Im Interview: Dr. Tim Schuhmacher

Viele wichtige Entscheidungen beim VFL Wolfsburg laufen direkt über seinen Schreibtisch: Geschäftsführer Dr. Tim Schumacher ist beim Fußball-Bundesligisten immer mittendrin im geschehen. Dein Wolfsburg-Kolumnist Lars M. Vollmering hat Schumacher zum privaten Gespräch getroffen.

Herr Dr. Schumacher, Sie sind ja gebürtiger Franke. Wann sind Sie nach Wolfsburg gekommen und wie viel „Niedersachse“ steckt schon in Tim Schumacher?
Ich komme aus Bayreuth, einer sehr schönen Stadt in Oberfranken. Die Richard-Wagner-Festspiele dort kennen die meisten. Ich bin 2002 nach Wolfsburg gekommen, genau zu dem Zeitpunkt, als die Volkswagen Arena eröffnet wurde. Das heißt, ich bin mittlerweile seit 15 Jahren glücklich mit Frau und Tochter in Niedersachsen. Und nach der langen Zeit fühle ich mich natürlich schon sehr als Niedersachse.

Sie sind Geschäftsführer für Personal, Beschaff ung, Recht und Compliance der VfL Wolfsburg Fußball GmbH. Der Titel klingt ja recht sperrig. Was macht man da eigentlich den ganzen Tag?
Eigentlich ist es sehr vielfältig und abwechslungsreich, weil da noch einige Aufgaben dazukommen, wie beispielsweise Unternehmensentwicklung, CSR, Ticketing, Service und Fanbetreuung. Wichtig ist zudem der Frauenfußball, ein Aushängeschild in Wolfsburg. Insbesondere auch die Zusammenarbeit mit meinem Geschäftsführer-Kollegen Wolfgang Hotze bereitet mir sehr viel Freude. Wir kümmern uns verantwortungsvoll darum, den VfL Wolfsburg für die Fans, die Stadt und für Volkswagen erfolgreich zu machen. Das beinhaltet unter anderem Strategie- und Personalentscheidungen, die Sicherstellung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie Themen bezüglich der Infrastruktur und Sicherheit. Ferner ist uns wichtig, unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Mit unserem Sportdirektor Olaf Rebbe stehe ich zudem immer im Austausch, und in den Transferzeiten sind wir viel unterwegs, um mit Spielern und Vereinen zu verhandeln. Daher bin ich dicht dran am sportlichen Geschehen, nicht nur bei allen Heim- und Auswärtsspielen, sondern häufig ebenfalls im Trainingslager.

Gibt es denn in Wolfsburg einen Lieblingsplatz, an dem Sie sich gern aufhalten?
Aus meinem Büro im VfL-Center habe ich einen direkten Blick auf das Stadion. Mein Lieblingsplatz ist tatsächlich die Volkswagen Arena. Und wenn wir noch drei Punkte holen, ist es mir umso lieber (lacht).

Wie hat es Sie überhaupt nach Wolfsburg „verschlagen“?
Das ist wahrscheinlich ein Klassiker: für Volkswagen. Ich habe 2002 in der Rechtsabteilung angefangen. Zuvor war ich hauptsächlich in Süddeutschland zuhause, etwa in Augsburg, Bayreuth oder Bamberg, zuletzt allerdings in Berlin. Nach zehn schönen und spannenden Jahren in der Rechtsabteilung kümmere ich mich seit 2013 um den VfL Wolfsburg und habe sehr viel Freude an dieser Aufgabe.

Zwischendurch haben Sie ja sogar mal in Nebraska in den USA studiert. Das gilt ja nicht gerade als Studenten-Metropole, wenn man mal ins Ausland geht.
Das war im Grunde Zufall. Eigentlich hatte ich die Zusage für eine Uni in der Nähe von Washington. Wenige Tage vor dem Start bekam ich einen Anruf, dass es mit dieser Uni doch nicht klappt. Die spontane Alternative hieß dann Lincoln, Nebraska. Als ich nachgeschaut habe, wo das überhaupt genau liegt, hab ich mich zuerst gewundert (lacht). Es liegt im Mittleren Westen, quasi in der Mitte der USA, und ich muss sagen, es war ein sensationelles Jahr. Da lernt man das „wahre“ Amerika tatsächlich besser kennen als in jeder Metropole.

Wie verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit?
Wenn ein bisschen Freizeit bleibt, dann verbringe ich die natürlich mit der Familie. Und wenn dann, was leider selten genug vorkommt, immer noch etwas Zeit übrig ist, setze ich mich auch mal ans Klavier.

Klassik oder eher moderne Klänge?
Eher klassisch. Als Bayreuther ist man ja immer ein bisschen „Wagner-lastig“ (lacht).

Zum Abschluss: Was schätzen Sie an Wolfsburg besonders?
Am meisten schätze ich die Menschen hier und die wahnsinnige Entwicklung, die die Stadt genommen hat. Wolfsburg kann stolz darauf sein, wie dynamisch sich die Stadt weiterentwickelt.