Dr. Herbert Engel im Interview

Er ist der Chef der Wolfsburger Abfallwirtschaft und Straßenreinigung : Dr. Herbert Engel. Im Interview spricht der WAS-Vorstand über die Entwicklung der Müllgebühren und das Image von Müllmännern und er verrät, was er von der weihnachtlichen Verpackungsflut hält.

 

Herr Dr. Engel, ist die WAS nach wie vor ein Abfallentsorger? Oder entwickelt sie sich mehr und mehr zu einem Abfallverwerter?

Nach den Buchstaben des Gesetzes sind wir ein sogenannter öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger. Von der Stadt Wolfsburg haben wir die Aufgabe bekommen, die Entsorgung der Abfälle von Privathaushalten zu garantieren. Aber es stimmt schon: Bei jedem unserer Schritte prüfen wir, ob die Abfälle nicht doch noch zu etwas nütze sind. Weil wir die Abfälle geschickt sammeln und trennen, wird der Anteil, der in die stoffliche Verwertung geht, immer größer.

 

Warum ist es wichtig, weniger Abfälle zu entsorgen und mehr zu verwerten?

Weil wir unsere Ressourcen schonen müssen. In den Produkten, die wir wegwerfen, stecken unheimlich viele Rohstoffe drin, auf die wir nicht verzichten können. Sie wie früher nach dem Gebrauch einfach auf die Müllkippe zu werfen, funktioniert nicht mehr. Um an neue Rohstoffe zu kommen, müssen wir sie zurückgewinnen. Stichwort Düngemittel: Auch sie werden knapper. Also wandeln wir die biologisch abbaubaren Abfälle unserer Stadt so um, dass sie wiederverwendet werden können – als Kompost auf Feldern und in Gärten.

 

Was verwerten Sie neben Bioabfällen noch?

Das Altpapier, das an die Papierindustrie geht. Und auch den Sperrmüll: Was aus Holz ist, geben wir an Holzverwertungsanlagen weiter. Wir ziehen alle Verwertungsregister. So ist zu erklären, warum in Wolfsburg heute die Müllgebühren im Prinzip dieselben sind wie vor 13 Jahren – trotz höherer Lohnkosten und Spritpreise.

 

Viele denken, dass die Sortieranlagen inzwischen perfekt sind. Warum müssen wir unseren Müll überhaupt noch trennen?

Jede Technologie gerät an ihre Grenzen. Um beim Bioabfall zu bleiben: Je schlechter die Trennung der Wolfsburgerinnen und Wolfsburger ist, desto mehr Probleme haben wir, sauberen, guten Kompost herzustellen. Im schlechtesten Fall sorgen einige wenige Haushalte durch ihre falsche Trennung dafür, dass eine komplette Lkw-Ladung Bioabfälle nicht mehr zu gebrauchen ist.

 

Was erschwert außerdem Ihre Arbeit?

Problemabfälle wie Farben und Lacke, die im Restmüll landen. Oder auch falsch entsorgte halbleere Haarspraydosen: In unseren Fahrzeugen können sie zu Glutnestern und kleinen Explosionen führen. Besser ist, in unserem Entsorgungsplaner nachzuschauen, wann die mobile Sammelstelle für Problemabfälle in der Nähe ist, um diese Abfälle dort zu entsorgen.

 

Wissen die Menschen zu schätzen, dass Ihre Leute hart für die Stadt arbeiten?

In Umfragen über das Ansehen von Berufen landet der Müllwerker ziemlich weit vorne – nur knapp hinter dem Arzt. Die Bürger erkennen, dass er eine sehr wichtige Aufgabe für sie erledigt. Seitdem sich die Bilder vom Müllnotstand in Neapel in unser Bewusstsein eingebrannt haben, weiß jeder, was die Müllabfuhr leistet. Ich meine, dass sich unsere Mitarbeiter in Wolfsburg wohl und auch geachtet fühlen. Am meisten Zuneigung bringen ihnen die Kinder entgegen: Die winken ihnen jeden Tag zu.

 

Was denken Sie: Wo wird die WAS in zehn Jahren stehen?

Ich sehe zwei wesentliche Entwicklungen. Es deutet einiges darauf hin, dass sich die Märkte weiter öffnen und damit auch die Türen für eine stärkere Privatisierung der Abfallwirtschaft. Wenn Privatunternehmen unsere Aufgabe übernehmen, würde die Müllabfuhr teurer werden. Sie sind nicht dem Gemeinwohl verpflichtet, wie wir es sind.

 

Und die zweite Entwicklung?

Wir laufen Gefahr, dass bei der Produktentwicklung immer mehr Verbundmaterialien eingesetzt werden, die teilweise auch Schadstoffe enthalten und somit die Verwertung erschweren oder gar unmöglich machen. Dieses Gemisch zu trennen, wird immer schwieriger für uns. Es darf nicht so weit kommen, dass uns irgendwann nichts anderes übrig bleibt, als diese Stoffe zu verbrennen.

 

Zu Weihnachten fällt besonders viel Müll an. Wie denken Sie über die Verpackungsflut?

Ich finde, zu Weihnachten Geschenke mit schönem Papier zu überreichen, gehört zu unserer Kultur. Wenn wir alle darauf achten, nach dem Auspacken die Verpackungen aus Papier, aus Kunststoff und auch das Schleifchen drumherum richtig zu trennen, ist viel gewonnen. Wer ein paar Spielregeln beachtet, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben und kann beruhigt Weihnachten feiern. Im Übrigen kann ich mich noch an Weihnachtsfeste aus meiner Kindheit erinnern, an denen das Verpackungsmaterial sorgsam gefaltet für das Folgejahr zur Wiederverwendung zurückgelegt wurde.

boy

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