Ich finde, Schrebergärten sind ein echtes Geschenk für die Stadt. Sie sind Oasen der Ruhe inmitten des Alltagslärms, Orte, an denen Menschen sich erden – buchstäblich. Familien können hier Natur erleben, Kinder lernen, wie Gemüse wächst, und Senior:innen finden Gesellschaft. Meine Sommer habe ich größtenteils im Schrebergarten meiner Eltern in einem nahegelegenen Naturschutzgebiet verbracht.
Besuch im Kleingärtnerverein Schillerteich
Ich stehe auf dem Weg in Reislingen-West, vorbei an Reihen kleiner Gartenzäune und Lauben, bis ich das Eingangstor des KGV Schillerteich erreiche. Ich möchte gerne den ersten in Wolfsburg gegründeten Kleingartenverein besuchen. Begrüßt werde ich von Vogelgezwitscher, dem Duft frischer Erde und einem bunten Durcheinander von Blumen und Gemüsepflanzen.
Der Schillerteich-Verein wurde 1943 gegründet. Erich Urban war sein erster Vorsitzender – damals verteilten sich rund 30 Parzellen auf ein Gelände nahe dem heutigen Berliner Ring. Grün war knapp, Gemüse ebenso, und viele Familien verbanden mit ihrem Garten Essbares wie Kartoffeln und Gemüseanbau.
Fast 75 Jahre später gibt es aktuell 74 Parzellen am Standort in Reislingen-West, auf etwa 41.285 Quadratmetern Fläche. Die Gärten wurden modernisiert: Stromanschluss, Wege, Gemeinschaftseinrichtungen sind da, auch ein Gerätehaus und ein Vereinsheim.
Gemeinschaft, Natur & Begegnung
Beim Gang an den Lauben vorbei, treffe ich Jürgen, der gerade in seinem Garten die Hecke schneidet. Wir kommen sofort ins Gespräch. Er bittet mich hinein und bei mir kommen gleich ganz viele Kindheitserinnerungen hoch. Schrebergärten sind schon seit meinen Großeltern ein Teil meiner Familie und hier fühle ich mich wohl, auch weil aus der kleinen Küche ein leckerer Geruch von Äpfeln weht. Hier wird eingekocht. Das kenne ich bis heute aus dem Garten meiner Eltern.
Jürgen erzählt mir, dass es wichtig ist, auf die Regeln des KGV zu achten, weil sie Garten und Gemeinschaft stark machen. Laut Gartenordnung ist jeder Kleingärtner verpflichtet, seinen Garten so zu gestalten und zu pflegen, dass er den Satzungsbestimmungen und der Gartenordnung entspricht. Das bedeutet: Pflanzen, Gestaltung und Nutzung müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Gemüse und Obst, Blumen und Zierpflanzen dürfen sich abwechseln und ergänzen, aber keiner dieser Bestandteile darf vollständig dominieren.
Ein gutes Beispiel ist die Heckenpflege. Hecken, die Wege begrenzen, dürfen eine bestimmte Höhe nicht überschreiten, damit Wege begehbar bleiben und Sichtverbindungen gewahrt sind. Auch der Abstand zur Wegkante und zu Nachbarflächen muss bei neuen Bepflanzungen eingehalten werden.
Ich verabschiede mich von Jürgen und schlendere weiter bis zum Gemeinschaftsplatz. Hier gibt es einen Grillbereich, einen Spielplatz für Kinder und eine Veranstaltungsfläche. Jedes Jahr gibt es Osterfeuer, Sommerfeste und eine Grünkohlwanderung. Die Vereinsgemeinschaft lebt – junge Familien, Senior:innen, Menschen aus verschiedenen Herkunftskulturen pflanzen, pflegen, tauschen sich aus.
Vier Jungs laden mich ein bei ihrem Fußballspiel mitzumachen. Ich verzichte lieber. Die Verletzungsgefahr ist mir nach 20 Jahren Abstinenz zu groß. Ich gehe lieber zu den drei Volleyballspielenden auf dem Platz daneben, da fehlt offensichtlich noch ein Mitspieler. Ich spiele eine halbe Stunde mit und gehe dann weiter auf Erkundungstour durch die Reihen kleiner Lauben. Ich höre Lachen, Nachbarn plaudern über den Zaun.
Der KGV Schillerteich gehört zum Bezirksverband der Kleingärtner Wolfsburg und Umgebung e. V. Der Dachverband wurde 1948 gegründet, auf Initiative des damals im Verein „Westersieck“ tätigen Heinrich Freundlieb. Heute umfasst er 25 Vereine mit 2135 Gärten/Parzellen. Damit ist das Schrebergartenwesen nach wie vor stark.
Wie in meiner Kindheit sind die Kleingärten noch heute ein Ort, an dem Erholung und Umweltbewusstsein zusammenkommen: Diese Gärten helfen der Biodiversität, sie bieten Lebensraum für Vögel und Insekten, sie speichern lokal etwas CO₂ und beleben das Mikroklima. Aber vor allem bieten sie einen unschätzbaren Wert für die Menschen, die hier gärtnern. Rückzugsraum und Gemeinschaft zugleich.








