Ghostbusters

„Er schleimte mich voll!“ wer auf diesen Ausruf sofort mit „das ist ja toll“ antwortet, ist mitten im Thema: „Ghostbusters“, die Geisterjäger. Das Zitat stammt aus dem ersten Film von 1984, der auch heute noch (nicht nur wegen des kürzlichen Reboots) eine große Anhängerschaft hat – darunter Oliver Dörschel (33) aus Sülfeld, bei dem nicht nur Vitrinen voll mit „Ghostbusters“-devotionalien im Wohnzimmer stehen, sondern der mit einer handvoll Freunden als „Ghostbusters Niedersachsen“ selbst gelegentlich auf Geisterjagd geht.

Ein riesiger „Stay Puft“-Marshmallow-Man versperrt den Zugang zu Dörschels Schlafzimmer. Diese eigentlich niedliche Manifestation des Bösen, die Inkarnation des sumerischen Dämons Gozer, ist jedoch ein reichlich aufgeblasener Typ: eine Kunststoffhülle, die von einer elektrischen Luftpumpe aufrecht gehalten wird. Imposant, wie so manches Exponat in Dörschels Sammlung: Er hat die Feuerwache, von der aus die Ghostbusters agieren, als Lego-Modell, einen selbstgebauten Proton-Pack, mit dessen Strahlen die Geister in die Fallen getrieben werden, im Keller den auf zwei Quadratmetern selbst gebauten Tempel des Dämons sowie weitere, noch voluminösere Wünsche. „Ich erwarte ein Schmuckstück, den Terror-Dog-Kopf als Trophäe – davon gibt es nur 84 Stück weltweit“, verrät der Familienvater. Bei dem angekündigten giftgrünen „Slimer“-Gespenst in Originalgröße zuckt er noch.

© privat

Oliver Dörschel hat das Glück, dass seine Frau Sarah sein Hobby nicht nur akzeptiert, sondern gelegentlich auch teilt: „Sie hat mich so kennengelernt.“ So nimmt es nicht Wunder, dass ihr einjähriges Sohn Otis eine Ghostbusters-Uniform besitzt. Dennoch weiß Dörschel sich zu beschränken – und nimmt sich in anderen Bereichen zurück: „Ich gehe zwar immer noch gern zum Fußball, kaufe aber nicht mehr so viele Trikots.“ Dabei scheinen seine Aberdutzende von Devotionalien im gemeinsamen Wohnzimmer gar nicht so viel Raum einzunehmen, schließlich sind sie, abgesehen von den sperrigen Exemplaren, dicht an dicht in sechs Glasvitrinen untergebracht.

Doch der Schein trügt: „Ich habe noch ganz viele Poster, die würden locker einen Raum füllen, ich kann damit 15 Quadratmeter locker ausstatten“, sagt Dörschel. Dazu wird es vielleicht sogar kommen: Er plant, einen Kellerraum in seinem Elternhaus für seine Sammlung umzugestalten, inklusive Kinositzen.

