt zu zaudern einfach macht und schließlich am 1. Oktober 2007 den ersten Filmbeitrag hochlädt.

Und dann passiert – nichts. „Wobstories“, das Wolfsburger Informations- und Kulturportal, geht nicht durch die Decke, ist nicht diese Eine-Million-Dollar-Idee, sondern ein Zuschussgeschäft. „Am Anfang haben wir nur investiert. Aber auch viel gelernt, und es hat Spaß gemacht“, erzählt Levin. Und mit der Freude am Tun kommt auch der Erfolg: Mittlerweile schauen monatlich bis zu 50.000 Menschen auf www.wobstories.de vorbei und die jeweils neuesten der inzwischen über 1.000 Filme an.

Natürlich, das ist wenig, verglichen mit den reichweitenstarken Influencern; aber bei „Wobstories“ wird ja auch nicht mit Kontroversen und Massengeschmack gezielt Quote gemacht: „Wir greifen vielmehr Nischenthemen auf und zeigen die schönen Seiten Wolfsburgs“, betont der Magazin-Macher. Auf dem Spielplan stehen daher Veranstaltungshinweise und Geschichten über Kultur und Sport, Menschen und Tiere, soziale und gesundheitliche Themen – durchaus mit Mut zur Länge: „Wir unterwerfen uns nicht dem YouTube-Diktat der schnellen Schnitte“, sagt Levin.

So gibt es unter den – teilweise bis zu 65.000 Mal angeklickten –  Videos bei „Wobstories“ auch einen zwölf Minuten langen Bericht über den Babypuppen-Simulator, mit dem Schüler*innen die Folgen des Elternseins erleben können; oder einen Dreiteiler über die Ausbildung eines Assistenzhundes für Menschen mit Behinderung. Das ist möglich, weil das Video-Magazin ein offenes Format ist: „Bei uns ist jeder mit seinen Ideen willkommen – und niemand wird ausgebremst“, betont Levin. Es gibt nur eine Regel: „Jeder Film soll glücklich machen.“

 

 

„Lampenfieber gehört dazu“
Wobstories-Moderatorin Jara Herde im Interview

 

Wobstories hat viele Gesichter. Das wohl bekannteste ist Jara Herde. Die gebürtige Ehmerin hat Kommunikationswissenschaften in Australien studiert und ist seit diesem Jahr erste festangestellte Mitarbeiterin des Internet-Senders. Über den Weg zurück nach Wolfsburg und vor die Kamera berichtet sie im Interview mit DEIN WOLFSBURG.

 

Wie bist du zum Moderieren gekommen?

Ich habe von 2010 bis 2016 in Australien gelebt und dort meinen Bachelor of Communications gemacht. Gegen Ende des Studiums hatte ich das Glück, für einige Monate beim Radiosender SBS arbeiten zu können. Hier habe ich erste Erfahrungen als Moderatorin gesammelt. Zurück in Deutschland habe ich Olaf Levin von Wobstories kennengelernt und bin durch ihn so richtig in die Moderation eingestiegen. Beziehungswiese: Eigentlich hat er mich ins kalte Wasser geschmissen.

 

Wieso bist du zurück nach Deutschland gegangen – und dann noch ausgerechnet nach Wolfsburg?

Ich hätte tatsächlich noch zwei Jahre länger in Melbourne bleiben können, aber ich hatte einfach ein bisschen Heimweh. Ich hätte aber nie gedacht, dass ich jemals zurück nach Wolfsburg komme. Darüber bin ich jedoch froh: Ich finde die Stadt super, und ich wohne sehr gerne hier.

 

Was genau machst du bei Wobstories? Wie sieht für dich ein typischer Arbeitstag aus?

Ich bin Redakteurin und Moderatorin und mache in dieser Funktion viele regelmäßige Formate, zum Beispiel mit den Grizzlys oder dem VfL Wolfsburg. Dazu kommen aber auch etliche Termine außer der Reihe, etwa Interviews mit Prominenten. Dadurch ist jeder Arbeitstag ein bisschen anders. Die Drehs selbst laufen aber immer nach der gleichen Reihenfolge ab: Thema recherchieren, Fragen vorbereiten, Ansprechpartner finden, Drehgenehmigung einholen. Dann geht es vor die Kamera.

 

Hast du dann Lampenfieber?

Ein bisschen Lampenfieber gehört immer dazu – aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich bin nicht nervös, wenn ich das Interview mache. Aber ich bin immer aufgeregt, was die Technik angeht: Habe ich alles dabei? Funktioniert mein Mikrofon? Reicht der Akku? Bei Wobstories trage ich nämlich Verantwortung für die gesamte Produktion.

 

 

AK