Discgolf – eine Sportart für jedermann

Die Sportart Discgolf findet deutschlandweit immer mehr Anhänger. Auch hier in Wolfsburg. Mit den „Disc Golf TimberWolfes Wolfsburg“ gibt es seit rund zwei Jahren einen Verein, deren Mitglieder den Mix aus Golf und Frisbee lieben gelernt haben. Und ihn unter anderem im Allerpark auf dem dort fest installierten Parcours spielen.

Der ein oder andere Spaziergänger im Allerpark hat vielleicht schon Bekanntschaft mit einem sogenannten Discgolfer gemacht. Mit jemandem also, der auf unterschiedlichen Bahnen versucht, eine Plastikscheibe mit so wenig Würfen wie möglich von einem Ausgangspunkt bis in einen etwa 70 Zentimeter hohen Metallkorb zu werfen. Der am Allersee seit 2011 fest installierte Parcours mit 18 Bahnen ist indes bei Weitem nicht der einzige Ort, an dem Wolfsburger den Mix aus Frisbee und Golf betreiben können: Im Umkreis von 100 Kilometern können Wolfsburger Disc-Golfer aktuell zwischen 13 Kursen wählen. Süd-Ost-Niedersachsen gilt daher als Hochburg des Disc-Golfens und zieht sogar Spieler aus anderen Bundesländern an.

In ganz Deutschland gibt es rund 70 Kurse und etwa 1.600 Spieler, schätzt der Deutsche Frisbeesport Verband (DFV). Discgolf ist damit hierzulande noch eine Randsportart, auch wenn sie in den vergangenen fünf Jahren immer mehr Anhänger gefunden hat. Im Heimatland des Discgolfens, den USA, ist die Sportart mit rund 500.000 Spielern und 3.000 fest installierten Kursen nicht nur längst ein Volkssport, sondern sogar ein Profisport: Seit 1982 veranstaltet die Professional Disc Golf Association (PDGA) Weltmeisterschaften, die ebenso wie die „National Tour“, eine Profi-Turnierserie, in Amerika stattfinden. Seit Mitte der 90er Jahre ist die PDGA auch in Europa mit einer Turnierserie vertreten, 1997 fand die erste Europameisterschaft statt.

In Wolfsburg gibt es derzeit noch keinen Profi-Discgolfer, aber seit März 2013 den „Disc Golf TimberWolfes Wolfsburg e.V.“ – den ersten Discgolf-Verein Wolfsburgs. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Kowalczyk hat zusammen mit seinen Vereinskollegen viel Aufbauarbeit geleistet. Um den Sport bekannter zu machen, veranstaltete der Verein unter anderem Turniere, zum Beispiel im Schlosspark Wolfsburg.

Der Realschul-Lehrer Kowalczyk ist sicher, dass sich weitere Wolfsburger für den Sport begeistern lassen. Denn dieser punktet durch zahlreiche Vorteile: Man lerne beim Discgolf rasch dazu, sodass die Würfe nach wenigen Versuchen besser und zielgenauer werden. Im Vergleich zu anderen Sportarten müssen Anfänger also nicht erst Frust in Kauf nehmen, bevor sie irgendwann Fortschritte erzielen. Das Alter oder die Fitness stelle ebenfalls keine Hürde dar. „Das ist wirklich ein Sport für jedermann“, sagt Kowalczyk. Er habe sogar mal einen 84-Jährigen Discgolfer kennengelernt.

Auch die Kosten halten sich in Grenzen: Außer den Discs braucht man keine weitere Ausrüstung. Anfängersets mit drei verschiedenen Scheiben kosten circa 25 Euro. Und wer es einfach mal ausprobieren will, kann sich im Allerpark am Kolumbianischen Pavillon Scheiben für zehn Euro Pfand leihen.

Um richtig gut zu werden, braucht es jedoch auch für diesen Sport Übung und nochmals Übung. Und in der Spitze ist ebenso athletische wie mentale Stärke gefragt. Schließlich kommt noch ein technisch-taktischer Aspekt hinzu: Wer wie Kowalczyk rund 25 verschiedene Discs für die unterschiedlichen Situationen sowie Wind- und Wetterbedingungen während eines Parcours in seiner Tasche hat, muss über ein gehöriges Maß an Fachwissen verfügen, um die richtige Scheibe herauszupicken. Zudem gibt es unterschiedliche Wurftechniken, um beispielsweise einen Baum zu umspielen (siehe Info-Kasten).

Kowalczyk hat Disc-Golf durch sein Sport-Studium an der TU Braunschweig kennen- und lieben gelernt. „Ohne Disc-Golf würde ich nicht so viel durch die Büsche rennen und an der frischen Luft sein“, sagt er. Und wenn ein Wurf so kommt wie man das geplant hat, „dann ist das einfach der Hammer“.

tk

 

Scheiben/Dics

Beim Disc Golf gibt es verschiedene Scheiben, die 150 bis 200g wiegen und teilweise sehr unterschiedliche Flugeigenschaften besitzen. Es gibt drei Oberkategorien:

  • Driver: Häufig für den ersten Wurf, um so weit wie möglich zu kommen. Diese Scheiben haben einen keilförmigeren, aerodynamischeren Rand als die „Putter“. Dadurch sind sie schneller, aber auch instabiler in ihrer Flugbahn – sie kippen schneller nach links oder rechts in der Luft weg. Für kurze Würfe nicht zu empfehlen.
  • Midrange (oder Multi-Purpose): Für kürzere Würfe, um sich einem Korb für den finalen Wurf anzunähern. Diese Scheiben haben eine stabile Flugbahn und fliegen nicht so weit wie Driver.
  • Putter: Für die kürzesten und präzisesten Würfe auf den Korb.

Einsteiger-Sets mit einem Driver, Midrange und Putter gibt es für rund 25 Euro. Einzelne Scheiben für 6 bis 8 Euro

 

Wurf-Techniken

Es gibt verschiedene Wurf-Arten:

  • Backhand: Rückhand-Wurf wie mit einer normalen Frisbee-Scheibe. Besonders für weite Würfe geeignet.
  • Sidearm: Mit der Vorhand weg von der Hüfte werfen, um etwa einen Baum zu umspielen. Die Scheibe fällt in die gegengesetzte Richtung ab.
  • Overhead oder Upside-down: Man wirft die Scheibe über den Kopf so, dass die Scheibe auf den Rücken zu liegen kommt. Mit dieser Wurftechnik gelangt man leichter über große Büsche oder kleine Bäume.
  • Roller: Hier wird die Scheibe gerollt (meistens nur, wenn es nicht mehr anders geht). Man kommt so weiter, jedoch ist die Richtung schwierig zu kontrollieren.

 

Weitere Infos gibt es unter:

www.discgolf.de (Deutscher Frisbeesport Verband)

www.discgolf-wolfsburg.de (Disc Golf TimberWolfes Wolfsburg)