Besuch und Begegnungen im Planetarium Wolfsburg

Dieser Arbeitsplatz ist wirklich ein ganz besonderer, einer, den man mit ganzer Leidenschaft ausfüllen kann. Dieser Arbeitsplatz ist Berufung. Als Isabell Schaffer (39) 2012 ihre Tätigkeit als stellvertretende Direktorin im Planetarium Wolfsburg antrat, hatte sie im Planetarium Bremen bereits über 1.000 Live-Veranstaltungen moderiert und war zuvor als Physikerin am renommierten ZARM, dem Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation, beschäftigt und forschte zum Thema Schwerelosigkeit und Raumfahrttechnologie.

Berufung Planetarium

Sicherlich ein Traumjob für viele. Doch eine Vollzeitstelle im Planetarium reizte sie noch mehr. Schaffer argumentiert: „Hier habe ich die Möglichkeit, eine Vielzahl an Menschen für den Sternenhimmel und unseren Weltraum zu begeistern – mit einem Angebot, das Wissenschaft und Kunst miteinander verbindet und daher astronomisches Wissen erzählerisch und spannend zu vermitteln vermag. Und hier in Wolfsburg sprechen wir besonders unterschiedliche Menschen an – von Kindergartenkindern und Schulklassen bis hin zu interessierten Familien und Senioren.“

Der gleiche Sternenhimmel seit Beginn der menschlichen Zivilisation

Zu begeistern versteht Isabell Schaffer wirklich, wenn sie über den Sternenhimmel spricht – und sie weiß auch viel Wissenswertes in ihre Erzählungen zu packen. „In unserer Kuppel sieht man den reinsten und klarsten Sternenhimmel. In dieser Form bekommt man ihn in der Natur leider nicht mehr zu sehen. Die sogenannte Lichtverschmutzung ist einfach zu groß. Da staunen selbst die Erwachsenen, die das erste Mal bei uns sind“, berichtet die Physikerin und fährt fort: „Zwar haben wir kontinuierlich wechselnde Planetenkonstellationen am Horizont, aber der Sternenhimmel an sich hat sich während der gesamten menschlichen Zivilisation nur geringfügig verändert. Die Griechen beispielsweise kannten noch das Sternenbild des Argo Navis, des Schiffes, heute ist es für uns nicht mehr sichtbar. Es ist quasi hinterm Horizont versunken.“

Technische Quantensprünge

Auch auf Isabell Schaffers Kollegen übt die Tätigkeit im Planetarium eine große Anziehungskraft aus. Die meisten arbeiten schon viele Jahre hier. Einige ehemalige Mitarbeiter lässt das Faszinosum Planetarium auch über ihr Rentenalter hinaus nicht los, beispielsweise Dr. Wilhelm Martin, den ehemaligen Leiter der Einrichtung. „Er erzählt mir oft Geschichten aus der Zeit um die Jahrtausendwende. Denn in diesem Zeitraum passierte in dem Planetarium eine technische Revolution, als die digitalen Projektoren die analogen zu ersetzen begannen“, erklärt Schaffer. Das Jahr 2010 etwa brachte einen Quantensprung für das Planetarium Wolfsburg mit sich. Denn seitdem ist es hier möglich, Fulldome-Projektionstechnik einzusetzen. Damit waren die Wolfsburger übrigens das erste Planetarium der Welt, das über diese technische Innovation verfügte.

Neue Besucherrekorde mit vielfältigen Produktionen

„Seit 2010 haben sich unsere Möglichkeiten vervielfacht. Seitdem stellen wir nicht mehr nur den Sternenhimmel vor, auch wenn das nach wie vor ein beliebtes Angebot ist. Jetzt haben wir vielfältige Produktionen wie beispielsweise ‚Aurora‘, eine Show, in der wir die Polarlichter präsentieren, musikalische Erlebnisse wie zum Beispiel ‚Queen Heaven‘, eine Hommage an die Rockband Queen oder die Fulldome-Hörspielproduktionen von den ‚Drei ???‘ im Programm“, berichtet Isabell Schaffer und ergänzt stolz, dass seitdem die Besucherzahlen kontinuierlich gestiegen seien. Im vergangenen Jahr konnte das Planetarium Wolfsburg mit insgesamt 55.000 Besuchern sogar einen 20-Jahres-Rekord aufstellen. Auch als Ort für ganz besondere Ereignisse wird das Planetarium immer mehr genutzt – etwa für Hochzeiten. Für ganz eingefleischte Fans der Astronomie stehen regelmäßig monatliche Fachvorträge auf dem Programm; auch dieses Angebot findet seine „Abnehmer“. Der letzte Vortrag zum Thema „Gravitation“ war rappelvoll, einige Menschen mussten die Veranstaltung sogar stehend verfolgen. Manches ist Marke Eigenbau Auch eigene Produktionen „Schimmerie Harztropf“, „Der kleine Prinz“ und „Götter, Mythen und Legenden“ haben Isabell Schaffer und ihre Kollegen in liebevoller Detailarbeit entwickelt. „Eine eigene Produktion zu kreieren ist zwar eine ordentliche zeitliche Investition, dafür müssen wir jedoch nicht die hohen Lizenzkosten tragen, die eine externe Produktion mit sich bringt. All unsere Eigenproduktionen erfreuen sich großer Beliebtheit und sind dauerhaft im Programm“, erzählt Isabell Schaffer.

