Frauenfussball beim VFL Wolfsburg – Bodenständige Weltspitze

Jeweils zweimal Champions-League-Sieger, Deutscher Meister und Deutscher Pokalsieger seit 2013. Auf diese eindrucksvolle Bilanz können die Bundesligafrauen des VfL Wolfsburg in den vergangenen Jahren zurückblicken. Dass die Damen des VfL längst in der Weltspitze angekommen sind, steht außer Frage. Was oftmals nicht in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, ist der Aufwand, den die Frauen neben dem Platz betreiben. Eine berufliche Ausbildung ist für die Meisten selbstverständlich. Deshalb haben wir bei drei Spielerinnen nachgefragt, wie sie sich neben der Fußballkarriere weiterqualifizieren und vor welchen Herausforderungen sie dabei stehen.

Seit 2014 spielt Vanessa Bernauer beim VfL Wolfsburg. Sie kam mit dem Ziel nach Wolfsburg, sich sportlich weiterzuentwickeln, neue Erfahrungen zu sammeln und natürlich um Titel mitzuspielen. In Wolfsburg findet die gebürtige Schweizerin beste Voraussetzungen dafür. „Hier kann man tagtäglich an sich arbeiten, bei Top-Bedingungen mit Top-Mitspielerinnen“, unterstreicht Bernauer. Ähnlich verhielt es sich bei Luisa Wensing, die seit 2012 beim VfL Wolfsburg ist. Auch für sie war der Wechsel seinerzeit der großen sportlichen Herausforderung geschuldet. Der VfL ist sowohl auf dem Platz, als auch im Umfeld professionell aufgestellt. Das wissen die Spielerinnen zu schätzen. So auch Juniorennationalspielerin Merle Frohms, die bereits seit fünf Jahren für die Grün-Weißen aktiv ist.

Die Torhüterin hat in Wolfsburg ihr Abitur gemacht. „Mir war immer klar, dass es nach dem Schulabschluss ein Studium oder eine Ausbildung sein soll“ erklärt Frohms, für die es nicht in Frage kam, nach der Schule ausschließlich Fussball zu spielen. Relativ spontan ist sie dann zu ihrer Ausbildung gekommen. Eine frühere Mitbewohnerin hat sie über die Möglichkeiten einer Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Autovision informiert – ihr Interesse war schnell geweckt. Über den VfL wurde der Kontakt hergestellt und im Sommer 2016 wird sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben. „Es war eine anstrengende Zeit, weil man immer zweigleisig fährt. Zum einen will man gut trainieren und sich empfehlen, andererseits darf man die Ausbildung nicht aus den Augen verlieren“, beschreibt Frohms die Doppelbelastung der letzten Jahre. Die Pläne für die Zukunft hat die 21-Jährige aber bereits fest im Blick: „Mit der beruflichen Qualifikation in der Tasche, kann ich mich jetzt erstmal auf den Fußball konzentrieren.“

(c) VfL Wolfsburg

Als Luisa Wensing mit 19 Jahren zum VfL Wolfsburg kam, war es für sie Grundvoraussetzung, parallel auch eine Ausbildung machen zu können. Sie dachte bereits frühzeitig an die Zeit nach dem Fußball und wollte sich ein weiteres Standbein schaffen. Ursprünglich hatte sich die Verteidigerin den Beruf der Physiotherapeutin auserkoren, doch nach einigen absolvierten Praktika reifte die Entscheidung, sich noch einmal umzuorientieren. So signalisierte sie dem VfL, beim Verein eine Ausbildung zur Bürokauffrau machen zu wollen. Heute ist sie mit dem damals eingeschlagenen Weg sehr glücklich. Ihre 3-jährige Ausbildung hat sie 2015 abgeschlossen und arbeitet seitdem im Controlling des VfL. Hier ist sie 20 Stunden die Woche, vier Stunden am Tag in Teilzeit tätig. „Der Fokus liegt jedoch klar auf dem Fußball“, erklärt die am Niederrhein geborene Spielerin. Die Arbeitszeiten sind flexibel und passen sich dem Trainingsplan an. Das müssen sie auch, denn besonders in der Saisonvorbereitung mit zwei intensiven Trainingseinheiten am Tag bleibt nicht mehr allzu viel Zeit übrig. Aktuell möchte Luisa Wensing wieder auf das Niveau kommen, welches sie im Frühjahr 2015 hatte. Da brach sich die mehrfache Nationalspielerin das Wadenbein. Seitdem trainiert sie hart, um bei der ersten Mannschaft des VfL wieder sportlich anzugreifen und sich langfristig auch für die Nationalmannschaft zu empfehlen – parallel zum Job im Controlling.

