Interview mit Michael Meeske

Michael Meeske (47) ist seit November neuer Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg, zuständig für Marketing, Vertrieb, Internationalisierung und Digitalisierung. Der zweifache Familienvater und diplomierte Sozialökonom war zuvor beim FC St. Pauli und 1. FC Nürnberg tätig. Im Interview spricht er über seine Ziele sowie die ersten Eindrücke von der Stadt Wolfsburg, dem VfL und seinen Fans.

Herr Meeske, Sie sind in Oldenburg geboren, in Hameln aufgewachsen, haben in Göttingen studiert – ein echter Niedersachse also. Fühlen Sie sich schon heimisch?

Ein Stück weit und zumindest hatte ich vorher keine Sorge, dass ich hier fremdeln könnte, denn ich fühle mich schon dem Großraum verbunden.

Haben Sie sich ein Bild von Wolfsburg machen können?

Nicht im Detail, da gerade der Anfang sehr arbeitsfokussiert ist. Aber ein generelles Bild konnte ich mir machen, und ich finde es ganz beeindruckend, wenn man den Brückenkopf vom Bahnhof über die Autostadt hierher zur Volkswagen Arena sieht und dann noch den Allerpark nebenan. Das ist deutlich mehr, was es zu entdecken gilt, als das, was oft unterstellt wird, wenn sich ein Ortsfremder mit einem anderen Ortsfremden über Wolfsburg austauscht. Und es gibt sicher viele andere Dinge, die ich jetzt nicht aufgezählt habe.

Ihre Frau wohnt mit den zwei Kindern in Hamburg: Das heißt, Sie pendeln?

Das ist zunächst der Plan. Ich habe eine Wohnung am Steimker Berg, womit der Start für mich komfortabel gelöst ist. Und dann schauen wir, wie sich die Dinge entwickeln.

Sie waren früher Niedersachsenmeister im Radfahren. Haben Sie nun mehr Zeit für Ihr Hobby als bei Ihren vorherigen beruflichen Stationen?

Nein, Radfahren ist zu zeitaufwendig. Deswegen laufe ich zum Ausgleich morgens vor der Arbeit. Das ist der Vorteil der Pendelei, es müssen morgens nicht noch die Kinder organisiert werden, was den morgendlichen Terminplan entspannt.

Kurz vor Ihrem Abschied vom 1. FC Nürnberg sagten Sie, dass Sie die Herzlichkeit der Franken beeindruckt habe. Konnten Sie schon feststellen wie die VfL-Fans ticken?

Noch hatte ich eher wenig Gelegenheit, mich mit den Fans auszutauschen. Bis auf ein Fanclub-Treffen, das ziemlich familiär und freundschaftlich war. Und auch offen und geradeheraus – was ich sehr schätze. Von außen betrachtet, könnte man vielleicht denken, der VfL ist eine große Organisation, wo es bestimmt nicht so familiär zugeht wie beim FC St. Pauli oder in Nürnberg. Oder wo aufgrund der Konzernverbundenheit  mehr Regelungen als Austauschmöglichkeiten den Alltag beherrschen – aber das Gegenteil ist der Fall: Hier herrscht ein tolles, menschliches Miteinander mit viel Leidenschaft für den VfL. Das kann ich jetzt schon sagen.

Der VfL ist besser aufgestellt als Ihre beiden vorherigen Vereine: Sei es bei der Infrastruktur, der Personalstruktur oder beim Sponsoring – macht das Ihre Arbeit einfacher?

Die Rahmenbedingungen sind natürlich ein großer Vorteil. Meine beiden letzten Stationen waren eher davon geprägt, dass so manches zwingend geändert werden musste, dafür jedoch nicht sofort ein Budget bereitstand und man viel improvisieren musste. Das ist hier anders. Dafür wohnt dieser Aufgabe eine andere, nicht unbedingt einfachere Pflicht inne. Nämlich uns sportlich und wirtschaftlich dahin zu bewegen, wo die Rahmenbedingungen bereits sind. Also kein Abstiegskampf, wie in den beiden vergangenen Jahren, sondern eine klare Präsenz zumindest in der ersten Tabellenhälfte. Sonst sind die Rahmenbedingungen auf lange Sicht sicher fast überdimensioniert. Aber wir werden Rahmen und Realität schon in Einklang bringen.

Der VfL Wolfsburg war und ist innovativ: Etwa durch ein Büro in Peking, beim Thema soziale Verantwortung oder beim E-Sport. Wird es nicht schwer, dieses Innovationsniveau zu halten?

Natürlich war es ambitioniert, was beim VfL über Jahre entwickelt wurde – auch im Verbund mit VW. Das steht dem Verein gut zu Gesicht. Aber wir haben noch viele Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem machen die anderen Vereine mittlerweile deutlich mehr hinsichtlich Innovationen. In den vergangenen zwei, drei Jahren hat die Entwicklungsgeschwindigkeit aus meiner Sicht abgenommen. Was nicht überrascht, schließlich lief es im Kerngeschäft, also sportlich, nicht wirklich gut. Dann fällt es schwer, bei anderen Themen abseits des Sports zu investieren. Aber mir ist da nicht bange, wir haben hier innovative Köpfe und werden verstärkt viele Dinge anschieben, insbesondere bei der Optimierung des Fanservice.

TK