Auf süßer Mission

EIKE TÖPPERWIENS GRÖSSTER WIDERSACHER IST KLITZEKLEIN – NÄMLICH EINEN MILLIMETER GROSS. ALLEIN SEIN NAME BELEGT, DASS ER EINER VON DER GANZ ÜBLEN SORTE IST: VARROA DE STRUCTOR. DER WINZLING IST EINE MILBE, UND EIKE TÖPPERWIEN HAT DENJENIGEN WINTER NICHT VERGESSEN, ALS SIE BESONDERS SCHLIMM WÜTETE. FÜNFZIG SEINER BIENENVÖLKER BRACHTE SIE SEINERZEIT ZUR STRECKE UND DAMIT MEHR ALS ZWEI MILLIONEN HONIGBIENEN. SEITDEM WEISS ER MEHR ALS JE ZUVOR: „WER EIN ERFOLGREICHER IMKER SEIN WILL, MUSS DIESE MILBE IM GRIFF HABEN.“

Eike Töpperwien ist erfolgreicher Imker. Wer mehr über Bienen und die Honigproduktion, über das Zusammenleben der Insekten und ihre Rivalen wissen möchte, der ist bei ihm an der richtigen Stelle. Für die meisten seiner Kollegen ist die Imkerei eine Freizeitbeschäftigung – für ihn nicht. Dass er ein echter Profi ist, verraten die Zahlen. „Im Jahr komme ich auf eine Honigproduktion von drei bis vier Tonnen“, sagt er. Geht es nach seinen Plänen, dürfen es gerne ein paar tausend Honiggläser mehr sein. Die Menge, meint er, „ist in jedem Fall noch ausbaufähig“.

Die Töpperwiens sind ein landwirtschaftlicher Familienbetrieb in Heiligendorf. Hier, im Süden Wolfsburgs, hat Eike Töpperwien vor 13 Jahren mit der Imkerei begonnen. Warum? „Um mir ein zweites Standbein aufzubauen“, sagt er. Kerngeschäft des Hofs, den er gemeinsam mit seiner Frau Rosalynn und Mutter Edith bewirtschaftet, ist der Ackerbau. Die Landflächen umfassen mehr als hundert Hektar, der Großteil ist gepachtet. Hier pflanzt und erntet Eike Töpperwien viele verschiedene Feldfrüchte: Weizen, Roggen und Mais, Raps, Ackerbohnen und -erbsen.

Die Imkerei lässt ihn ein Stück weit unabhängiger werden vom Ackerbau und den Preisschwankungen auf dem Weltmarkt. Wichtiges Arbeitsgerät in der Bienensaison ist seine große Honigschleuder. Wenn sie zu schleudern beginnt und so richtig auf Touren kommt, ziehen die Fliehkräfte den Honig aus den Waben. Hier lagern die Bienen ihr süßes Naturprodukt und lassen es reifen. Nachdem sie sich zuvor auf die Reise gemacht, den Nektar aus den Blüten gesaugt und ihn zu den Bienenstöcken auf Eike Töpperwiens Hof getragen haben.

Damit der 35-Jährige den Honig ernten kann, erfüllt jede Biene eine wichtige Aufgabe: Wachs herstellen, daraus die Wabe bauen, sie sauber halten, die Brut versorgen. Durch die gezielte Vermehrung von Bienen durch Schwärme – ein Teil des Insektenstaats verlässt den Stock und bildet eine neue Einheit – besitzt er rund hundert Völker. Das einzige geschlechtsreife weibliche Tier ist die Bienenkönigin. „Auf dem Hof ziehen wir unsere eigenen Königinnen“, erzählt Eike Töpperwien. Ihre Zucht ist eine wichtige Aufgabe, an ihr hängt das Schicksal des Volkes: Ist sie kraftvoll, energiegeladen, temperamentvoll, sind die Bienen es auch. Die Bienenköniginnen seiner Imkerei gehen nicht nur bei ihm in Heiligendorf, sondern an vielen Orten ihrer Bestimmung nach. Imker, die sich die Aufzucht sparen, kaufen sie von ihm. Auch auf Rapsfeldern sind seine Bienen gern gesehene Gäste. Im Auftrag von Landwirten fährt Eike Töpperwien seine Bienenstöcke bis nach Wolfenbüttel, wo die Tiere ausschwirren – sozusagen als Lohnbestäuber. Da die Bienen dies am liebsten mit dem ersten Sonnenstrahl tun, steht er mit ihnen um 4 Uhr morgens auf. Rufen dann auch noch die landwirtschaftlichen Pflichten, ist er für die Bestellung der Felder bis tief in die Nacht unterwegs. „So kommt schon mal ein 36-Stunden-Tag zusammen“, sagt er lachend. Seinen Honig verkauft Eike Töpperwien auf dem Hof, auf Wochenmärkten und im Internet. Hier bietet er Raps-, Linden- und Heidehonig an. Und Honig mit Gewürzen wie Vanille und Chili.

Bienen sind nicht die einzigen Tiere der Töpperwiens, sie sind in guter Gesellschaft. Neben dem Vieh wohnen hier Hund Sparky, die Katzen und auch Ziegen, „die ich mir anstatt eines Rasenmähers angeschafft habe“. Ein besonderes Zuhause haben die rund 600 Hennen und elf Hähne: den mobilen Hühnerhof, einen Stall mit vier Rädern. „Ich bin kein Fan von Stallhaltung im herkömmlichen Sinn“, sagt Eike Töpperwien. Wöchentlich hängt er ihn an seinen Traktor, um ihn ein paar Meter zu verrücken. Dahin, wo das Gras wieder schön grün ist. Zehn Prozent vom Gesamtumsatz macht das Honiggeschäft mittlerweile aus. Die Tendenz zeigt nach oben – wenn der kleine Feind der Biene nicht zuschlägt. Die Varroamilbe, weiß der Imker, „wird man zwar nie so recht los. Aber mit organischen Säuren kann man ihre Ausbreitung zumindest niedrig halten.“ Eike Töpperwien ist überzeugt, dass seine Arbeit wie die aller Imker wichtig ist – nicht nur des Honigs wegen. Die Bienen sorgen auch dafür, dass die Obst- und Gemüsekisten in den Supermärkten gefüllt sind: mit Äpfeln, Kirschen und Birnen, mit Pfirsichen, Gurken und Bohnen. Die meisten Pflanzen sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig.

Das Miteinander von Mensch und Biene macht unser Leben nicht nur süßer, sondern auch bunter. „Ohne die Biene“, sagt Eike Töpperwien, „würde unsere Welt ganz schön traurig aussehen.“

boy