Ein enger Personal-Kern stemmt eine ganze Show

Trotz der immensen Themenvielfalt und der großen Auslastung des Planetariums („am Wochenende laufen die Projektoren hier mindestens 10 Stunden“) kommt der Betrieb mit vergleichsweise wenig Personal aus, um eine Produktion zu stemmen. Der harte Kern besteht gerade einmal aus drei bis vier Personen, auch wenn insgesamt rund 30 Personen für das Planetarium Wolfsburg beschäftigt sind – allerdings in erster Linie im Service- und Kassenbereich. Zum harten Kern gehört auch Patrick Frambach, „unser Schweizer Taschenmesser“, wie er liebevoll von den Kollegen genannt wird. Er ist der Strippenzieher im Hintergrund, er kümmert sich um IT & Administration und kontinuierliche Wartungsarbeiten, die an den technischen Geräten notwendig sind. Die Server, die eine Produktion ermöglichen, füllen mittlerweile einen ganzen Raum. Patrick Frambach lernte zunächst Elektriker, bildete sich später zum Techniker weiter. Die Tontechnik lernte er schließlich bei dem Braunschweiger Bürgersender Radio Okerwelle. „Und hier kann ich alles zusammenbringen“, erläutert er. So ist der Techniker beispielsweise auch im Vorfeld neuer Shows dafür zuständig, die jeweiligen Ton- und Bilddokumente an die Rechner und Geräte des Wolfsburger Planetariums anzupassen. Wenn man seine Arbeit mit der im Theater vergleicht, so füllt er eigentlich mehrere Rollen aus: Er ist Ton- und Lichttechniker wie auch IT-Fachmann. Regisseurin und Moderatorin zugleich Genau wie ihr Kollege hat auch Isabell Schaffer im Vorfeld und während einer Produktion mehrere Verantwortlichkeiten: Sie ist Regisseurin, aber zugleich auch Moderatorin, manchmal auch eine Art Lehrerin, wenn sie Kinder aus Kindergärten und Schulklassen begleitet. Bei Eigenproduktionen ist sie sowohl Drehbuch-Autorin als auch Produktionsleiterin. Und im Vorfeld der Shows wirkt sie quasi als Marketingexpertin, denn das Programm und die Redaktion der Website liegen ebenfalls in ihren Händen. Gerade diese Vielfalt liebt die Wahl-Wolfsburgerin sehr an ihrem Job. „Hier im Planetarium hat bisher noch keine Arbeitswoche der anderen geglichen. Und das ist gut so!“, findet Isabell Schaffer.

Fels in der Brandung seit 1996: Der Starmaster

Auf eine Konstante kann sich der harte Kern des Planetariums Wolfsburg übrigens seit 20 Jahren verlassen: Seit 1996 hat der Starmaster, ein Carl-Zeiss-Projektor, viele tausende Veranstaltungen ermöglicht und ist dabei nicht einmal ausgefallen. Im Zentrum des Planetariums stehend, ist er wahrlich der König jeder Show und beeindruckt durch seine fulminante Größe. Und wovon träumt Isabell Schaffer noch, welches Programm würde sie selbst noch gern im Planetarium Wolfsburg anbieten? Bei ihrer Antwort knüpft die Physikerin an ihre Tätigkeit am ZARM an: „Meine Traumproduktion wäre etwas über schwarze Löcher und die Relativitätstheorie, aber leicht verdaulich verpackt und musikalisch inszeniert.“

GEWINNSPIELFRAGE

Wie lang ist der Durchmesser des Kuppelraums im Planetarium in Metern?

Unter den richtigen Einsendungen, die uns unter deinwolfsburg@wmg-wolfsburg.de erreichen, verlosen wir 2×2 Karten für die Astronomie- und Familienprogramme des Planetariums.

Einsendeschluss ist der 31.05.2018

Viel Glück!