Auf Tauchgang im Urmeer

MIT DEM HAMMER DÜRFEN BESUCHER WÄHREND DER SOMMERFERIEN IM PHAENO AUF DIE JAGD NACH AMMONITEN UND SEELILIEN GEHEN. IM WAHRSTEN SINN DES WORTES. DENN DIE FOSSILIEN SIND IN GESTEINSBROCKEN EINGESCHLOSSEN UND WARTEN DARAUF, ENTDECKT UND FREIGELEGT ZU WERDEN. SO ERFAHREN KINDER UND ERWACHSENE SPIELERISCH MEHR ÜBER TIERE UND PFLANZEN IM URMEER. UND SIE LERNEN DIE WISSENSCHAFTLICHE ARBEIT DES NATURHISTORISCHEN MUSEUMS IN BRAUNSCHWEIG KENNEN.

Wo heute Wolfsburg liegt, erstreckte sich vor 180 Millionen Jahren ein riesiges Meer: das Jura-Meer. Im warmen Wasser dieses Urmeers tummelten sich gigantische Lebewesen. Durch Funde nachgewiesen ist beispielsweise der Ichthyosaurier, der bis zu 18 Meter lang werden konnte. Die delfinähnlichen Tiere waren schnelle Jäger, die sich von den Vorfahren der heutigen Tintenfische und anderen Fischen ernährten. Die tintenfi schartigen Belemniten mit ihren zehn hakenbeset zten Fangarmen und Tintenbeuteln machten wiederum Jagd auf sogenannte Jura-Sprotten. Dieser vier bis sechs Zentimeter kleine Fisch kam sehr häufig im Jura-Meer vor.

Diese längst vergangene, faszinierende Welt dürfen die Besucher des phaeno während der Sommer ferien selbst erforschen. Denn Teile der Tiere aus dem Erdmittelalter finden sich in großer Zahl in unserer Region – als Versteinerungen. Normalerweise lagern die Steinschichten mit den Fossilien tief unter der heutigen Erdoberfläche. Dass sie hier in Steinbrüchen geborgen werden können, ist einer geologischen Besonderheit zu verdanken. „Beim Aufstieg des Elms, der auf einem großen Salzkissen liegt, wurde die fossilienhaltige Gesteinsschicht nach oben gedrückt.“ Phaeno-Mitarbeiterin Dr. Melanie Nowak erklärt, dass sich diese Gesteinsschichten Ölschiefer nennen. In Schandelah und in Hondelage liegen bekannte Ölschieferbergungsstätten. Forscher des  Naturhistorischen Museums in Braunschweig durchsuchen hier das Gestein nach Zeugnissen aus dem Urmeer, insbesondere nach Wirbeltieren. „Der Zahn eines Ichthyosauriers ist sehr wertvoll für die Wissenschaftler. Sie können daraus wichtige Rückschlüsse über Flora und Fauna vor 180 Millionen Jahren ziehen.“ So haben die Paläontologen beispielsweise auch herausgefunden, dass seinerzeit am heutigen Harzrand tropische Inseln lagen.

Pflanzenfressende Dinosaurier, sogenannte Sauropoden, durchstreiften dort Farn- und Nadelwälder. Sauropoden sind die größten Landbewohner der Erdgeschichte. In diese erstaunliche und von Gigantismus geprägte Welt des Jura möchte das phaeno die Besucher entführen. „In Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum in Braunschweig bauen wir direkt vor der Haustür des phaeno eine Ausgrabungsstätte mit fossilienhaltigem Gestein auf. Im sogenannten Posidonienschiefer aus dem Jura können die Besucher versteinerte Pfl anzen und Tiere finden.“ Melanie Nowak verdeutlicht aber auch, dass etwas Geschick beim Bearbeiten der Gesteinsbrocken Voraussetzung für eine erfolgreiche Suche ist. Deshalb werden besonders geschulte Mitarbeiter vor Ort sein und wertvolle Tipps geben. Denn nicht jeder weiß, wie Ammonitenoder Seelilien aussehen. „Wir werden beispielsweise Hinweise geben, wonach die Besucher suchen können und wie sie den besten Erfolg erzielen. Denn es gibt eine spezielle Technik, mit der gehämmert werden muss, um Fossilien zu bergen und sie nicht zu zerstören.“ Anhand von Bildern und Grafi ken können Funde im phaeno bestimmt werden. Zu diesem Zweck stehen an der Ausgrabungsstätte Mikroskope und eine Stereolupe bereit. An  entsprechenden Experimentierstationen geht es außerdem um die Säuberung und Präparation der Fossilien.

„Der handwerkliche Aspekt ist uns ganz wichtig. Man muss schon selbst aktiv werden, Kraft aufwenden und selbst suchen“, sagt phaeno-Mitarbeiter Dominik Essing, der die Aktion in den Sommerferien gemeinsam mit Melanie Nowak vorbereitet. Eine Panoramaansicht des Jurameeres in unserer Region soll helfen, die beim Fossiliensuchen gewonnenen Eindrücke noch zu vertiefen.

BZ

 

INFORMATION

Die Ausgrabungsstätte wird sonnen- und regengeschützt in der Nähe des Großen Ideenforums liegen. Im Forum werden auch die Experimentierstationen aufgebaut. Der Eintritt ist im Tagesticket enthalten. Das phaeno stellt Hämmer und eine entsprechende persönliche Schutzausrüstung, die unter anderem eine Schutzbrille enthält, zur Verfügung.
Zeitraum: 28.06. – 08.08