Räuber und Gendarm 2.0

In Wolfsburg-Reislingen kann dank neuester Technik eine moderne Variante von Räuber und Gendarm gespielt werden: Lasertag. Das Spiel mit Infrarot-Markierern in den Händen und Sensoren-Westen am Körper gewinnt immer mehr Fans. Kein Wunder: Lasertag ist voller Adrenalin, schweißtreibender Action und trotzdem für die ganze Familie geeignet.

Für alle, die es nicht kennen, das ist Lasertag: Plötzlich steht man in einer nebligen, nur durch Schwarzlicht spärlich beleuchteten Halle und kommt sich vor, als sei man in einem Science-Fiction-Film wie Star Wars. Aber nicht als Zuschauer, sondern als Akteur, mittendrin: Mit einem dünnen, roten Infrarotstrahl durchleuchtet man den Raum, der durch verschiedene Stellwände ein wahres Labyrinth ist – den Finger natürlich jederzeit am Abzug. Schritt für Schritt tastet man sich vor. Plötzlich steigt der Puls rasant an – ein gegnerischer Spieler schnellt aus seinem Versteck hervor, seine Schritte waren wegen der wummernden Musik nicht zu hören. Jetzt rast das Adrenalin, das Herz schlägt wie wild, die Finger werden noch glitschiger vom Schweiß, denn jetzt gilt: Wer zuerst die leuchtenden Sensoren auf den Westen trifft, die jeder Spieler am Oberkörper trägt, erzielt Pluspunkte und freut sich wie ein Cowboy nach einem gewonnenen Revolver-Duell. Mit mehreren Treffern legt man sogar den Markierer des getroffenen Gegners für fünf Sekunden lahm. Eine gute Möglichkeit, um sich neu zu orientieren und anderen Spielern zuzuwenden. Schließlich sollte man sich nicht zu lange auf einem Erfolg ausruhen, schnell ist man selber der Ausgeknockte.

Im Grunde ist Lasertag eine Adaption von Räuber und Gendarm. Dank moderner Technik bietet es jedoch mehr Möglichkeiten und ist aufregender als das bekannte Versteck-Spiel. Seit zweieinhalb Jahren lässt es sich in Reislingen auf einer 360-Quadratmeter großen Spielfläche selbst ausprobieren. Die Eigentümer Swetlana und Sergej Höner haben dort das Lasertag-Equipment des neuseeländischen Herstellers Delta Strike installiert, das zum Besten auf dem Markt gehören soll. Anfang 2016 wurden weitere Komponenten verbaut, über die sich die Spieler zum Beispiel Upgrades wie Schnellfeuer für ihren Markierer holen können. Die erstklassige Technik kommt gut an: Bis zu 1.500 Gäste verzeichnet die Anlage in Reislingen pro Monat. Termine am Freitagabend oder an Wochenenden sollten vor allem in der kälteren Jahreszeit möglichst zwei bis drei Wochen im Voraus gebucht werden.

Mike Linneweh ist einer von rund 70 Stammspielern, die regelmäßig bei Höners Anlage vorbeischauen. Der 36-Jährige eilt gerade im gebückten Gang durch die Anlage und sorgt reihenweise dafür, dass andere Spieler erschrocken fluchen, weil er sie schon wieder erfolgreich markiert hat. Anfänger haben es gegen den Reislinger Linneweh schwer, der das Spiel in den USA kennenlernte und seitdem begeistert ist: „Wenn man Lasertag richtig spielt, ist das definitiv ein Sport. Man ist am Ende richtig durchgeschwitzt. Ich spare mir damit das Fitness-Studio.“ Die ganze Zeit hochkonzentriert und möglichst gebückt von einer Stellwand zur nächsten zu eilen, um diese als Deckung auszunutzen – da läuft bei Vielen schon nach einer Runde à 15 Minuten der Schweiß.

Überfordert wird allerdings niemand, meint Linneweh. „Das ist für Jung und Alt geeignet. Wunderbar lässt es sich mit der ganzen Familie spielen.“ Insbesondere wenn eine Familie als Team gegen andere Teams antrete, könne einen das zusammenschweißen, sagt Linneweh und verweist darauf, dass es verschiedene Spielmodi gibt. Es können zum Beispiel zwei verschiedene Teams versuchen, bestimmte Aufgaben wie das Verteidigen einer so genannten Basis-Station zu erfüllen. Dank unterschiedlich farbig leuchtender Westen können sich die Teams jederzeit auseinanderhalten.

© Dorbrietz

Meistens heißt das Spiel aber: Jeder gegen Jeden. Das kann auch gegen völlig Fremde gespielt werden. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass man mit jemanden spielt, den man zuvor nie gesehen hat“, sagt Thorben Höffe, wie Linneweh ein Stammspieler der Reislinger Anlage. Meistens spielen 14 Personen gleichzeitig, damit die Anlage optimal ausgelastet wird. Kleine Teams werden dabei einfach mit anderen Besuchern vermischt, um eine vernünftige Spielstärke zu erhalten. „Das ist aber kein Problem“, sagt der Wolfsburger Höffe. „Im Gegenteil: So lernt man neue Leute kennen.“

Wobei mit jedem Besuch die Wahrscheinlichkeit steigt, auf bekannte Gesichter zu treffen: 60 bis 70 Prozent der Gäste haben so viel Spaß beim Lasertag, dass sie nach ihrem ersten Mal erneut nach Reislingen kommen. Um mit dem Markierer in den Händen und der Weste am Körper durch die dunkle, neblige Halle zu eilen – voller Adrenalin und auf der Suche nach dem nächsten Treffer.

TK