Escape Traum Wolfsburg

Gefangen! Nur eine Stunde bleibt dem Redaktionsteam von „Dein Wolfsburg“, um aus seinem Gefängnis zu entkommen. Dafür muss die Gruppe eine Reihe Rätsel lösen, an deren Ende ein Schlüssel zutage kommt. Gottlob: das Gefängnis ist freiwillig gewählt, die Rätsel sind Teil eines ausgetüftelten Freizeitvergnügens. Zu finden ist dies unter dem Namen „Escape tRaum“ im Reislinger Holzbanktheater. Die Betreiber Ozana und Cristian Costin verraten, welche rollen Goethe, Poirot und Hexen dabei spielen. 

Die Tür fällt hinter Björn, Jasmin, Ollie, Rebecca, Sebastian und mir ins Schloss. Ein digitaler Countdown an der Wand demonstriert seine Unerbittlichkeit. Und einen Anachronismus, denn der Raum selbst ist wie ein altertümliches Wohnzimmer gestaltet. Gemälde zieren die Wände, ein Sofa lädt zum Verweilen ein, ein Ofen, ein Schrank, eine Bibliothek sowie eine Vielzahl historisch anmutender Einrichtungsstücke erzeugen Wohnlichkeit. Unsere erste Aufgabe ist es, einen mit „Start“ markierten Hinweis zu finden, und schon jetzt lassen wir uns gewitzt in die Irre leiten. Die Stimme Ozana Costins erklingt aus dem Off und gibt uns unseren ersten entscheidenden Hinweis. „Es gibt theoretisch zweimal Hilfe“, betont sie. „Praktisch aber immer.“ Denn per Kamera hat sie jederzeit die Gruppe im Blick. Und Hilfe hat unser Team oft genug nötig.

(c) Sebastian Dorbrietz

Escape Rooms erfreuen sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit; ursprünglich sind sie ein Konzept für Online-Computerspiele. Üblich ist es laut Costin, dass die Teilnehmer in Escape Rooms eine Reihe Gegenstände finden und systematisch anwenden müssen. Nicht so im Escape tRaum: Hier hangeln

wir uns von Rätsel zu Rätsel; jede Lösung gibt Hinweise auf das Versteck der nächsten Aufgabe. Sobald wir richtig liegen, erklingt das Titellied von „Indiana Jones“. Wir jubeln – und kommen schon beim nächsten Rätsel wieder ins Stocken. Ein Reim, ein veralteter Ausdruck, ein lückenhaft erscheinender Text, ein Code – sehr anspruchsvoll.

Bis auf eines entstammen die Rätsel nicht der Feder der Costins, sondern haben literarische Quellen, aber keine allgemein bekannten. „Harry Potter“ wäre zu einfach gewesen, sagt Costin, und zitiert stattdessen Clemens Brentano und Johann Wolfgang von Goethe. Von dessen Rätsel habe er selbst behauptet, es habe drei Jahre gedauert, bis es jemand löste. Literatur als Vorlage verwundert nicht, schließlich ist der Escape tRaum einem Theater angegliedert. „Wir haben es konzipiert wie eine Vorstellung“, bestätigt Costin: „Wir haben ein Regieheft gemacht, wie beim Theater.“ Die Rätsel folgen dabei einem roten Faden und einer Narration. „Der rote Faden ist der Hexentanz von Walpurgis“, offenbart sie, „man springt von einem zum anderen.“ Die Narration ist eine andere: „Es ist das Prinzip von Hercule Poirot, wie er ein Zimmer unter die Lupe nimmt.“

Wir folgen dann also Agatha Christies Detektiv und brauchen wie er bisweilen Werkzeuge, um Rätsel zu entziffern oder Zettel aus ihrem Versteck bergen zu können. Angenehm verwirrend ist, dass nicht jedes Werkzeug zweckdienlich ist und auch nicht jeder Zettel ein Rätsel enthält.

DER DIGITALE COUNTDOWN NEIGT SICH DEM ENDE…

(c) Sebastian Dorbrietz

Der digitale Countdown neigt sich dem Ende, die Atemluft gefühlt auch, und wir haben noch so viele Nüsse zu knacken. Wir geraten in Panik: Stellen wir uns wirklich so ungeschickt an? „Meine Absicht ist, dass jeder rauskommt“, betont Ozana Costin. „Das Szenario ist so gedacht, dass es jeder in bis zu 55 Minuten schafft.“ Inklusive Hilfe: „Ohne stockt jeder irgendwann.“ Doch nicht jedes Team will Hilfe, manchen sei deshalb die Flucht nicht geglückt. Doch als die Uhr 8:02 verbleibende Minuten anzeigt, fällt uns der Schlüssel in die Hände. „Gratuliere, Sie haben es geschafft“, empfängt uns Costin. Wir sind glücklich.

Geschafft haben es die Costins, mit dem ersten Escape Room Wolfsburgs der kulturellen Vielfalt eine neue Facette zu bieten. Dabei soll es nicht bleiben: „In unserem Kopf ist schon ein neues Zimmer“, so Cristian Costin. Es schwebt den beiden vor, zusätzlich eine Art Mystery-Abend zu konzipieren, ebenfalls von Poirot inspiriert. Auf eines werden die Gäste der beiden Rumänen indes weiterhin verzichten müssen: „Skorpione, Spinnen und Dracula“, lacht Ozana Costin. Ihr Mann Cristian zwinkert: „Wir beißen nur freitags.“

(c) Sebastian Dorbrietz

MB