Kleiderspende – ist doch Ehrensache

Seit über zehn Jahren bietet die Kleiderkammer des DRK Bedürftigen verschiedenste Kleidung, aber auch Spielzeug und die Kinder und vieles andere für oft nur einen Euro an. Das funktioniert aber nicht ohne die Hilfe der Ehrenamtlichen.

Zufällig kommt hier keiner vorbei, dafür ist die Kleiderkammer des DRK-Ortsvereins Wolfsburg Mitte etwas zu abgelegen: Direkt am Waldrand in der Nähe vom Hasselbach. Wenn man vom Berliner Ring in Richtung Nordsteimke abfährt und kurz danach rechts in den Walter-Flex-Weg einbiegt, weist auf dem Hof des Henry-Dunant-Hauses nur ein kleines Schild die Richtung. Dann geht es ein paar Treppenstufen runter, bis man schließlich in weiß gestrichenen Kellerräumen steht. Leuchtstoffröhren an den Decken erhellen die fünf miteinander verbundenen Räume, rechts sorgt ein kleines Radio für Hintergrundmusik und es riecht nach frischer Wäsche: Regale und Kleiderständer mit ordentlich abgelegter oder abgehängter Kleidung bestimmen das Bild.

Als um Punkt 12 Uhr die Kleiderkammer öffnet. zeigt sich schnell, was am beliebtesten ist: Drei Frauen eilen mit schnellen Schritten und hektischem Blick zu den Schuhen und Handtaschen. Auch hier in der Kleiderkammer ergattert derjenige die schönsten Dinge, der sie zuerst entdeckt hat. Schließlich gibt es jedes Schuhpaar und alle sonstigen Sachen nur einmal und nur in einer Größe.

Umsonst ist in der Kleiderkammer allerdings nichts, das Allermeiste kostet einen Euro. Nur für wertvollere Dinge wie Lederjacken oder Herrenanzüge müssen auch mal drei bis zehn Euro bezahlt werden. „Kostenfrei können wir die Sachen nicht anbieten, sonst würde vieles auf dem Flohmarkt verkauft werden“, erklärt Rita Karel, die als ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Kleiderkammer arbeitet. Das ist bereits vorgekommen. Und trotz der niedrigen Preise gebe es auch hier Menschen, die stehlen. Das sei aber die Ausnahme.

Die Meisten, die zur Kleiderkammer kommen, sind jedoch bedürftig und auf die Unterstützung angewiesen. Vor allem bei ihrem ersten Besuch sind sie dankbar, wenn die redselige Rita versucht, ihnen die Scheu zu nehmen. „Es muss sich doch keiner schämen“, sagt Karel. Jeder könne einmal schlechte Phasen haben. Ihr ist das selbst passiert. Eine Trennung, keine Arbeit, so schnell ging das. „Schrecklich.“ Von einer Bekannten wurde sie dann auf die Kleiderkammer aufmerksam gemacht und hat vorbeigeschaut. Seit drei Jahren packt sie selber mit an.

„Mir hat die Arbeit wieder neue Wertschätzung und vor allem Selbstvertrauen gebracht.“, erklärt Karel ihren Antrieb, warum sie Woche für Woche kommt und hilft. Die zwischenmenschlichen Kontakte sind ein weiterer Grund: „Wir haben ein gewisses Stammpublikum. Die kommen oft nur vorbei, um zu reden.“ Oder sie bringen sogar selbstgebackenen Kuchen oder türkisches Gebäck mit.

Während Karel zur Kasse am Eingang neben der Treppe geht, legt ihre Kollegin Anna Paula Petersen weiter hinten ein Hemd zusammen. Manchmal, so wie jetzt, ist auf der gespendeten Kleidung ein Etikett mit einem Namen: Das gehörte dann einem Verstorbenen aus einem Pflegeheim. „Soetwas ist schon traurig“, sagt Petersen, die ebenfalls ehrenamtlich hilft und ursprünglich wegen ihres Sohnes Jan hergekommen ist. „Ich habe gehört, dass es hier Spielzeug gibt“, erzählt die gebürtige Brasilianerin. Sie fand aber nicht nur ein schönes Puzzle, sondern bemerkte auch, dass die wenigen Helfer offensichtlich mit der vielen Arbeit überfordert waren. Spontan bot sie ihre Hilfe an. „Seitdem komme ich hier nicht mehr weg“, sagt Petersen lachend.

Kontinuierlich geht die Arbeit voran und so wird der nächste Beutel mit eingetroffener Kleidung auf dem Tisch ausgeleert. Groß rumtrödeln? Nein, dafür gibt es zu viel zu tun. Bevor die abgegebenen Kleidungs- und Sachspenden nach Größe, Geschlecht und Art in die entsprechenden Regale gelegt oder auf Kleiderständer gehängt werden, müssen sie ausgepackt und begutachtet werden. Geprüft wird auf größere Schäden und Sauberkeit. Ladenhüter oder Kleidung, die zu abgewetzt ist, als dass sie jemand kauft – selbst für einen Euro nicht – kommt nach Rumänien oder Russland, wo der Bedarf groß ist. Schmutzige Kleidung kommt direkt in den Müll.

„Die Sachen zu waschen, können wir uns nicht leisten“, erklärt Tanja Weiler vom DRK und fügt an, dass sie schon froh sei, wenn sie mit den notorisch unterbesetzten Ehrenamtlichen die sauberen Spenden wegsortiert bekommt. Hinter Anna Paula Petersen hilft Salona Djemali beim Ordnen der Kleidung. Als eine arabisch aussehende Frau hereinkommt, begrüßt die Tunesierin Djemali sie kurz aber herzlich und kommt zurück zum Sortieren. „Ich übersetze wenn die Menschen fast nur arabisch können.“ Manchen ist das eine große Hilfe. So wie neulich für eine Frau, die aus Syrien geflüchtet ist und ihren Mann zurück lassen musste. „Die war glücklich, ihre Muttersprache sprechen zu können.“ Djemali war gestern bereits hier, von 10.30 bis 17 Uhr. „Das ist schon anstrengend“, gibt sie zu. „Aber besser, als nur zu Hause zu sitzen.“

TK

 

Kleiderkammer DRK Wolfsburg Mitte

Walter-Flex-Weg 12, 38446 Wolfsburg

Bus: ab ZOB 209, 219 bis Haltestelle Emmausheim

 

Kleiderkammer Caritas Wolfsburg

Antonius-Holling 8 u. 10, 38440 Wolfsburg

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9-12 Uhr Dienstag und Donnerstag 14-16 Uhr

Telefon: 0 53 61 – 89 00 90