Bridge: Schwer zu lernen, noch schwerer zu meistern und unmöglich davon loszukommen.

Die Welt eines James Bond hat drei konstanten: schöne Frauen, Martini (geschüttelt, nicht gerührt) und – mehr noch als Aston Martins – Bridge. Das hat nicht nur damit zu tun, dass sein literarischer Schöpfer Sir Ian Fleming zahlreiche Partien bestritt; auch passt das Kartenspiel mit seiner zur very britishen Eleganz zu 007s Habitus – und mit seinem Anforderungsmix aus geistiger Wachheit, strategischer Planung und mutigem Kalkül zu seinem Agenten-Job im Dienste ihrer Majestät. Übrigens drei Voraussetzungen, die auch die Frauen und Männer vom Bridge-Verein Wolfsburg faszinieren.

Im Jahr 1972, also genau zwischen Sean Connerys letztem und Roger Moores erstem Bond-Auftritt, fand sich im Hotel Hohenstein der Gründungsvorstand zusammen. Adolf Lüpke, Horst Gnatzy, Eva Sroka und Julius von Gierke einigten sich an diesem Abend im Februar nicht nur auf eine Satzung, sondern auch auf eine Mission: Die Wolfsburger für Bridge, dem Königlichen unter den Kartenspielen zu begeistern. Doch das ist – im wahrsten Wortsinn – gar nicht so einfach. „Bridge lernt man nicht an nur einem Abend“, erklärt die Vereinsvorsitzende Petra Stübner. Denn bis zur ersten erfolgreichen Partie vergehen zwischen zehn und 30 Lernabende.

(c) Florian Koch

Dass „Leicht zu lernen, schwer zu meistern“, eigentlich die Erfolgsformel jedes Spiels, hier außer Kraft gesetzt ist, hat dem Bridge jedoch nicht geschadet: Vermutlich entwickelte es sich Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Kartenspiel Whist, erfunden wohl von britischen Soldaten während des Krimkriegs. So genau weiß das aber niemand. Ganz genau wissen die, die es beherrschen, nur eines: „Jedes Blatt ist anders, und der Spielverlauf ist immer wieder spannend.

Keine Partie gleicht der anderen – und das macht den ungeheuren Reiz aus“, betont Ruth Zeddies. Die 85-Jährige ist seit 41 Jahren Mitglied im hiesigen Bridge-Verein – und der Beweis für einen der wichtigsten Aspekte des Spiels: Es hält geistig fit. Denn jeder Durchgang ist Denksport – mit viel Rechnen, Durchdenken und 52 Karten des französischen Blatts mit seinen vier Farben Pik, Coeur (Herz), Karo und Treff (Kreuz); die Wertigkeit der Karten geht von der höchsten, dem Ass, über die „Figuren“ König, Dame, Bube bis hinunter zur 2. Die Karten werden gleichmäßig auf die Spieler verteilt, jeder bekommt 13 Karten, dabei bilden die jeweils gegenübersitzenden Spieler ein Paar.

„Es ist gut, wenn man sich kennt und als Paar zusammenbleibt, dann kann man die gegenseitigen Ansagen beim Reizen am besten einschätzen“, sagt Stübner. Denn auch diese Ansagen werden mit speziellen Biet-Karten und nicht etwa per Akklamation gemacht. Es ist also wirklich ein sehr schweigsames Spiel – und dennoch ein faszinierendes: Allein in Wolfsburg treffen sich jeden Montag um 18.30 Uhr in der VfL-Wolfsburg-Gaststätte am Elsterweg bis zu 55 Bridge-Begeisterte und bereiten sich so auf Turniere und Benefizspiele mit den umliegenden Vereinen vor.

(c) Florian Koch

„Dieser Montagstermin ist seit unserer Gründung vor rund 45 Jahren immer gleich geblieben“, berichtet Petra Stübner, die in der Vorstandsarbeit von Kassenwartin Yvonne Büthe, Sportwartin Dr. Brigitte Warmuth, Schriftführerin Claudia Voß und Veranstaltungsplanerin Sibylle Bauer unterstützt wird. Und auch die Fluktuation ist gering: Wer einmal das Bridge-Spiel für sich entdeckt, verstanden und gemeistert hat, der bleibt ihm treu – und entsprechend sind 20, 30 oder mehr als 40 Jahre Mitgliedschaft und herzliches Miteinander im Bridge-Verein Wolfsburg nichts Ungewöhnliches.

Vielleicht funktioniert’s hier mit der Harmonie auch deshalb so gut, weil Bridge – im Gegensatz zu Freundschaftskillern wie Menschärgere-dich-nicht – keine reine Glückssache ist. Zu 80 Prozent entscheiden Kombination und Strategie über Erfolg oder Misserfolg. So wie im Agentenalltag …

Bridge-Verein Wolfsburg 72 e.V.
Von-Ebner-Eschenbach-Ring 32
38446 Wolfsburg

Vorstand: Petra Stübner
Telefon: 05363 – 810976
E-Mail: bridge-stuebner@wolfsburg.de

Im Januar 2018 wird ein Schnupperabend angeboten. Weitere Infos und Anmeldungen direkt über den Bridge-Verein Wolfsburg.

YN

BRIDGE EINFACH ERKLÄRT
Bridge wird zu viert gespielt. Die gegenübersitzenden Spieler bilden ein Team. Eine Partei ist Nord-Süd, die andere ist Ost-West. Gespielt wird mit einem 52 Karten-Blatt, ohne Joker. Die Karten werden gleichmäßig auf alle vier Spieler verteilt, jeder sortiert seine Karten verdeckt nach Farben und Rang.

Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Stiche zu machen. Die vorausgehende Reizung entscheidet, wie viele Stiche jedes Team erzielen muss, um Prämienpunkte zu erhalten. Ein Stich besteht aus vier Karten und diese werden im Uhrzeigersinn nacheinander von den Spielern vor sich auf den Tisch aufgedeckt. Ein Spieler fängt mit einer Farbe an, die von allen anderen Spielern bedient werden muss, es sei denn, man hat keine Karte dieser Farbe mehr.

Die höchste gespielte Karte gewinnt den Stich. Jeder Spieler dreht anschließend seine gespielte Karte verdeckt um. Hat man einen Stich gewonnen, wird die Karte senkrecht, bei verlorenem Stich waagerecht gelegt. Der Gewinner des Stichs, spielt auch zum nächsten Stich aus. Insgesamt werden 13 Stiche gespielt. Dabei geht es nicht darum, in einem Stich besonders hohe Karten zu erzielen, wie beim Skat oder Doppelkopf. Der gewonnene Stich an sich ist ausschlaggebend.

(c) Florian Koch

Innerhalb der Reizung kann eine Farbe als Trumpf bezeichnet werden. Wenn man eine Farbe nicht mehr bedienen kann, darf man einen beliebigen Trumpf dazulegen, um einen Stich zu gewinnen, muss man aber nicht. Gewinnt eine Partei die vorausgehende Reizung, wird der Spieler, der den Kontrakt angesagt hat, zum Alleinspieler. Der Spieler links von ihm spielt zum ersten Stich eine Karte seiner Wahl aus. Dann legt der Partner des Alleinspielers alle seine Karten aufgedeckt auf den Tisch. Er kann in das Spiel nicht mehr eingreifen und wird zum Dummy. Jetzt darf er nur noch Karten zugeben, die ihm der Alleinspieler nennt. Nach insgesamt 13 Stichen werden die jeweils gewonnenen Stiche zusammengezählt. Ob ein Team das Spiel gewonnen hat, hängt davon ab, wie viele Stiche man in der vorherigen Reizung angesagt hat.