Christian Träsch im Interview mit Lars M. Vollmering

Profifußballer, Businessman und mit dem Herzen schon ein echter Wolfsburger. Sechs Jahre ist Christian Träsch jetzt bereits Spieler beim VfL und damit einer der dienstältesten Profis. Die Fans schätzen an ihm seine Hingabe auf dem Platz und den vollen Einsatz. Was der gebürtige Ingolstädter dafür an Wolfsburg schätzt und was er nach seinem Karriereende plant, hat er im Interview mit Lars M. Vollmering verraten. 

 

Weißt du noch, was dein erster Eindruck war, als du damals nach Wolfsburg gewechselt und durch die Innenstadt gelaufen bist?

Träsch: Das erste, was mir aufgefallen ist, war ein grünes Wolfsburg-Zeichen. Und auch wenn eine Altstadt nicht vorhanden ist, weil die Stadt ja auch noch gar nicht so alt ist, war mein erster Eindruck sehr positiv. Und meiner Familie ging es auch so.

 

Deine Heimatstadt Ingolstadt ist durch Audi quasi auch ein VW-Standort. Erkennst du Parallelen?

Träsch: Von den Städten her sind Ingolstadt und Wolfsburg sehr ähnlich, allein schon von der Größe her. Dort dreht sich alles um Audi, hier um VW. In Ingolstadt gibt es einen bekannten Eishockey-Club, hier auch. Wolfsburg finde ich für Familien attraktiver, weil es hier mehr Freizeitaktivitäten für Kinder gibt. Dafür kann dann Ingolstadt mit erwähnter Altstadt punkten.

 

Was bedeutet dir Wolfsburg inzwischen, nachdem du jetzt schon einige Jahre hier bist?

Träsch: Ich sage immer: Meine Heimat ist Ingolstadt, aber zuhause bin ich in Wolfsburg. Mittlerweile fühlen meine Familie und ich uns total wohl hier, haben viele Freunde auch außerhalb des Fußballs gewonnen. Wir fühlen uns in der Stadt und in der Umgebung wirklich heimisch.

 

Gibt es eine typische Geschichte, die dir im Zusammenhang mit Wolfsburg mal passiert ist? Jetzt wäre ja die Gelegenheit, davon zu erzählen…

Träsch: Vor kurzem waren Freunde aus Ingolstadt zu Besuch und vorher gab es so die typischen Sprüche: in Wolfsburg sei ja nix los und so (lacht). Hinterher sagte dann mein Kumpel, dass er sich tatsächlich vorstellen könnte, mit der Familie nach Wolfsburg zu ziehen – allein schon wegen des Freizeitangebotes.

 

Wenn du Wolfsburg in drei Worten beschreiben müsstest, dann wären das…

Träsch: Ganz klar Volkswagen, der VfL und… (überlegt) Christian Träsch (lacht).

 

Die Fans mögen an dir, dass du dich auf dem Platz immer voll reinhängst und dich auch mit Stadt und Verein identifizierst. Wie siehst du dich denn selbst in der Rolle als Identifikationsfigur?

Träsch: Es ist mir schon bewusst, dass ich sechs Jahre hier bin. Jetzt, wo Marcel Schäfer in Amerika ist, bin ich nach Diego Benaglio am längsten da. Für mich ist es auf dem Platz eine Selbstverständlichkeit, immer alles zu geben. Auch wenn es eine schwere Situation ist, auch wenn es nicht so läuft, man sollte immer mit Herz spielen, dann werden auch Fehler verziehen.

 

Ihr als Mannschaft seid in der vergangenen Saison sehr kritisiert worden. Vielfach war zu lesen, intern stimmt es nicht oder die Spieler identifizieren sich nicht mit dem Verein. Was haben diese Schlagzeilen und Einschätzungen von außen mit euch gemacht?

Träsch: Ich kann die Vorwürfe gar nicht verstehen. In der Kabine funktioniert alles, wir sind ein harmonisches Team ohne Stinkstiefel. Ich bin auch der Meinung, dass es ist nicht förderlich ist, wenn über die Mannschaft geschrieben wird, dass der Zusammenhalt nicht stimme oder jeder ein Einzelkämpfer sei.

 

Ich bekomme von dir auf Facebook immer mal wieder Posts angezeigt. Da machst du Werbung für deine Frau und ein Wolfsburger Restaurant. Wie kam es denn mal zu dieser Zusammenarbeit?

Träsch: Meine Frau hat Zöliakie und darf entsprechend kein Gluten essen. Schon seit Jahren wollte sie zu diesem Thema ein Kochbuch herausbringen. Heutzutage sind aber Blogs sehr modern und da hat sie sich entschieden, sowas zu machen. Ich persönlich ernähre mich auch glutenfrei. Also ist es dann selbstverständlich für mich, dass ich das auf Facebook like oder teile.

(c) VfL Wolfsburg

Du bist ja auch abseits des Platzes durchaus umtriebig, hast mit deinen Fußballkollegen eine eigene App herausgebracht und hältst sogar Vorträge darüber. Wie viel Businessman steckt denn im Fußballer Christian Träsch?

Träsch: Die App „Dein Team“ ist natürlich eine tolle Erfahrung, auch schon für die Zeit nach der Karriere. Man glaubt gar nicht, was an der Entwicklung so einer App alles dranhängt. Von daher war es toll, sowas auf die Beine zu stellen. Und es freut uns, dass sie bei den Nutzern so gut ankommt. In erster Linie bin ich aber immer noch Fußballer. Doch es macht schon Spaß, sich auf das Berufsleben nach der aktiven Karriere vorzubereiten.

 

Da du es gerade ansprichst: Was hast du denn nach der Karriere vor? Gibt es da schon konkrete Pläne?

Träsch: Na, die App hab ich ja schon mal…(lacht)

 

Und sonst?

Träsch: Nein, konkrete Pläne gibt es noch nicht. Ich habe eine Fortbildung am VfL Campus durchlaufen, um da Erfahrungen und die ersten Eindrücke für das Berufsleben zu sammeln. Was ich genau vorhabe, weiß ich aber noch nicht.

 

Wir wollen dich ja auch noch ein bisschen auf dem Fußballplatz sehen. Aber wenn du nicht Profi geworden wärst, welchen Beruf hättest du dann gelernt?

Träsch:  Ich denke, ich wäre Koch geworden.

 

Komm, eine Sportfrage stell ich dir dann doch noch, auch wenn es hier ja darum geht, den Menschen Christian Träsch besser kennenzulernen: Siehst du dich eigentlich mehr als rechter Verteidiger oder defensiver Mittelfeldspieler?

Träsch: Es macht beides Spaß. Mir gefällt es im Mittelfeld, mir gefällt es rechts hinten. Am besten ist es aber, wenn ich überhaupt spiele.

(c) VfL Wolfsburg