Als der erste „Ghostbusters“-Film herauskam, war Dörschel gerade ein Jahr alt. Wie kam es dann zu dieser Faszination? „Los ging das in der Kindheit, mit sechs, sieben Jahren, da hatte ich ein paar Real-Ghostbusters-Figuren“, erzählt Dörschel. Mit dem Schulrucksack und einem Regenschirm spielten sie die Geisterjäger nach. 1989 kam der zweite Kinofilm heraus: „Ich habe eine gewisse Erinnerung daran, dass in den Imperial-Kinoaushangkästen Plakate hingen“, so Dörschel. Als die Filme im Fernsehen liefen, sah Dörschel sie sich zwar an, aber: „Als Jugendlicher war ich anderen Dingen zugetan.“ 2008 jedoch waren Oliver und Sarah Dörschel in New York: „Wir haben uns die Originalschauplätze angeguckt.“ Sie waren in der Feuerwache, in der Bibliothek und bei dem Haus, in dem die von Sigourney Weaver gespielte Dana Barrett wohnte und auf dessen Dach sich der Tempel befand.
So nahm Dörschels Leidenschaft ihren Anfang. Als erstes baute er sich seinen eigenen Proton-Pack, während er seine ersten Merchandise-Artikel erwarb. Zählen lassen die sich nicht, kurios sind viele: ein gläserner Totenschädel mit Wodka und Original-Autogramm von Schauspieler Dan Aykroyd, die Titelmusik auf Vinyl mit Marshmallow-Cover, zahllose Figuren, Geister, Terror-Hunde, das „Ecto-1“-Auto und dessen Nummernschild – und immer wieder Autogramme von Dan Aykroyd. Der spielte im Film Dr. Raymond Stantz und hinterließ seinen Schriftzug auf Dörschels Devotionalien bei zwei Conventions, darunter auf einem Foto, das den Darsteller und Dörschel zeigt. „Er ist wirklich ein cooler Kerl“, schwärmt der Sammler. „Es ist sehr geil, ihn getroffen zu haben.“ Seine Lieblingsfigur aus dem Film ist aber Dr. Peter Venkman, dargestellt von Bill Murray, der sich aber nur höchst selten für Autogramme und Selfies bereit erklärt. Dörschel: „Ich mag Bill Murray generell als Schauspieler.“

Als „Ghostbusters“-Sammler ist Dörschel kein Exot, Peter Mosen etwa gilt als der „König der Ghostbusters-Fans“, wie er berichtet. In Wolfsburg indes steht Dörschel allein auf weiter Flur, im Bundesland wiederum nicht: Er gehört den „Ghostbusters Niedersachsen“ an, einer sechsköpfigen Gruppe, die gelegentlich auch in Uniform und mit Geisterjägerausrüstung bei bestimmten Anlässen auftritt. „Den ersten Auftritt hatten wir beim Karnevalsumzug in Braunschweig, das war grandios“, strahlt Dörschel. Als der Ghostbusters-Pinball in Bünde bei Bad Oeynhausen präsentiert wurde, machten die Niedersachsen die Promotion. Für einen Videodreh in einem aufgelassenen Hotel im Harz buchte sie zudem der Wolfsburger Rapper Nizza, darüber berichtete auch der NDR im Fernsehen.

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In Dörschels Sammlung finden sich die ersten beiden „Ghostbusters“-Filme in diversen Varianten, als DVD, BluRay, Videospiel und im TV aufgenommenes VHS, mit herausgeschnittener Werbung. Die „Real Ghostbusters“-Zeichentrickserie spart er sich aus, aber die beiden Filme hat er zusammen bestimmt 100 Mal gesehen. Dem neuen Reboot gegenüber ist er skeptisch:

„FÜR MICH IST KLAR, DASS DER CHARME DER ALTEN FILME NICHT ERREICHT WIRD!“

Bleibt die Frage, ob Dörschel als Geisterjäger schon mal einem Geist begegnet ist. „Das wird man öfter gefragt“, sagt er lächelnd. „Dann antworte ich immer: Nein – seht ihr, wir machen einen guten Job.“ Dennoch interessiert sich Dörschel für „Phänomene“, wie er es nennt: „Manche Sachen fordern noch eine Erklärung, aber die gibt es nicht.“ Die Geisterjäger, die im Fernsehen gezeigt dabei werden, wie sie durch heruntergekommene Spukhäuser streichen, findet er spannend:

„ABER ICH BIN EIN SCHISSER, ICH KÖNNTE DAS NICHT.“

Einen großen Traum hat der Sammler noch: eines Tages das „Ecto-1“-Auto zu besitzen. Aber die Geisterjäger sind ja nicht alles im Leben. Einen Hinweis auf eine weitere Leidenschaft des Sülfelder Ehepaars gibt der Name ihres Mopses: Bono lautet der, nach dem Sänger ihrer Lieblingsband U2. Aber das ist eine andere Geschichte.

MB