Gratulation – 20 Jahre Junge Kunst

Das „Junge“ an der Jungen Kunst sind nicht zwingend die Zielgruppe und die Künstler, sondern die Ideen. Das betonen die Geschäftsführerin und die Vorsitzende des Kunstvereins in der Schillerstraße, Simone Arndt und Dr. Anke-Catrin Paulsen. Doch auch Junge Kunst kann altern: In diesem Jahr feiert der Verein sein 20-jähriges Bestehen. Die Ausstellung dazu läuft im Herbst, mit Exponaten aus der eigenen Historie, die einen Einblick in die Universen geben, die dort entstanden sind – mit Schokolade, Wiesen oder Giraffen.

Die Sache mit dem Vulkan blieb besonders bei Arndt und Paulsen hängen: Als der Eyjafjallajökull 2010 in Island ausbrach und den Flugverkehr lahmlegte, konnte auch die Künstlerin Sigga Björg Sigurðardóttir zunächst nicht anreisen. Und dann lautete der Titel ihrer Installation ausgerechnet „Smoke“! Oder die fl üssige Schokolade, mit der Sonja Alhäuser Maschinen befüllte: „Am Anfang roch das noch lecker, aber nach drei Monaten konnte ich keine Schokolade mehr essen“, lacht Arndt. Um Geruch ging es auch bei der „multisensorischen“ Kunst von Sebastian Pralle, der Papierbahnen quer durch den Galerieraum spannte; in diesem Rahmen führte Drei-Sterne-Koch Sven Elverfeld vom Restaurant Aqua im Ritz-Carlton ein Gespräch mit dem Künstler über Aromen. Eine Wiese baute Stefanie Bühler auf und ließ darüber eine Gewitterwolke aus Styropor dräuen. Die Wolfsburger Malerin Stefanie Woch animierte dazu, unbekannte Ecken in ihrer Heimatstadt zu entdecken. Eine Figur mit Echthaar stellte Birgit Dieker aus: „Das war für junge Menschen gruselig“, erinnert sich Arndt. Besonders eindrucksvoll fanden Arndt und Paulsen jüngst die Malerei von Titus Schade, einem Meisterschüler von Neo Rauch.

Eine enorme Bandbreite, und längst nicht alles, was bei der Jungen Kunst möglich ist. Vier Ausstellungen pro Jahr gibt es, eine davon in Zusammenarbeit mit der Braunschweiger Hochschule
für Bildende Künste. Viele Künstler bewerben sich direkt, schließlich ist der Ruf des Vereins als Karrieresprungbrett in der Szene bekannt. Über das fi nale Programm entscheidet stets der Vorstand.

Der Bildungsauftrag ist der Jungen Kunst wichtig, was sich in Kooperationen mit Wolfsburger Schulen und dem Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation zeigt, er konkretisiert sich in
Workshops mit Kindern. Die diese begeistert annehmen, freut sich Paulsen: „Der Nachwuchs ist da.“ Auch zu den anderen Wolfsburger Kunst- und Kultureinrichtungen sind die Verbindungen
eng.

Noch bis zum 9. Juni sind die abstrakten Gemälde des Leipzigers Tobias Lehner ausgestellt, Titel: „Trial And Error“. „Seine Werke sind in ihren Schichtungen voller Dynamik, sie treten in
einen Dialog mit Skulpturen, die den Gemälden gegenübergestellt sind“, erläutert Paulsen. Den Geburtstag feiert die Junge Kunst ab 8. September, dem Gründungsdatum: Dann zeigen die Vereinsmitglieder Exponate, die sie bei vergangenen Ausstellungen erwarben. Darunter ist auch Sina Heff ners Giraff e, die als Modell zuerst bei der Jungen Kunst zu sehen war – und nun in groß am Planetarium grast.

MB