Durch die Begleitung Sterbender Lebenssinn stiften

Frühling – das ist in der Natur die Zeit des Aufblühens. Auch für viele Menschen steht die Jahreszeit für stimmungsvolle Momente und ein positives Lebensgefühl. Doch das trifft leider nicht FÜR alle zu. Manche kämpfen mit schwerer Krankheit, andere befinden sich bereits in der letzten Phase ihres Lebens. Für sie ist es wichtig, viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Darüber hinaus ist Hilfe aus der Gesellschaft von hohem Wert. Eine Einrichtung, die Betroffene und Angehörige unterstützt, ist das Hospiz. Hier schenken Ehrenamtliche ETWAS von ihrer Zeit und gehen tagtäglich auf die besonderen Bedürfnisse der erkrankten Personen und deren Familien ein.

Im Verein Hospizarbeit Region Wolfsburg sind insgesamt 160 ­Ehrenamtliche in allen denkbaren Bereichen aktiv. Neue ­Interessenten werden zunächst meist im Rezeptionsdienst, in der Küche oder der Wäscherei aktiv, berichtet Petra Bachmann. Als hauptamtliche Mitarbeiterin des Vereins koordiniert sie den Einsatz der vielen Ehrenamtlichen. „Manche beteiligen sich an der Gartengestaltung, andere kümmern sich um die Dekoration im Haus.“ Chorsänger, ein ­Gitarrenspieler, eine Märchenerzählerin – sie alle bringen sich mit ihrem Talent ehrenamtlich in die Hospizarbeit ein.

Schon viele Jahre dabei ist Heide Hintze. Durch ihre Qualifikation als Krankenschwester kann sie als Sterbebegleiterin auch in kritischen ­Situationen zum Einsatz kommen. Durchschnittlich begleitet Heide ­Hintze pro Jahr vier Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Dabei geht es oft um einfache Dinge, wie die pure Anwesenheit und Ablenkung. Im Betreuten Wohnen, ihrem letzten Arbeitsplatz vor dem Eintritt in den Ruhestand, hatte sie festgestellt: „Den Pflegekräften fehlt die Zeit, beispielsweise für ein Gespräch. Hier wollte ich ehrenamtlich unterstützen.“ Ihr erster praktischer Beitrag im Hospizverein war ihre Mithilfe am Bau des Hospizhauses. 12 Jahre ist das her. Die Wolfs­burgerin belegte dann den Vorbereitungskurs für angehende Sterbebegleiter. An zwei Wochenenden und 13 Themenabenden erfuhr sie von Ärzten, Seelsorgern, erfahrenen Ehrenamtlichen und haupt­amtlichen Mitarbeitern des Hospizvereins alles, was ein Sterbebe­gleiter wissen sollte. Neben Ihrer Tätigkeit direkt mit den Betroffenen hat sie unter dem Dach des Hospizvereins auch schon an der Re­zeption Besucher des Hauses empfangen, Öffentlichkeitsarbeit geleistet und in einem Arbeitskreis eine Broschüre für neue Hospiz­gäste erstellt.

„Wir versuchen, Wünsche zu erfüllen“, bringt Brigitte Werner, Leiterin des Sozialdienstes, die Arbeit des Vereins auf den Punkt. „Wenn jemand beispielsweise auf ein Bier in die Stadt gehen möchte, soll das auch geschehen.“ Mithilfe anderer Institutionen realisieren die Mitarbeiter des Hospizvereins aber auch Wünsche, die auf den ersten Blick unerfüllbar scheinen: der Besuch eines Rammstein-Konzertes, eine Kutschfahrt oder die Hochzeit am Sterbebett – all das war schon da. Doch Sterbebegleitung ist meist nicht laut wie Rammstein.

Heide ­Hintze sagt, manchmal sei es sehr schwierig, Zugang zu finden: „Wenn jemand nicht spricht, muss man sich langsam einen Weg ­bahnen.“ Und sie kennt Methoden, die diesen Weg erleichtern.

Als Belastung empfindet sie den Umgang mit todkranken Menschen und ihren Angehörigen nicht, auch wenn das Erlebte zunächst in ihrem Kopf bleibt. „Ich nehme die Besuche und Gespräche in den Alltag mit und denke dann darüber nach, was ich das nächste Mal mache“, sagt sie. Doch Heide Hintze weiß, dass sie mit ihren Ge­danken nicht alleine gelassen wird. Einmal monatlich trifft man sich zur Supervision mit einem Mentor. „Da besprechen wir sehr private Themen, lachen aber auch gemeinsam. Diese Treffen geben mir viel Kraft für die Arbeit“, so Hintze. Über ihre Arbeit im Hospizverein sagt sie: „Ich habe hier eine sinnvolle Aufgabe gefunden, die mich erfüllt. Und ich freue mich, die Erfahrungen, die ich im Berufsleben ge­sammelt habe, einbringen zu können.“

BZ