Das rockt!

Einen Nachmittag mit bekannten Musikern verbringen? Davon träumt wohl jeder. Für unsere Kinderreporterin Leticia ist dieser Wunsch mit einem Besuch im Proberaum der Gruppe „Enemy Jack“ wahr geworden. Und natürlich hat sie die Bandmitglieder nicht nur mit Fragen gelöchert, sondern auch selbst zur Gitarre gegriffen.

Hey, habt ihr schon mal eine echt bekannte Musikband getroffen? Und mit ihr richtig gerockt? Ich schon. Und ich kann euch jetzt schon verraten: Das war total cool. Doch bevor ich euch von meinem spannenden Tag mit der Dance-Rock-Band „Enemy Jack“ erzähle, stelle ich mich kurz vor: Ich bin Leticia, zehn Jahre alt, und besuche zur Zeit die fünfte Klasse der Leonardo da Vinci Gesamtschule. Mein Papa ist Schlagzeuger in einer HeavyMetal-Band, und ich lerne seit einem halben Jahr Akustikgitarre zu spielen. Klar, dass ich ganz viele Fragen an die Bandmitglieder habe: an Schlagzeugerin Tanja (21), Bassist Daniel (22), Sänger und Gitarrist Domenik (24) und Keyboarder Jacob (21).

Ich treffe die Vier in ihrem eigenen Band- und Probenraum. Auf den ersten Blick sieht es etwas chaotisch aus. Zwischen Keyboard, Schlagzeug, Bass und mehreren E-Gitarren sowie einem Mikrofon liegen überall Kabel herum, und ich muss aufpassen, dass ich nicht stolpere und womöglich noch etwas kaputt mache. Ich bin nämlich ziemlich nervös, schließlich ist das mein erstes Interview mit einer echten Band. Doch die vier Musiker sind mir auf Anhieb sympathisch.

Kennengelernt haben sich „Enemy Jack“ übrigens in der Musikschule Wolfsburg und machen seit 2008 zusammen Musik. Wie sie zu ihrem Bandnamen gekommen sind, frage ich. „Für unseren ersten Auftritt im Rahmen eines Festes der Musikschule brauchten wir schnell einen Namen, der cool klingt. Und weil unsere selbstgeschriebenen Songs alle auf Englisch sind, hat uns ‚Enemy Jack’ ganz gut gefallen“, erzählt Jacob.

Nach diesem ersten Mal auf der Bühne gab’s eine ganze Menge weiterer Auftritte. 2013 nahm die Band sogar am Bundesfinale des Local-Heroes-Bandwettbewerbs teil und gewann den Publikumspreis. Wow! Aber was mich noch mehr beeindruckt hat: Sie waren sogar schon die Vorband von „Revolverheld“, die ich übrigens auch echt super finde. Außerdem haben sie mit dem Gitarristen Michael Koschorreck von den „Söhnen Mannheims“ und dem Keyboarder Jean-Michel Tourette
von der Band „Wir sind Helden“ zusammengearbeitet. Ihre zweite CD haben sie mit dem Produzenten Jens Krause aufgenommen, in dessen Tonstudio sogar schon „Die Prinzen“ und „Fury in the Slaughterhouse“ standen.

© Sebastian Dorbrietz

Trotzdem sind die Vier total locker geblieben und geben sogar zu, öfter mal Lampenfieber zu haben: „Vor unserem ersten Auftritt 2009 im Kino im Hallenbad waren wir alle richtig, richtig aufgeregt. Und auch heute sind wir das immer noch, natürlich nicht mehr so stark wie damals, weil wir auch schon etwas Routine entwickelt haben.“ Gut so. Denn waren zu Beginn ihrer Karriere nur 300 Leute im Publikum, feiern sie jetzt bei ihren Konzerten sogar bis zu 2.000 Zuhörer. Also sind sie schon richtige Stars? „Wir werden tatsächlich häufiger mal erkannt. Aber dass wir uns nicht mehr auf die Straßen trauen, weil tausende Fans vor unserem
Haus lauern, das ist noch nicht der Fall“, lacht Tanja.

Von ihrem Talent leben können die Vier allerdings noch nicht. „Die Musik ist zwar ein großer Bestandteil unseres Lebens, aber wir haben auch alle noch ein zweites Standbein“, verrät Domenik. Darum macht Tanja eine Ausbildung zur Mechatronikerin, arbeitet Daniel als Elektroniker, studiert Jacob Ingenieurwissenschaften und belegt Domenik gerade ein Masterstudium in Kunstgeschichte und arbeitet nebenbei in einer Galerie. Aber natürlich versuchen sie, so oft wie möglich an den
Wochenenden gemeinsam Musik zu machen.So wie heute – und ich darf mitrocken.

© Sebastian Dorbrietz

Dazu drückt mir Daniel seine heilige E-Gitarre in die Hand: „Probier’s mal aus!“ Die ist so schwer, dass sie mir erst einmal fast aus der Hand fällt. Aber ruckzuck habe ich mich an das Gewicht des Instruments gewöhnt – und ich schicke die ersten Akkorde durch den Verstärker. Dann spielen wir zum Einstimmen gemeinsam
„Smoke on the Water“ von der  berühmten Rockband „Deep Purple“ und anschließend die Eigenkomposition „I wish I could“, das erste Lied von „Enemy Jack“ überhaupt. Obwohl ich erst seit einem halben Jahr Unterricht habe, sind die Vier von meinem Spiel begeistert: „Wenn wir mal eine Gitarristin brauchen, rufen wir dich an“, verspricht Daniel.

Aufregend fände ich das schon, mit „Enemy Jack“ auf Tour zu gehen: vor hunderten Menschen auftreten, von Stadt zu Stadt und Konzert zu Konzert reisen. Aber das MusikerLeben hat natürlich auch Schattenseiten. „Wir ernähren uns viel von Fastfood. Gerade, wenn wir zwei Auftritte an einem Wochenende haben, bekommen wir nichts Vernünftiges in den Magen außer mal eben schnell einen Burger und eine Portion Pommes“, erzählt mir Domenik. Denn so ein MusikerLeben kann ganz schön anstrengend sein: „Wir managen nämlich alles selbst“, verraten die Vier.

Domenik ist zum Beispiel dafür zuständig, dass immer etwas zu essen da ist. Daniel sorgt dafür, dass genug Auftritte im Terminkalender stehen. Jacob kümmert
sich um die Technik und verkabelt vor jedem Auftritt die Instrumente mit Mischpult und Boxen. Tanja behält die Finanzen im Überblick. Und gemeinsam mit Freunden drehen sie sogar ihre Musikvideos selbst, die übrigens richtig professionell sind. „Die muss man einfach haben“, erklären mir die Musiker. Außerdem gibt‘s von „Enemy Jack“ schicke Poster – wie von richtigen Stars: Ich bekomme zum Abschied natürlich auch eines, darf mich auf einem Holzbalken im Bandraum
mit meinem Namen verewigen und erhalte eine signierte CD als Erinnerung an diesen aufregenden Nachmittag. Die nehme ich übrigens mit auf Klassenfahrt. Und dann wird die Jugendherberge gerockt.