„Dafür hat es sich gelohnt…“ Hinter den Kulissen des Fan-Films „20“

Der Film „20 – der Stress lohnt sich!“ gehört definitiv zu den Kino-Ereignissen des Jahres: tausende Wolfsburger wollten die Dokumentation über die Fans des VFL auf der Leinwand sehen, in den kommenden Tagen soll nun die DVD erscheinen. Gemeinsam mit Chris Krüger und David Bebnowski ist „dein Wolfsburg „Kolumnist Lars M. Vollmering einer der Macher von „20“. Für unser Magazin wirft er einen persönlichen Blick hinter die Kulissen des Films.

Alex Beier / K247

Wenn im Kino der Abspann beginnt und das Licht allmählich den Saal erhellt, zieht es die meisten Besucher bereits nach draußen. Die Aufmerksamkeit reicht meistens nur für die laufenden Bilder und die Story, aber nicht mehr für den Abspann. Das kennt wahrscheinlich jeder. Niemals hätte ich gedacht, selbst einmal an der Produktion eines eigenen Kinofilms beteiligt zu sein. Keine zwölf Wochen Vorlaufzeit von der Idee über das Konzept bis zur ersten Klappe – wer wie wir so ein Projekt wagt, muss wahrscheinlich wahnsinnig verrückt sein. Wahnsinnig verliebt trifft es aber eher. Verliebt in einen Verein.

Ohne Liebe oder Hingabe bis zur Selbstaufgabe funktioniert so etwas nicht. Oder ohne das Verständnis der Familie. Wenn man der kleinen Tochter mal wieder erklärt, „dass Papa noch arbeiten muss“, obwohl er gerade von der Arbeit kommt. Und man „morgen zusammen spielt“. Bestimmt. Es funktioniert auch nicht ohne Unterstützung: Wenn es den Begriff „offene Türen einrennen“ nicht schon geben würde, für „20“ hätte man ihn erfinden müssen. Viele Partner sollten und mussten mit ins Boot: Verein, Volkswagen, Stadt und vor allem natürlich die Fans. Alle waren begeistert, alle wollten mithelfen. Aber alle waren auch unsicher. Was hatten die drei „Verrückten“ mit Wolfsburger Wurzeln und jetzt beheimatet in Hamburg, Berlin und im Rheinland da vor mit unserem VfL? Schließlich gab und gibt es in der gesamten Bundesliga nichts Vergleichbares. Schon gar nicht im Kinoformat. Also hieß es Klinken putzen. Allein das Filmteam schreibt sich innerhalb eines Jahres über 30.000 WhatsApp-Nachrichten. Tausende Telefonate, E-Mails, persönliche Gespräche sind nötig, um 40 Drehtage abzuwickeln.

Alex Beier / K247

Ein Crowdfunding-Projekt über die Website 99funken.de wird über 50.000 Euro einspielen. Das Überzeugungsgespräch mit der federführenden Bank, das Projekt zu genehmigen, dauert allein knapp vier Stunden. Der Film selbst dauert am Ende zwei. An drei Stellen habe ich immer noch Tränen in den Augen – obwohl ich „20“ mittlerweile fast genauso oft gesehen habe wie der Filmtitel lautet: beim Gedicht von Jessy James LaFleur am Anfang, dem Brief von Maria Nowak an ihren toten Vater und dem Abschied von Marcel Schäfer. Marcel war übrigens einer der ersten, der sofort an den Erfolg von „20“ geglaubt hat. Der heiße Draht glühte auch über den Atlantik. Deshalb steht er ebenso im Abspann. Als Produzent. Weil ich jetzt weiß, wie viel Einsatz hinter einem Kinofilm liegt, werde ich künftig einen Abspann mit anderen Augen sehen – und bis zum Schluss sitzen bleiben.

LVM