(c) VfL Wolfsburg

Vanessa Bernauer hat ihren Vertrag beim VfL Wolfsburg kürzlich um zwei Jahre bis 2018 verlängert. „Ich freue mich, weiterhin Teil dieser tollen Mannschaft zu sein“, sagt Bernauer, die das Vertrauen und die Wertschätzung des Vereins spürt. Sie ist derzeit Vollprofi und kann sich komplett auf den Sport einlassen. „Im Moment konzentriere ich mich voll und ganz auf den Fußball und genieße auch, dass ich das kann“, strahlt Bernauer und fügt hinzu: „Mein Ziel, eigentlich mein Traum, war von Anfang an, dass ich von meiner Leidenschaft leben kann. So hat sich das mit der Zeit ergeben und als die Möglichkeit dann kam, habe ich sie auch nutzen wollen.“ Doch auch für sie steht fest: „Es muss nach dem Fußball wieder zurück zum ‚normalen‘ Arbeitsleben gehen, das ist so bei uns Frauen.“ Deshalb war es auch für sie wichtig, eine berufliche Qualifikation in der Tasche zu haben, bevor sie auf dem Rasen richtig durchstarten kann. In der Schweiz hat die Zürcherin deshalb eine Ausbildung zur Kauffrau mit Berufsmaturität abgeschlossen, welche sogar zu einem Studium an einer Fachholschule berechtigt. Es folgten Praktika im Marketing und Merchandising beim FC Zürich Frauen, dem Verein, bei dem sie bis 2010 aktiv war. Dass ihr eine breite Qualifikation wichtig ist, bewies sie nach ihrem Wechsel zu Levante UD. So hat sie dort neben dem Fußballspielen auch ein international anerkanntes Spanisch-Diplom erworben. Die 28-jährige Mittelfeldspielerin hat bereits viel geleistet, um sich den Traum vom Fußballprofitum zu verwirklichen, und den will sie noch so lange wie möglich auskosten. Sicher auch im kommenden Jahr, wenn die Fußball-Euromeisterschaft der Frauen in den Niederlanden ausgetragen wird. Aktuell läuft bis September 2016 die Qualifikation für das Turnier, und neben Deutschland ist auch die Schweiz auf dem besten Weg, dabei zu sein.

AS

 

Was raten Sie jungen Mädchen, die den Traum haben, Fußball auf Top-Niveau zu spielen?

 

(c) VfL Wolfsburg

Merle Frohms:

Sportlich ist mein Tipp, so lange es geht in Jungenmannschaften mitzuspielen, auch wenn es von mehreren Seiten manchmal belächelt wird. Aber das war einfach das Beste, was ich in meiner Jugendlaufzeit machen konnte. Außerhalb des Fußballs sollte man sich sein Umfeld und seine Freunde bewahren. Wichtig ist auch, dass man nicht alle Karten auf das Profifußball-Dasein setzt, sondern sich auch einen gewissen Ausgleich schafft. Und der Rest kommt dann durch Talent und Fleiß.

 

 

 

 

 

(c) VfL Wolfsburg

Luisa Wensing:

Es gibt überall viele Mädchen und Frauen, die den Fußballsport zu 100% leben. Mit Blick auf die Zukunft ist es sehr wichtig, dass man sich neben dem Fußball entsprechend qualifiziert. Dazu gehören Schule, Ausbildung, Studium usw. Mit einem Abschluss in der Tasche kann man sich bestmöglich auf den Sport konzentrieren und ist dennoch für die Zeit danach gewappnet.

 

 

 

 

 

 

(c) VfL Wolfsburg

Vanessa Bernauer:

Sie sollten nie ihr Ziel oder ihren Traum aus den Augen verlieren, genauso wenig ihre Freude an dem was sie tun, das ist sehr wichtig. Klar muss man hart an sich arbeiten, man muss teilweise Extraschichten schieben, vielleicht mal mehr machen als andere. Aber wenn man das wirklich will und die Freude und der Spaß immer dabei ist, dann kann man das bestimmt gut schaffen.