Licht aus, Spot an!

Grelle Blitze und riesige Stichflammen, markerschütterndes Donnern und Grollen: Wer den Auftritt von Rammstein im Kraftwerk der Autostadt vor zwei Jahren am eigenen Leib erfahren hat, vergisst ihn nicht. Auch im Gedächtnis von Hendrik Blohm hat sich das Konzert eingebrannt – wegen der in seinen Augen und Ohren perfekten Dramaturgie von Licht und Sound.

Dass Bands gleich zu Beginn der Show buchstäblich ihr ganzes Pulver verschießen, erlebt man sehr häufig, erzählt der 20-Jährige. „Bei Rammstein war das anders. Auf der Bühne hat es sich langsam entwickelt, erst mit der Zeit wurde alles lauter und größer. Das war wirklich extrem beeindruckend.“

(c) Sebastian Dorbrietz

Hendrik Blohm muss es wissen. Er lässt sich zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik beim Wolfsburger Unternehmen Beli ausbilden und ist Experte für Licht-, Ton- und Bühnentechnik. Er arbeitet, wenn andere Party machen – wie beim Springsounds-Festival im Hallenbad Wolfsburg im vergangenen Frühjahr. Die Technik für die Veranstaltung planen, aufbauen, bedienen: Das war die Aufgabe von Hendrik Blohm.

Dass Scheinwerfer das Hallenbad in helles Licht tauchten, Lautsprecher die Tanzfläche mit wummernden Bässen ausfüllten und Nebelschwaden über den Boden krochen, war Hendrik Blohms Werk. Früh am Morgen, lange bevor das Festival für elektronische Musik begann, hatte er das Zepter in die Hand genommen, um mit seinem Team all die Dinge, die für eine so große Veranstaltung wichtig sind, aufzustellen, auszurichten, abzuchecken.

Später, mittendrin in der Party, steuerte er am Mischpult Licht und Sound – für tausend beglückte Festivalbesucher. Erst als die Sonne aufging, war Hendrik Blohms Arbeitstag zu Ende. Sein Fazit? „Es lief alles gut“, sagt er. „doch es fällt mir immer etwas auf, was ich beim nächsten Mal besser machen kann.“

Zu den Aufgaben von Hendrik Blohm gehört mehr als der Umgang mit Technik. Bevor er Mischpulte, Scheinwerfer und Lautsprecher, Beamer, Videoinstallationen, Mikrofone und auch ganze Bühnen aufbauen und bedienen kann, geht’s los mit der Planung. Dazu zählt die Beratung des Kunden, welche Möglichkeiten sein Veranstaltungsbudget eröffnet. Und auch die akribische Inaugenscheinnahme des Veranstaltungsorts und der technischen Rahmenbedingungen: Nicht, dass ein Lautsprecher zu viel ans Netz geht und mitten in dem Konzert, der Theateraufführung, Industriemesse oder Firmeneinweihung plötzlich die Sicherungen rausfliegen. „Geht der Ton aus, fällt das natürlich schnell auf…“; sagt Hendrik Blohm, der im vergangenen Jahr am Phoenix Gymnasium Vorsfelde sein Abitur gemacht hat.

Na klar muss er für seinen Job technisch begabt sein. Hendrik Blohm muss aber auch Phantasie und Ideen haben, um Veranstaltungen für die Besucher zu einem Erlebnis zu machen. Sein Partycocktail für gute Stimmung auf dem Springsounds-Festival: jede Menge Scheinwerfer, die sich zur Musik bewegten, und ein Feuerwerk aus Stroboskop-Licht über den Köpfen der Tänzer. Hendrik Blohm: „Das Schöne an meiner Ausbildung ist, dass ich hier wirklich alles machen darf, was mit meinem Beruf zu tun hat.“ Sein Arbeitgeber schätzt ihn so sehr, dass Hendrik Blohm schon als Auszubildender Veranstaltungen selbstständig planen und organisieren darf. Beli ist beheimatet in der Eichendorffstraße in der Stadtmitte und seit mehr als 25 Jahren am Markt. „Angefangen hat alles als Hobby“, erzählt Geschäftsführer Gerold Müntinga. „Früher waren wir sozusagen das Beiwerk der Bands. Wir Veranstaltungstechniker waren Teil der Gruppe, die wir mit unseren Geräten zu den Auftritten begleiteten. Mit der Zeit haben die Shows immer größere Dimensionen angenommen und Beli hat sich zum professionellen Dienstleister entwickelt.“

(c) Sebastian Dorbrietz

Kleiner Auszug aus der langen Liste an Veranstaltungen und Events: Die Bühne zur VfL-Meisterparty im Jahr 2009 stammt genauso von Beli wie auch das Equipment für die 70-Jahr-Feier der Stadt. „Eine Flugshow in Österreich mit 200.000 Zuschauern war unsere größte Veranstaltung, ein Tourenwagen-Rennen in Portugal die am weitesten entfernte“, erzählt Gerold Müntinga, der auf ein 15 Mitarbeiter starkes Team baut. Bei Rock im Allerpark sorgte es dafür, dass die Band Luxuslärm es auf der Bühne so richtig krachen lassen konnte. Feste Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr? Die kann sich Hendrik Blohm abschminken. Licht wirkt in vielen Fällen erst dann, wenn es dunkel ist – also abends. „Wann ich mit der Arbeit beginne und wann ich aufhöre: Das ist absolut nicht planbar.“ Für das Amphi-Festival mit Tausenden Gothic-Fans reiste er im Juli eine Woche nach Köln; und für die Messe Prolight & Sound im April sogar zwei Wochen nach Frankfurt. Für ihn sei das kein Problem, dass er ab und an mehrere Tage am Stück an unterschiedlichen Einsatzorten verbringe, sagt Hendrik Blohm. „Dafür habe ich unter der Woche mal mehrere Tage frei.“

Was ihm am besten an seinem Job gefalle? „Ich komme viel herum und lerne eine Menge cooler Leute kennen.“ Darunter auch den einen oder anderen Promi, der gar nicht immer als solcher zu erkennen ist. Als er mit der Frontfrau der Pop-Band Prag die Lichteffekte für den Bühnenauftritt besprach, war er ganz Profi – ohne Augen für die ARD-Kommissarin aus dem Tatort Weimar. „Die bekannten Gesichter aus dem Fernsehen sind halt auch nur Menschen. Ich habe erst viel später gemerkt“, sagt Hendrik Blohm lachend, „dass die Sängerin der Band Nora Tschirner war.“

boy