Es ist ein warmer Sommertag, als wir im siebten Stock des Leonardo Hotels – City Center am Köhlerberg Besuch bekommen. Unsere Imkerin Julia bringt diesmal Jasmin mit, die Chefredakteurin des Magazins Dein Wolfsburg, die neugierig ist, uns Honigbienen und unseren Alltag kennen zu lernen.
Julia betreut derzeit acht Völker, verteilt an verschiedenen Standorten in und um Wolfsburg. Heute aber ist es unser Dachvolk, das Jasmin kennenlernen darf. Kaum angekommen, rät Julia ihr feste Schuhe und eine lange, unten geschlossene Hose anzuziehen, nur für den Fall, dass eine von uns einmal neugierig ins Hosenbein krabbelt. Aber keine Sorge, wir sind friedliche Gastgeberinnen, solange uns niemand aus der Ruhe bringt.
Bevor Julia unseren Kasten öffnet, erklärt sie Jasmin, wie man sich in unserer Nähe verhalten sollte. Wir sind hier auf dem Hoteldach etwa 40.000 bis 45.000 Bienen. Für viele Menschen klingt das nach einer überwältigenden Zahl, für uns ist das ganz normal.
Dann greift Julia zum Smoker. Der Rauch lässt uns instinktiv an Feuer denken. Darum füllen wir unsere Honigmägen, um im Notfall Vorräte mitnehmen zu können. In dieser Zeit sind wir weniger aufmerksam gegenüber unserer Umgebung, und Julia kann leichter in den Waben arbeiten.



Honigbienen und Wildbienen – ein wichtiger Unterschied
Julia erklärt Jasmin, dass nicht alle Bienen gleich sind. Viele Menschen verwechseln uns Honigbienen mit Wildbienen. Wir Honigbienen leben in großen Völkern mit Zehntausenden Tieren, während Wildbienen meist Einzelgängerinnen sind. Sie bauen ihre Nester in kleinen Hohlräumen oder im Boden. Sowohl wir als auch die Wildbienen sind wichtig für die Bestäubung.
Ein weiterer Unterschied ist, dass wir Honigbienen polylektisch sind: Wir fliegen praktisch alles an, was blüht: von den ersten Weidenkätzchen im Frühjahr bis zu den Linden im Hochsommer. Haben wir eine ergiebige Quelle gefunden, wie Raps oder Lindenblüten, bleiben wir so lange dort, bis nichts mehr zu holen ist.
Wildbienen dagegen sind oft Spezialistinnen und damit oligolektisch. Manche von ihnen sammeln nur an Glockenblumen oder nur an Klee. Ohne diese Pflanzen könnten sie nicht überleben. Wenn ihre spezielle Nahrungsquelle verschwindet, sterben sie aus.
Deshalb betont Julia: „Es reicht nicht, nur für Honigbienen zu sorgen. Wildbienen brauchen ein vielfältiges, heimisches und durchgängiges Blütenangebot: Klee, Flockenblume, Margeriten, Disteln und Glockenblumen vom Frühjahr bis in den Herbst und dazu naturnahe Strukturen wie Totholz oder offene Bodenstellen als Nistmöglichkeiten.“
Entspannung am Bienenstock
Zurück zu uns Honigbienen, die neugierig, aber friedlich um Jasmin herumfliegen, während sie Fotos für den Artikel macht. Ich bin übrigens auch auf dem Bild unten zu sehen: Ich bin die mit den besonders langen und hübschen Fühlern. Wissenschaftlich nennt man unsere Fühler übrigens Antennen, mit denen nehmen wir Gerüche, Geschmäcker, Vibrationen, Luftfeuchtigkeit, Temperatur und sogar elektrische Felder wahr.

Julia betreibt die Imkerei intensiv, aber als Hobby mit Haltungsform auf Biobasis. „Für eine Bio-Zertifizierung müsste ich jedes Jahr hohe Kosten aufbringen, die sich bei meiner kleinen Produktion nicht rechnen würden“, erzählt sie Jasmin. „Ich bin sozusagen der Facility Manager der Bienen: Ich sorge für ausreichend Platz, Futter, Wasserquellen (zumindest hier auf dem Dach) und kontrolliere regelmäßig, ob sie gesund sind. Mir geht es in erster Linie darum, dass es den Bienen gut geht, und dass Menschen regionalen, echten Honig genießen können. Gerade angesichts jüngster Skandale um gefälschten Honig ist das ein wichtiger Punkt.”
👉 Mehr Infos: honigretten.de
Interessant ist auch, wie sehr unser Standort die Ernte beeinflusst. Früher lebten wir im 9. Stock des Hotels, da mussten wir all den gesammelten Nektar und Pollen noch ein Stückchen höher schleppen. Glaubt mir, das war anstrengend! Mit dem Umzug in den 7. Stock ist es für uns ein kleines bisschen leichter geworden. Julia sagt, allein dadurch konnten wir in diesem Jahr 25 Kilo mehr Honig sammeln. In dieser Saison sind wir insgesamt schon auf stolze 50 Kilo gekommen, ein süßer Beweis dafür, wie sehr schon wenige Meter Unterschied unser Nahrungsangebot und unsere Arbeit beeinflussen können.
Für Julia hat die Imkerei auch eine beruhigende Seite. Gearbeitet wird draußen, in der Natur und nur an schönen Tagen, wenn die Temperaturen stimmen. „Bei Regen oder Kälte würde man die Kästen nicht öffnen, sonst könnten die Bienen verklammen“, erklärt sie. Und tatsächlich: Am Bienenstock herrscht Ruhe, hektische Bewegungen mögen wir nicht, achtsames Arbeiten dagegen sorgt für Harmonie. Julia genießt diese Mischung aus Sonne, frischer Luft und ruhigem Tun als wohltuenden Ausgleich zu ihrem Alltag.
Mein Fazit
Als Julia unsere Beute wieder schließt, summt es noch lange nach – in unseren Kästen und vielleicht auch in Jasmins Kopf. Heute hat sie viel über uns gelernt: über die Unterschiede zwischen Wild- und Honigbienen, über echten Honig und über die Leidenschaft einer Imkerin, die uns in der Stadt ein gutes Zuhause gibt.
👉 Julias Tipp: Kauf beim nächsten Mal Honig von Imker*innen aus Wolfsburg. Regional und saisonal!
Unser Honig von Julia Eisener kann übrigens unter info@imkerei-eisener.de bestellt werden.

Imker*innen in Wolfsburg
Julia ist nicht die einzige Imkerin in Wolfsburg. Mehrere Dutzend Imker*innen sind im Kreisimkerverein Wolfsburg organisiert – einer Vereinigung, die seit über 100 Jahren besteht und die sich für die Förderung der Bienenhaltung und den Austausch untereinander einsetzt.
👉 Mehr Infos: imkerverein-wolfsburg.de
Auch andere Imker*innen in Wolfsburg bieten ihren regionalen Honig an, zum Beispiel den Stadthonig, der auch im Wolfsburg Shop erhältlich ist: wolfsburger-stadthonig.de
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