Feuer und Flamme

Wenn ich groß bin, dann will ich Feuerwehrmann werden – so wie mein Papa. Als Kind hat sich Maximilian Bednorz nichts sehnlicher gewünscht. Dass sich sein Kindheitswunsch erfüllt, hat er seiner Zielstrebigkeit zu verdanken. Und seiner festen Überzeugung, dass der Beruf wie für seinen Vater Klaus-Peter auch für ihn genau das Richtige ist.

„Leute, es geht los!“ Sein erstes Feuer wird Maximilian Bednorz nie vergessen. Wie er mit seinen Kollegen auf dem Löschgruppenfahrzeug zur Brandstelle braust; wie der Dachstuhl in der Innenstadt lichterloh brennt; und wie er mit der Wärmebildkamera ausgerüstet das Haus betritt, um es nach Glutnestern abzusuchen. Als der Brand gelöscht und die Situation unter Kontrolle ist, klopfen ihm die Kollegen auf die Schulter: Feuertaufe bestanden. „Das“, sagt Maximilian, „war ein gutes Gefühl.“

© Sebastian Dorbrietz

Maximilian steckt mittendrin in der Ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann – zwei Lehrjahre, die er sich hart erkämpft hat. Feuerwehrleute müssen einiges aushalten können. So auch der 22-Jährige, der seine besondere Fitness im Auswahlverfahren unter Beweis stellen musste. Seinen Auftritt am entscheidenden Tag hatte er von langer Hand geplant. „Ich habe viel Zeit in die Vorbereitung investiert und früh mit Schwimmen, Kraft- und Ausdauersport angefangen. Das Training war mir so wichtig, dass ich sogar meine Freundschaften vernachlässigt habe.“

Das ausgiebige Programm hat sich ausgezahlt. Am Prüfungstag meisterte Maximilian alle Anforderungen – darunter auch das Drehleitersteigen 30 Meter über dem Boden. Weil er auch den schriftlichen Einstellungstest und das persönliche Gespräch erfolgreich bewältigte, landete wenig später die heißersehnte Mitteilung im heimischen Briefkasten in Barnstorf: die Zusage der Stadt Wolfsburg. „Ich war einfach nur glücklich und habe geschrien vor Freude“, sagt Maximilian.

Ein neuer Rhythmus hält seitdem Einzug in sein Leben: der 24-Stunden-Takt. So lange dauert der Arbeitstag auf der Feuer- und Rettungswache in der Dieselstraße im Stadtteil Heßlingen. Um kurz vor acht Uhr beginnt der Dienst. Löschfahrzeug und Rettungswagen, Leitern und Pumpen, Feuerwehrleinen und natürlich die persönliche Schutzausrüstung: Zu Beginn des Tages warten jede Menge Fahrzeuge und Geräte, die geprüft und gepflegt werden müssen – es sei denn, es kommt ein Einsatz dazwischen. Dann lässt er alles stehen und liegen.

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„Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner gehen da rein, wo andere herausrennen – obwohl sie nicht wissen, was sie drinnen erwartet“, sagt Maximilian. In seiner Ausbildung lernt er, mit dieser Herausforderung umzugehen. Er trainiert, das Atemschutzgerät zu gebrauchen; seinen verlängerten Arm einzusetzen – die Feuerwehraxt; und brennende Wohnungen nach Personen zu durchsuchen. Selbst dann, wenn er die eigene Hand vor Augen nicht sieht, weil der Rauch so dicht ist. Und er bringt sich bei, seine Grenzen zu erkennen: bis hierhin und nicht weiter. „Ein Feuerwehrmann“, unterstreicht Maximilian, „sollte nie mit seinem Leben und mit dem seiner Kollegen spielen.“

Mehr als 13.000 Mal musste die Berufsfeuerwehr Wolfsburg im vergangenen Jahr ausrücken. Die Anzahl der Brände: 700. Das zeigt, dass Maximilians Aufgabenbereich weit über die Brandbekämpfung hinausgeht. Ölspuren auf der Straße absichern; Türen öffnen, um Menschen aus misslicher Lage zu befreien; Schäden nach Sturm oder Starkregen beseitigen: Diese technischen Hilfeleistungen gehören zu den Pflichten des Feuerwehrmanns, „um Gefahr für Leib und Leben abzuwehren“, erklärt Maximilian.

© Sebastian Dorbrietz

Es gibt Situationen, die Feuerwehrleuten alles abverlangen – nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Nämlich dann, wenn sie Schwerverletzte oder Tote aus verunglückten Fahrzeugen rettet oder bergen müssen. Das sind Erfahrungen, die schwer auf der Seele lasten können. „Wichtig ist, die Erlebnisse auf keinen Fall herunterzuschlucken, sondern darüber zu reden.“ Die Einsatznachsorge der Berufsfeuerwehr Wolfsburg ist dazu da, solche Belastungen zu verarbeiten.

Und dann ist da ja auch noch sein Team. Den ganzen Tag in der Gruppe zu verbringen und in der Bereitschaftszeit gemeinsam zu kochen, Sport zu treiben und die Nacht unter einem Dach zu verbringen  – das schweißt zusammen. „Wir haben eine tolle Kollegschafft“, sagt Maximilian. Die ist nötig, um die Einsätze erfolgreich zu bewältigen. Einzelkämpfer sind bei der Feuerwehr fehl am Platze.

Zwei Tage hat er frei, wenn sein Dienst auf der Wache nach 24 Stunden endet. „Mit gefallen diese Arbeitszeiten.“ Weil sie ihm den Freiraum geben, auch in der Freizeit seiner Berufung nachzugehen – nämlich seinen Wissensschatz mit Kindern und Jugendlichen der freiwilligen Feuerwehr zu teilen. Maximilian: „Berufsfeuerwehrmann werden: Diese Entscheidung habe ich aus absoluter Überzeugung getroffen. Dass ich mich in meiner Heimatstadt Wolfsburg ausbilden lassen kann, ist ein absoluter Traum.“

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VON BERUF: FEUERWEHRMANN/-FRAU

Tätigkeiten: Neben dem Löschen von Bränden hat der Berufsfeuerwehrmann viele weitere Pflichten. Löschen, retten, bergen, schützen: Mit diesen Schlagwörtern lässt sich sein Aufgabenbereich beschreiben.

Ausbildung: Einblick in die Praxis bekommt Maximilian Bednorz bei den Wachpraktika auf der Feuerwache, dort lernt er größtenteils auch die Theorie – ergänzt durch Lehrgänge an der niedersächsischen Landesfeuerwehrschule in Celle. Einen Teil der Ausbildung verbringt er auf der Rettungsdienstschule Braunschweig – denn jeder Berufsfeuerwehrmann muss über die Qualifikation zum Notfallsanitäter, früher Rettungssanitäter, verfügen. Eine wichtige Zulassungsvoraussetzung für den Beruf: die Ausbildung in einem Handwerk. Maximilian ist gelernter Tischler.

Ausbildungsdauer: Zwei Jahre.