Im Interview: Franziska Titze, Küchenchefin des Restaurants „La Coccinella“ und Gesicht der veganen Küche der Autostadt

„Die vegane Küche ist nur Tofu? Von wegen!“ 

Im Interview spricht die Küchenchefin des Restaurants La Coccinella über das Kuchenbacken ohne Ei und den veganen Überraschungseffekt. Und darüber, was für sie das Geheimnis gesunder Ernährung ist. 

 

DEIN WOLFSBURG: Frau Titze, wenn Sie für einen lieben Menschen ein veganes Drei-Gänge-Menü in Ihrer Küche kochen: Was tischen Sie ihm Tolles auf?

FRANZISKA TITZE: Vorweg gibt’s Radieschensuppe mit einer besonders schönen roten Farbe. Als Hauptgang serviere ich Spaghetti mit Steinpilzcreme. Und zum Dessert kommt Schokocreme auf den Tisch. Viele meinen, vegan kochen sei schwierig. Dabei ist es viel einfacher, als man denkt.

 

DEIN WOLFSBURG: Vegan kochen – was heißt das überhaupt?

FRANZISKA TITZE:  Wenn ich vegan koche, dann verwende ich weder Produkte, die aus Tieren hergestellt wurden. Noch Produkte, die von Tieren stammen – wie Kuhmilch und Bienenhonig.

 

DEIN WOLFSBURG: Mit welchen Lebensmitteln kochen Sie gerne?

FRANZISKA TITZE:  Mit reichlich Gemüse, mit viel Obst – und mit jeder Menge Gewürzen. Ich koche gerne mit Curry und orientalischen Gewürzen wie Kurkuma, verwende frische Kräuter wie Basilikum, Oregano und Bärlauch. Die vegane Küche ist nur Tofu? Von wegen, da steckt so viel mehr drin.

 

DEIN WOLFSBURG: Nämlich?

FRANZISKA TITZE:  Ganz viel Kreativität! Wie schaffe ich es, Saucen und Cremes zu binden? Ohne Ei? Das muss jeder in seiner Küche erst einmal ausprobieren. Das gilt genauso für das Süßen von Speisen: Ich verwende aus Pflanzen gewonnenen Agavendicksaft. Hier kommt es auf die richtige Menge an – und auch der muss man auf die Spur kommen. Vor drei Jahren habe ich begonnen, vegan zu kochen. Seitdem bin ich fasziniert. Das Spiel mit den Farben und den Aromen macht das Kochen so interessant.

 

DEIN WOLFSBURG: Gerät Ihnen auch mal was daneben?

FRANZISKA TITZE: Na klar, das macht das Kochen ja so spannend. Agar-Agar, ein aus Algen gewonnenes Geliermittel, hat eine hohe Bindekraft. Lernen, damit richtig umzugehen – das war wirklich schwierig. Da war auch mal eine Creme dabei, die, wenn ich sie gegen die Wand geworfen hätte, wieder zurückgekommen wäre. Das ist aber immer so, wenn man neue Dinge probiert in der Küche – egal, ob vegan oder nicht.

 

DEIN WOLFSBURG: Was ist die größte Überraschung, die die vegane Küche Ihnen beschert hat?

FRANZISKA TITZE:  Ich bin jedes Mal aufs Neue verblüfft, was für tolle Kuchen es gibt – ohne Ei und ohne Sahne. Für den Mürbeteig nehme ich Dinkelmehl und Öl, damit er schön samtig bleibt; und für die Creme Seidentofu. Argarvendicksaft und frische Zitronenschale ist zum Süßen da, Agar-Agar für die Stabilität. Obendrauf streiche ich eine Mousse aus Früchten der Saison – fertig und wahnsinnig lecker.

 

DEIN WOLFSBURG: Liegt vegan kochen voll im Trend?

FRANZISKA TITZE:  In meinen Augen ist nicht die vegane Küche der Trend. Die Entwicklung geht einfach dahin, mehr auf die eigene Gesundheit zu achten. An dem einen Tag esse ich Fleisch oder Fisch, am anderen vegetarisch und dann vegan. Ich finde, diese Mischung macht gesunde Ernährung aus.

 

DEIN WOLFSBURG: Wie gefällt Ihren Gästen die vegane Speisekarte?

FRANZISKA TITZE:  Auf unserer Speisekarte gibt es alles: vitale Gerichte, also mit Fleisch und Fisch, vegetarische und vegane. Aber es steht nirgendwo: Dieses Gericht hier oder jenes ist vegan. Jeder soll essen, wozu er Lust hat. Wenn Gäste mit dem Essen fertig sind, gehe ich gerne zu ihrem Tisch, um die Teller abzuräumen. Dann frage ich sie: „Wussten Sie, dass Sie eben vegan gegessen haben?“ Die meisten sind dann total überrascht, weil das Dessert so cremig war und sie denken: Da muss doch Sahne drin gewesen sein.

 

DEIN WOLFSBURG: Wie lautet Ihre Empfehlung für jedermann, für das erste vegane Gericht auf dem heimischen Esstisch?

FRANZISKA TITZE:  Ein perfektes Einstiegsgericht sind Spaghetti, die ohne Ei hergestellt wurden. Mit Tomatensauce und frischem Basilikum. Wie gesagt: Die vegane Küche ist nichts Kompliziertes, sie ist auch nicht teurer oder zeitaufwändiger. Ich kann jedem nur raten, sie einmal auszuprobieren.

 

DEIN WOLFSBURG: Wie Sie ohne Sahne auskommen, bleibt Ihr Geheimnis?

FRANZISKA TITZE:  Gar nicht, wir sind da ganz offen. Welche Zutaten verwendet die Autostadt? Wie kochen wir? Die Gäste können uns alles fragen. In unserer Manufaktur „Das Brot.“ schreiben wir zum Beispiel eine Volldeklaration auf dem Kassenzettel. Im Juni beginne ich, Kochkurse zu geben. Das werden schöne, gemütliche, aber auch spannende Abende, die viel über die vegane Küche verraten.

 

DEIN WOLFSBURG: Danke.

boy

 

Essen in der Autostadt

Gutes und gesundes Essen hat einen hohen Stellenwert in der Autostadt. Sie arbeitet mit regionalen Landwirten zusammen, verwendet Lebensmittel aus ökologischem Anbau und pflegt traditionelle Handwerkstechniken. Das Angebot der 13 Restaurants reicht vom Snack bis zum Sterne-Menü.

In den Küchen der zehn Autostadt-Restaurants, betrieben von Mövenpick, beträgt der Anteil an Bio-Produkten annähernd 100 Prozent. Auf den Speisekarten stehen vitale (mit Fisch und Fleisch), vegetarische und vegane Gerichte gleichwertig nebeneinander. Hauseigene Produktionsstätten für Lebensmittel hat die Autostadt drei: die Brot-, die Pasta- und die Eismanufaktur.

Das Hotel The Ritz-Carlton beherbergt drei Restaurants: das mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Aqua, wo Sven Elverfeld Küchenchef ist; und das Terra und das Deli, deren Speisenangebot an das Food-Konzept der Autostadt angelehnt ist – mit Nahrungsmitteln unter anderem aus der Erzeugung regionaler Klein- und Kleinstbetriebe.