Große Hilfe für die Kleinsten

Wie sehen moderne Elfen aus? Lange spitze Ohren sucht man hier vergebens, Flügel und Glitzer sind nirgends zu sehen. Zaubern kann Daniela Voß auch nicht. Trotzdem ist sie eine Elfe, denn sie ist die Gründerin der Initia­tive „Wolfs­burger Elfen helfen“. Mit rund 30 aktiven Mitstrei­te­rinnen engagiert sich Daniela Voß für Babys und deren Eltern: Sie nähen bunte Beklei­dung für die wirklich Aller­kleinsten – Bodys und Hosen ab Größe 37, Mützchen für Köpfchen, die gerade einmal 23 Zenti­meter Umfang haben. 

Im Atelier von Daniela Voß in der Tiergar­ten­breite Wolfsburg sieht es aus wie in einem Mädchen­zimmer. Winzige bunte Beklei­dung, wie für Puppen gemacht, stapelt sich auf dem Boden. Kaum zu glauben, dass ein „echtes“ Mensch­lein da hinein­passen soll. 

Aber die Sachen sitzen wie angegossen“, versi­chert Voß. Seit Anfang des Jahres versorgt sie mit den anderen „Elfen“ das Wolfs­burger Klinikum mit selbst­ge­machten Kleidungs­stü­cken und Laken.

Dazu gekommen ist sie über ihren Beruf – und aus traurigem Anlass. „Ich bin Fotografin und biete unter anderem Fotoshoo­tings für werdende Mütter an. Vor etwa zwei Jahren war eine schwan­gere Frau bei mir und wollte nach der Geburt zum Baby-Shooting wieder­kommen. Aber ich hörte lange nichts von ihr. Schließ­lich rief sie mich an und erzählte, dass das Baby kurz nach der Entbin­dung gestorben ist.“ Auf Bitten ihrer Eltern erklärte sie sich bereit, das Kind als Erinne­rung für die Familie fotogra­fieren zu lassen. Dabei bemerkte Daniela Voß, dass es für so kleine Babys kaum Beklei­dung gibt – ein Problem, mit dem auch die Eltern von Frühge­bo­renen zu kämpfen haben.

Im Mai 2015 startete sie einen Aufruf über Facebook: „Wer hat Lust, mit mir Kleidung für Sternen­kinder und Frühchen zu nähen?“ Der Zuspruch war groß, über 200 Mitglieder hat die Facebook-Gruppe mittler­weile. Eine der ersten die sich meldete war Claudia Dombrowski. Durch sie begann dann die Zusam­men­ar­beit mit dem Klinikum Wolfsburg. Dombrowski arbeitet dort nämlich als Sekre­tärin auf der Station E5 für Früh- und Neuge­bo­rene. „Die viel zu große Kleidung war ein ständiges Thema im Kranken­haus­alltag“, erinnert sie sich. „Die Schwes­tern kämpften mit Mützchen, die immer wieder verrutschten, die Babys versanken förmlich in den Stramp­lern, die überall Falten schlugen und drückten.“ Aus ganz prakti­schen Gründen unter­stützt sie deshalb das Projekt Elfen helfen. „Nähen mit Sinn“ nennt sie selbst es. Mittler­weile koordi­niert sie in Abstim­mung mit den verschie­denen Kinder-Stationen im Klinikum, welche Kleidung in welchen Größen benötigt wird. Dass Dombrowski fast täglich im Klinikum vor Ort ist, hat einen weiteren Vorteil: So stellten sie etwa schnell fest, dass die anfäng­lich verwen­deten Plastik­druck­knöpfe dem Waschen und Bügeln nicht stand­hielten – jetzt verwenden die Näherinnen Metall­knöpfe. Auch manche Schnitte optimierten sie in Rücksprache mit den Schwes­tern. Auf Wunsch der Pflege­rinnen und Pfleger fertigen sie seit neuestem auch Körner­kissen an. „Wir versuchen wirklich, die Bedürf­nisse zu erfüllen“, sagt Dombrowski.

Eine sehr persön­liche Motiva­tion, sich beim Elfen-Projekt zu betei­ligen, hat Tamara Rauschen­berger: Ihre Tochter brachte ein gesundes, aber sehr kleines Mädchen zur Welt. „Größe 44 trug sie anfangs, das gibt es kaum“, erzählt sie. So fing sie an, maßge­schnei­derte Kinder­klei­dung zu nähen. „Ich weiß, wie wichtig Eltern passende, schöne Kleidung für ihr Kind ist. Und ich nähe mit Freude. Deshalb mache ich gerne bei Wolfs­burger Elfen helfen mit.“

Das Hobby Nähen verbindet alle aktiven Wolfs­burger Elfen. Mit der Unter­stüt­zung von Klinik, Kindern und Eltern geben sie ihm neuen Sinn. Aller­dings entstehen den fleißigen Helfe­rinnen auch Kosten: Gut 20 Euro kostet ein Meter des hochwer­tigen Jersey­stoffs, den sie bevorzugt verwenden. Hinzu kommen noch Garn, Knöpfe und Bündchen­stoff. Derzeit kauft jeder sein Material größten­teils selbst. Deshalb sind Voß und sechs weitere Elfen gerade dabei, einen gemein­nüt­zigen Verein zu gründen. „Dort ist jeder einge­laden, Mitglied zu werden und uns finan­ziell oder mit Stoff­s­penden zu unter­stützen“, freut sich Voß auf weitere Mithilfe für den guten Zweck. Die Eltern der Frühchen sind jeden­falls begeis­tert von der passge­nauen fröhlich-bunten Kleidung und auch das Klinikum freut sich über das ehren­amt­liche Engage­ment der Wolfs­burger Elfen.

Wenn auch Sie die Aktion „Elfen helfen unter­stützen möchten, finden Sie alle nötigen Infos und Kontakt­daten unter www.wolfsburger-elfen-helfen.de

DEIN Wolfsburg 2020

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