Ersatzoma und beste Freundin zugleich

Woher als alleinerziehende Mama, die neu in Wolfsburg ist, die Betreuung für die Geschwisterkinder herbeizaubern, während man dem kleinsten, schwer kranken Kind im Krankenhaus die Hand halten muss? Wen kann der Vater, dessen Frau vor kurzem gestorben ist, zurate ziehen, wenn er sich in Erziehungsfragen überfordert fühlt? In diesen und vielen ähnlichen Fällen kann ein Familienpate des Kinder- und Jugendschutz Wolfsburg e.V. unterstützen. Wir haben Familienpatin Sonja Ebbecke zum Interview getroffen.

„Du bist unsere Ersatzoma! Was würden wir nur ohne dich machen…“ Diese und viele weitere Dankeschöns hat Sonja Ebbecke (64) schon oft zu hören bekommen. Solches Lob ist für sie viel mehr wert als jede Bezahlung. Sonja Ebbecke ist Familienpatin – und zwar seit 11  Jahren, seit dem Zeitpunkt, als der Kinder- und Jugendschutz Wolfsburg e.V. das Programm ins Leben gerufen hat. Mehr als ein Dutzend Familien hat Ebbecke, die auch gleichzeitig seit über 20 Jahren als Kassenwartin des Vereins fungiert, schon begleitet – und erntet von fast jeder Familie eine große Dankbarkeit. „Ein Beispiel dafür, dass unsere Unterstützung gut angekommen ist, ist die Einladung zu einer Konfirmation mit dem Hinweis: Ihr gehört doch zur Familie dazu!“ erwähnt Ebbecke nicht ohne Stolz.

Familienpaten: Begleitung für Familien in Not

Zwar macht sich die Einführung der Ganztagsschule bei der Betreuung bemerkbar, doch es gibt noch immer genügend Situationen, in denen Familien von der ehrenamtlichen Unterstützung durch dieses Programm profitieren – gerade, wenn sie beispielsweise neu in der Stadt sind und dadurch nicht auf die klassische Unterstützung durch Familie und/oder Freunde aufbauen können. „Wir haben die Möglichkeit individuell auf den Einzelfall abgestellt unter die Arme zu greifen: Etwa, wenn ein Mensch fehlt, der auf die Kinder aufpasst, während die Mutter zur Krankengymnastik geht oder wenn, wie geschehen, eine alleinerziehende Mutter mit dem Führen des Haushalts und der Versorgung der Kinder überfordert ist “, erläutert Ebbecke ihr Spektrum an Hilfsleistungen.

Diskret, einfühlsam und unbürokratisch

Familienpate zu sein, heißt, sich diskret, einfühlsam und unbürokratisch auf die jeweilige familiäre Gegebenheit einzustellen – ohne einen Zeitplan, ohne Druck und Drohung, ohne Auflagen, ohne Wenn und Aber. „Die Eltern, die sich an uns wenden, sehen ihre Situation. Wir helfen pragmatisch, genau da, wo es notwendig ist“, berichtet die erfahrene Familienpatin. Da kann es schon passieren, dass Sonja Ebbeckes Mann eine Deckenlampe anbringt, weil die Wohnung der betreuten Familie zwar Strom hat, die alleinerziehende Mutter aber kein handwerkliches Geschick besitzt. Eine der Mütter, die Ebbecke unterstützte, hat sie beispielsweise zum Familienfrühstück der Fabi begleitet. „Die Mutter ist Irakerin und traute sich einfach nicht allein aus dem Haus. Mittlerweile hat diese Frau sogar eine Ausbildung zur Stadtteilmutter gemacht und gibt ihre Erfahrungen an andere bedürftige Frauen weiter“, freut sich die Familienpatin. Das ist klassische „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Offenes Ohr auch für die Eltern     

In einigen Fällen kommt Sonja Ebbecke mit den Kindern eher weniger in Kontakt. Dann steht die Begleitung der Eltern bei Behördengängen im Vordergrund. Das ist manchmal auch wirklich notwendig. Die Familienpatin spricht mit reichlich Erfahrung: „Es reicht oft, dass ich einfach nur still dabeisitze. Schon ist der Umgangston ein anderer und es werden andere Ergebnisse erreicht. Die Anliegen der Menschen, die ich begleite, werden auf einmal ganz anders angegangen.“ So wurde der alleinerziehende Familienvater von zwei kleinen Kindern dann doch nicht mehr zu Jobs verdonnert, bei denen er bis 19 Uhr arbeiten musste. Oder die Mutter des schwer kranken Kindes wurde ebenfalls von der Arbeit freigestellt.

Familienpate werden…

… ist übrigens unkompliziert möglich. Wer einsteigen möchte, wird nach einem Einführungsworkshop durch Menschen mit langjähriger Erfahrung, wie Sonja Ebbecke begleitet. „Bis es zur ersten betreuten Familie kommt, braucht die neue Familienpatin jedoch manchmal etwas Geduld. Das lässt sich ja nicht planen“, führt Ebbecke aus und ergänzt: „Zur Zeit können wir gern noch ein paar Familien mehr betreuen. Wenn also in den Familien der Leserinnen und Leser von DEIN WOLFSBURG der Schuh drückt, wissen sie nun, wohin sie sich wenden können.“

 

SRB