Kuscheln für den guten Zweck

Das Wolfsburger Tierheim ist bereits seit 1992 die letzte Auffangstation für verwaiste Tiere. Durchschnittlich leben 30 Hunde, 100 Katzen und zwischen 5 bis 50 Kleintieren hier, in den Sommerferien steigt die Zahl allerdings immer wieder erschreckend an. Wegen der großen Anzahl an hilfsbedürftigen Bewohnern, sind die Tierpfleger auf die Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer und regelmäßige Spenden angewiesen.

Im Wolfsburger Tierheim in Sülfeld beginnt der Alltag um 6:30 Uhr. Die Mitarbeiter versorgen die Tiere und reinigen deren Unterkünfte. Ab dem frühen Nachmittag führen die Tierpfleger mit den potenziellen Frauchen und Herrchen Vermittlungsgespräche, machen Tierarztbesuche und vieles mehr. Da bleibt den Tierpflegern nicht mehr viel Zeit, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der teils traumatisierten Tiere gerecht zu werden. Die Hilfe von Ehrenamtlichen ist daher notwendig und gern gesehen.

„Das freiwillige Engagement ist unendlich wichtig für uns,

ohne die ehrenamtlichen Helfer wäre die Arbeit nicht mehr zu bewältigen.“

Eine der ehrenamtlichen Helferinnen ist Nicolette. Seit 2008 unterstützt sie das Tierheim als Gassigängerin. „Ich liebe Tiere und bin gerne draußen. Eine Kollegin erzählte mir von der Möglichkeit im Tierheim Hunde auszuführen“, berichtet sie. „Man ist an der frischen Luft, beschäftigt sich mit dem Tier und bekommt gleichzeitig den Kopf frei. Als einen besonderen Glücksmoment empfinde ich es immer, wenn ich mit der Zeit das Vertrauen des Hundes gewonnen habe und sehen kann, wie sehr er sich über die gemeinsame Zeit freut und diese genießt.“

„Wenn man einem Tier im Alltag zeitlich oder räumlich nicht gerecht werden kann,

ist das Ehrenamt eine willkommene Alternative für Tierliebhaber.“

Nicolette verliebte sich bei ihren Spaziergängen in die Hündin Cherry, die inzwischen sogar bei ihr zuhause eingezogen ist. „Da kam ein kleines schwarzes Etwas laut bellend auf mich zu“, erinnert sie sich mit einem Lächeln. Cherry war sehr verängstigt und reagierte aggressiv auf Fremde. „Ich habe mich vor ihren Zwinger gesetzt und mich mit ihr unterhalten, damit sie lernte, meiner Stimme zu vertrauen.“

Mittlerweile gibt Nicolette ihr Wissen auch an andere weiter. Neben dem ehrenamtlichen Gassigehen führt sie, wie auch andere erfahrene Ehrenamtliche, Gassi-Seminare durch – denn bevor man einen Hund ausführen darf, muss jeder freiwillige Helfer an einem dieser Seminare teilgenommen haben. Die Teilnehmer lernen hier den richtigen Umgang mit den Hunden. „Wir bieten einmal im Monat einen Grundkurs an. Nach einem theoretischen Teil geht es zum gemeinsamen Spaziergang von Mensch und Tier am Kanal entlang, dabei wird den zukünftigen Helfern erklärt, welche Regeln es für den Spaziergang gibt und vor allem warum es sie gibt. Sie sollen ein Bewusstsein für mögliche Probleme bekommen, die die Tiere wegen ihrer teils schwierigen Vergangenheit haben könnten“, erklärt Tierpflegerin Martina Jäger. Denn letztendlich helfen die Ehrenamtlichen mit dem regelmäßigen Gassi gehen, die Hunde zu resozialisieren, also ihr Vertrauen zu stärken und ihre Ängste zu überwinden. Damit werden sie auf ein potenzielles neues Zuhause vorbereitet.

(c) T. Koschel
Tierpflegerin Martina Jäger mit Jack

  Spielen und Kuscheln, um das Vertrauen zum Menschen (wieder) aufzubauen.

Auf Hilfe bei der Resozialisierung sind auch die Katzen des Tierheims angewiesen. Dafür ist es wichtig, dass die Tiere mit fremden Menschen in Kontakt treten und lernen, wieder Vertrauen aufzubauen, erklärt Tierpflegerin Melanie Puschmann. „Wer an dieser Stelle ehrenamtlich helfen möchte, kann beispielsweise vor Ort mit den Katzen kuscheln und spielen, ohne sich verbindlich für die Tiere verpflichten zu müssen. Dafür ist lediglich eine vorhergehende kurze Absprache mit den Tierpflegern nötig.“

Besonders zur Sommerzeit steigt die Arbeit für die Tierpfleger rapide an. „Im Frühjahr beginnt die Paarungszeit und verwilderten Katzen bekommen immer mehr Nachwuchs“, erzählt Tierpflegerin Melanie Puschmann. „Denn leider halten sich viele Katzenbesitzer nach wie vor nicht an die Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht in Wolfsburg. Dann helfen auch die Kastrationsaktionen beispielsweise der Tierhilfe auf Dauer wenig.“ Dementsprechend groß ist die Not für die teils verwaisten Kitten und trächtigen Katzen. Das Tierheim platzt in dieser Zeit aus allen Nähten. Es kommt sogar vor, dass ein Aufnahmestopp verhängt werden muss, weil eine adäquate Versorgung der Tiere nicht mehr geleistet werden kann. Darum ist das Tierheim dankbar für ehrenamtliche Helfer, die eine private Pflegestelle anbieten. In diesen Unterschlupf finden trächtige Katzen, Katzenbabies, aber auch ältere oder kranke Tiere, für die im Tierheim zu viel Hektik herrscht, geeigneten Unterschlupf. Für die kleinen Kätzchen besteht dadurch eine viel bessere Chance auf ein neues Zuhause, weil sie in häuslicher Umgebung erst einmal heranwachsen dürfen und von Beginn an das Vertrauen zum Menschen aufbauen können.

MEH

Wenn auch Sie sich ehrenamtlich engagieren oder dem Tierheim eine Geld-, Futter- oder Sachspende zukommen lassen möchten, dann finden Sie weitere Informationen auf der Website www.tierheimwolfsburg.de.

Wir freuen uns über Ihre Unterstützung!

 

Tierheim Wolfsburg

Forstweg 42

38442 Wolfsburg/Sülfeld

Telefon: 05362 51063

E-Mail: tierheim@wolfsburg.de

 

Zeiten für ehrenamtliche Gassigänger

Mo – Di:    16:30 bis 18:30 Uhr

Mi – Fr:     13:00 bis 18:30 Uhr

Sa – So:    14:00 bis 17:00 Uhr