Weißer VW Käfer im Herbie-Look mit der Startnummer 53 und Rennstreifen im Automuseum.

Raritäten und Zeitzeugen auf vier Rädern

Das AutoMu­seum Volkswagen

Schon mal gespannt vor einem Ur-Käfer gestanden und gedacht: Was hat dieser kleine Kerl wohl erlebt? Aber halt! Um Missver­ständ­nissen vorzu­beugen: Hier geht es nicht um einen Käfer mit sechs Beinen, sondern um den Käfer mit den vier Rädern. Denn im AutoMu­seum Volks­wagen erzählen über 130 Autos von der bewegten Geschichte einer Marke, die Wolfsburg und die Welt geprägt hat.

Von außen wirkt das ehemalige Fabrik­ge­bäude nahezu unscheinbar. Nur der Schriftzug „Volks­wagen. Das Museum.“ lässt erahnen, dass sich unter dem Flachdach etwas Beson­deres verbirgt. Ist das nur was für Mobili­täts-Enthu­si­asten oder kann das AutoMu­seum auch mich als nicht autoin­ter­es­sierte Person überzeugen?

Holz-Käfer, Herbie und der See-Golf

In der rund 5.000 m² großen Produk­ti­ons­halle der ehema­ligen Beklei­dungs­firma findet sich heute eine beein­dru­ckende Sammlung unter­schied­lichster Volks­wagen-Modelle. Wo früher die Näherinnen saßen, begrüßen mich direkt am Anfang die VW-Klassiker Käfer, Bulli und Golf. Diese Modelle kenne selbst ich. Doch das ist nur der sanfte Einstieg in eine facet­ten­reiche Reise durch die Entwick­lung des Volks­wa­gens – von frühen Käfer-Varianten über den kultigen VW Bulli bis hin zu einzig­ar­tigen Proto­typen und beson­deren Konzept­fahr­zeugen. Auch einige Kurio­si­täten und echte Raritäten sind dabei – darunter frühe Studien und ungewöhn­liche Designs, die nie auf den Markt kamen und sonst nirgends zu sehen sind. Dazu gehört beispiels­weise der See-Golf – ein Golf-Prototyp, der als Amphi­bi­en­fahr­zeug sowohl zu Land als auch zu Wasser unterwegs sein sollte. Echte Hingucker sind auch ein Käfer mit Holzka­ros­serie oder der legendäre VW Herbie aus der Kultfilm­reihe der 1960er und 70er Jahre. Hier steht der Wagen Nummer 6 von insgesamt ca. 70 Exemplaren, die für die Drehar­beiten genutzt wurden. Auch besondere Motor­sport-Umbauten, spezielle Außen- oder Innen­aus­stat­tungen und seltene Varianten, z. B. experi­men­telle GTI- oder Rallye-Modelle, sind Teil der Sammlung.

Und langsam erwischt die Begeis­te­rung auch mich. Ich schlen­dere entspannt durch die verschie­denen Jahrzehnte der Modell­ent­wick­lung und komme nicht drum herum, über all die einzig­ar­tigen Exponate zu staunen. Mein kleines, persön­li­ches Highlight? Der Hulk-Touran aus dem Film „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“.

Grüner VW Touran mit großem Hulk-Gesicht auf der Motorhaube neben einer Infostele im Museum.
Hulk-Touran aus dem Film “Tha Fast and the Furious”© WMG Wolfsburg

Nahbar und authentisch

Nahbar und authen­tisch sind hier die großen Schlag­wörter. Anders als in anderen Museen, in denen man die Exponate nur aus der Distanz betrachten kann, darf man im AutoMu­seum ganz nah ran. Anfassen ist natürlich trotzdem nicht erlaubt! Doch so kann man ganz genau hinschauen – nicht nur von außen, sondern auch ins Innere. Dabei entdecke ich einige inter­es­sante Details. Beispiels­weise ziert das Lenkrad einiger Modelle das tradi­tio­nelle Stadt­wappen mit der Silhou­ette eines Wolfs auf einer Burg. Was diese Wagen erlebt haben, zeigt sich besonders bei den Rally-Modellen. Risse in der Front­scheibe und Dellen in der Karos­serie erzählen von einem bewegten Leben. An manchen Autos finden sich sogar noch ein paar Matschspritzer.

Nahaufnahme eines Kettenantriebs mit einem großen und drei kleinen Rädern an einem silbernen PKW.
Ketten­an­trieb © WMG Wolfsburg

Spezielle Modelle – beispiels­weise für das Militär oder zum Transport von Kaffee­bohnen – spiegeln das Leben der Menschen wider.

Wie alles anfing

Bereits 1954 begann VW unter General­di­rektor Heinrich Nordhoff, Exponate des Unter­neh­mens zu sammeln und frühe Fahrzeuge von ihren Besitzern zurück­zu­kaufen. Diese technisch-histo­ri­sche Sammlung wurde 1967 auf dem Werks­ge­lände in Wolfsburg ausge­stellt, war jedoch nicht öffent­lich zugänglich.

