Rezeptkarten

Foodblog­gerin Larissa Christoph

Sie kocht und backt für ihr Leben gern 

Ich besuche Larissa Christoph bei ihr zu Hause. Ihre drei Töchter besuchten allesamt Wolfs­burger Schulen, ihr Mann arbeitet im Werk. Seit über zwei Jahren ist ihr Lebens­mit­tel­punkt die Küche. Das hört sich noch nicht spekta­kulär an. Dann aber erzählt sie mir von ihrer raketen­haften Karriere bei Instagram. Sie ist Bloggerin – seit dem 6. März 2020. Das Datum kennt sie auswendig, denn an dem Tag gab es ihren ersten Post auf Instagram. Ein Zimtschne­cken­re­zept, erinnert sie sich. Schon fünf Monate danach zählt ihre Seite über 10.000 Follower. Stand Juni dieses Jahr: über 36.000 Fans.

In Sibirien geboren, kam sie 1988 nach Deutsch­land, erzählt sie mir. Schon als Schülerin kaufte sie sich von ihrem Taschen­geld Backhefte; Kochre­zepte tippte sie auf Kartei­karten ab, die sie bis heute aufbe­wahrt. Sie hat zwar einen Beruf erlernt – Notar­fach­ge­hilfin –, aber viel wichtiger für ihren jetzigen Erfolg ist ihre Eigen­in­itia­tive, die sie immer vielsei­tiger werden ließ. In Wolfsburg begann sie zu nähen, vermit­telte ihr Können in Vorsfelde in Kursen sowie in Näh-AGs am Phoenix Gymnasium und bewarb das Genähte online selbst. Zusätz­lich beglei­tete sie Wolfs­burger Jugend­liche als Integra­ti­ons­hel­ferin beim Famili­en­ser­vice in Wolfsburg; das alles lastete sie aber nicht aus, sie suchte nach etwas Eigenem und die vielfäl­tigen Erfah­rungen gaben ihr das Rüstzeug für ihre Selbstständigkeit.

Larissa Christoph ist Perfek­tio­nistin. Sie setzt einen Fuß vor den anderen. Anfangs Rezepte mit Fotos. Dann kamen die Anfragen, ob man sie nicht mal sehen könnte … Zuerst war ihr Credo: „Kein Foto und keine Stimme von mir, schon gar kein Video!“ Erst als sie sich stimmlich und visuell gefiel, wagte sie sich an ihr erstes Video. Nun steht sie, top gekleidet und mit einer anspre­chend dekorierten Küche im Hinter­grund, vor der Kamera. Keine Spur von Schüch­tern­heit, im Gegenteil, sie plaudert persön­lich und unauf­ge­regt in ihr Smart­phone. Überhaupt, das Handy ist neben den Kochtöpfen ihr wichtigstes Arbeits­werk­zeug. Alle Fotos sind von selbst aufge­nommen. Kocht sie auch in diesem Outfit, frage ich sie. Ja, immer, es ist ihr wichtig, gepflegt auszu­sehen, „man geht ja auch nicht in Jogging­hose ins Büro“, erklärt sie mir lächelnd.

Der nächste Schritt ließ nicht lange auf sich warten. Schon bald erschien ihr erstes von nunmehr sieben Rezept­heften. Schön gestaltet, übersicht­lich, mit appetit­li­chen Fotos und vielen Tipps. Die Rezept­hefte lassen sich im Internet bestellen. Eines heißt „Am Herd meiner Tanten“. Solange sie denken kann, gibt es in ihrer Familie in der Sowjet­union zu jeder Feier ein großes Buffet mit selbst gemachten Köstlich­keiten. So haben sich mit der Zeit viele Rezepte angesam­melt. Zum Beispiel Kurniki, mit Hackfleisch gefüllte Teigta­schen, oder drei M‑Süßigkeiten: Maschenke, Mischka und Mustjes.

Auch für die kommende Vorweih­nachts­zeit ist sie gerüstet: mit Rezepten, die so richtig Lust machen auf gemüt­liche Nachmit­tage mit Kerzen­schein, leckeren Keksen zum Kaffee und festlich gedecktem Tisch. In ihrem Advents­ka­lender führt Larissa Christoph täglich eine andere weihnacht­liche Speise vor, von kandierten Äpfeln und gebrannten Mandeln über Baumstrietzel bis hin zu weihnacht­li­chen Getränken.

Wo wir schon beim Weihnachts­thema sind: Was gibt es denn bei den Chris­tophs Weihnachten zu Essen, frage ich die ambitio­nierte Köchin. Das Klassi­sche natürlich, nämlich Orangen­ente mit Rotkohl. Mmh, lecker, ich rieche schon das Aroma von Rotwein und Rotkohl, die Liaison aus Zwiebeln und Äpfeln. Aber kann ich das so einfach? Larissa macht mir Mut. Sie hat das Rezept bei Instagram gepostet und sogar ein Video über dieses Gericht gedreht, in dem sie haarklein, nein rotkohl­fein, alle Arbeits­schritte erklärt.

Was ist denn ihr Erfolgs­re­zept, will ich wissen. „Ich glaube, weil ich keine überkan­di­delten Rezepte mit Dutzenden von exoti­schen Gewürzen anbiete, die leicht nachzu­ko­chen sind.“ Und, gehen ihr die Ideen nicht irgend­wann mal aus?, frage ich am Ende. „Nein, Ideen habe ich genug!“, ist Larissa Christoph überzeugt.

Bärbel Mäkeler

Foodbloggerin Larissa Christoph
Foodblog­gerin Larissa Christoph © Bärbel Mäkeler
Kontakt

www.foodbylari.de

Instagram: food.by.lari

Titelfoto: Rezept­samm­lung, Foto: Bärbel Mäkeler

Ausgabe 16, DEIN WOLFSBURG, Herbst/Winter 2022

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