1985 wurde dann das AutoMu­seum gegründet. Nordhoffs Sammlung wurde zur Grundlage für das Museum, ergänzt durch weitere histo­ri­sche Fahrzeuge, Proto­typen und Konzern­mo­delle. Im Gebäude einer ehema­ligen Beklei­dungs­fa­brik fand man neben VW-Wagen auch Modelle anderer Marken des Konzerns.

Die enge Verbin­dung zu Nordhoff zeigt sich bis heute in der Ausstel­lung. So ist beispiels­weise der Käfer seiner Frau Teil der Sammlung und am Schreib­tisch aus Nordhoffs Büro kann man im Gästebuch des Museums unterschreiben.

Offenes Gästebuch mit handschriftlichen Einträgen auf einem Mosaiktisch im Automuseum.
Gästebuch des AutoMu­seums auf dem Schreib­tisch von Heinrich Nordhoff © WMG Wolfsburg

Seit 2001 konzen­triert sich das AutoMu­seum ganz und gar auf die zahlrei­chen Exemplare der VW-Kernmarke – anders als das Zeithaus in der Autostadt, das auch Modelle anderer Marken des VW-Kosmos zeigt.

Das Motoren-Kabinett

Hinter einer unschein­baren, roten Tür verbirgt sich dann noch etwas ganz Beson­deres. Von der großen Ausstel­lungs­halle aus trete ich in einen kleineren Raum. Zunächst fällt mein Blick auf zahlreiche im Raum verteilte Motoren und dann auf eine Wand, die in kompletter Breite und Höhe mit Automo­dellen in unter­schied­li­chen Farben bedeckt ist.

Regale voller bunter Modellautos hinter ausgestellten Motoren im Automuseum Wolfsburg.
Motoren-Kabinett des AutoMu­seums © WMG Wolfsburg

Seit 2017 zeigt das Motoren-Kabinett anhand von rund 50 Motoren- und Getriebe-Exponaten die Entwick­lung der Volks­wagen-Aggregate. Die Sammlung reicht von frühen Motoren bis zu modernen Konzept- und Prototyp-Aggre­gaten, die nie in Serie gingen. Darunter sind luftge­kühlte Boxer­mo­toren, frühe Diesel-Varianten, wasser­ge­kühlte Reihen‑, V- und VR-Motoren sowie besondere Konstruk­tionen wie der TDI mit zwölf Zylindern und als VR6.

Die Ausstel­lung basiert maßgeb­lich auf den Erinne­rungen und Aufzeich­nungen früherer VW-Mitar­beiter aus Forschung und Entwick­lung, da für viele Exponate schrift­liche Dokumen­ta­tionen fehlen.

Selbst mich als bekennend nicht technik­in­ter­es­sierte Person faszi­nieren die filigranen Konstruk­tionen und verschie­denen Ausfüh­rungen der Exponate. Hier lerne ich noch richtig etwas.

Ein beson­derer Schatz sind auch die bereits erwähnten Automo­delle an der Rückwand des Raumes. Diese dienten früher bei VW dazu, die verschie­denen Lackfarben vorzu­führen und auszu­wählen. Als diese Stücke Zeitge­schichte dann vor einigen Jahren entsorgt werden sollten, fuhr einer der Mitar­beiter des Museums kurzer­hand zu Volks­wagen und holte die Modelle ab, um sie für die Nachwelt zu bewahren.

Das Motoren-Kabinett kann nur nach vorhe­riger Termin­ver­ein­ba­rung im Rahmen einer Führung besich­tigt werden (info@automuseum-volkswagen.de).

Die Menschen hinter den Autos

Das AutoMu­seum lebt von der Begeis­te­rung der Menschen – von der Leiden­schaft der Mitar­bei­tenden, die inter­es­sante Anekdoten zu den Exponaten erzählen können, und von der Auto-Liebe des Freun­des­kreises AutoMuseum.

Dass hier alles rund läuft, ist zu großen Teilen den Ehren­amt­li­chen des Freun­des­kreises zu verdanken. Die Automobil-Enthu­si­asten arbeiten mit viel Sachver­stand und Hingabe an der Instand­hal­tung und Pflege der Fahrzeuge. Viele von ihnen waren oder sind bei Volks­wagen beschäf­tigt und bringen nicht nur techni­sches Know-how, sondern auch persön­liche Geschichten mit. Vor allem aber ist der Freun­des­kreis ein Ort, an dem Leiden­schaft für das Automobil gelebt wird: gemein­sames Schrauben, Fachsim­peln und der Wunsch, automo­bile Geschichte für kommende Genera­tionen zu bewahren.

Tipp für Insiderwissen

Für Erklä­rungen und Insider­wissen lohnt sich der kosten­lose Audio­guide des AutoMu­seums oder eine Gruppenführung.

Dieser Beitrag hat dir gefallen? Dann schau auch hier vorbei – Kumpel Käfer ‑Im Interview mit Eckberth von Witzleben.

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