Sportlich, schaukelig, schön

EIN EINZELNER STAMM, LÄNGS IN DER MITTE GETEILT, AUSGEHÖHLT MIT STEINERNEM WERKZEUG: AUF DIESE WEISE, IM EINBAUM NÄMLICH, FUHREN DIE MENSCHEN ERSTMALIG AUF SEE. UND AUCH WENN JAHRTAUSENDE SPÄTER ERST GALEEREN, DANN GALEONEN UND IRGENDWANN KLEINSTADTGROSSE FLUGZEUGTRÄGER UND KREUZFAHRTSCHIFFE FOLGTEN – DIE FASZINATION, AUF DER WASSERLINIE SITZEND, MIT DEM PADDEL DIE MACHT DES WASSERS UND DER STRÖMUNG ZU BEZWINGEN, IST IN UNSEREM ALTSTEINZEITLICHEN ERBGUT ERHALTEN GEBLIEBEN.

Und natürlich geht man im Wolfsburger Kanu-Club, Wolfsburgs ältestem Wassersportverein mit Heim und Sportstätte am Allersee, trotzdem mit der Zeit: Widmeten sich die Kanuten nach der Gründung im Jahr 1952 zunächst klassisch eng gefasst dem Wander- und Rennsport, lassen die rund 200 Mitglieder im Alter von sieben bis 79 Jahren inzwischen auch Outrigger – sozusagen  Kanus mit stabilisierendem Ausleger – und Drachenboote zu Wasser. Daneben gibt es ein vielfältiges Fitnessangebot: Krafttraining, Laufen, Gymnastik, Ganzkörpertraining sowie Übungen für Beweglichkeit und Ausdauer stehen auf dem Programm. „Und natürlich kommt das gesellige Miteinander bei uns auch nicht zu kurz“, erzählt der erste Vorsitzende Oliver Paprotny. Geselligkeit sollten neue Kanuten also mitbringen, neben Spaß am Wasser – und selbstverständlich die Verbundenheit mit der Natur.

Ganz nah ist man ihr besonders beim Kanuwandersport: Manchmal allein, gern aber auch mit Freunden oder der Familie unternimmt man hier Ausflüge; freilich nicht auf ausgetretenen Pfaden und mit Wanderstiefeln an den Füßen, sondern auf Flüssen wie der Aller, der Oker, der Fuhse, der Schunter oder der Örtze und mit dem Doppelpaddel in der Hand. Und weil im Stauraum des Kanus zudem Platz für ein Zelt ist, sind auch ausgedehnte Touren im Spreewald, auf der Mecklenburger Seenplatte oder in Schweden möglich – inklusive Übernachtung unter den Sternen.

Romantik pur – für die die Leistungssportler leider keine Zeit haben. Geruhsames schaukeln auf dem kräuselnden Wasser, sehnsuchtsvolles Schweifen durch die Natur: Fehlanzeige! Hier wird in die Hände gespuckt und die Paddel-Power auf Schiffschrauben-Tempo gebracht, um die gerade markierte Bahn möglichst schnell – und auf jeden Fall schneller als die Konkurrenz – zu durchqueren. Das ist kraftraubend, aber erlernbar: „Egal ob Einsteiger oder Fortgeschrittener: Unsere erfahrenen Trainer bringen jedem die notwendigen Fähigkeiten bei“, sagt der zweite Vorsitzende Andreas Höhne.

Und auch hier übt sich früh und mit Ehrgeiz, was ein Meister werden will: „Aktuell trainieren bei uns bis zu 28 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 18 Jahren einmal wöchentlich, um die Kunst des Paddelns zu erlernen. Dabei haben sie mit dem Allersee und dem Mittellandkanal die besten Voraussetzungen“, betont Oliver Paprotny. Ohnehin hat die Jugendarbeit einen großen Stellenwert im Kanu-Club: „Wir unternehmen mit unserer Kanu-Jugend auch unabhängig von sportlichen Anlässen und offiziellen Terminen eine ganze Menge. Wir grillen zum Beispiel, backen Pizza, gehen schwimmen oder zum Bowling“, so Höhne. Denn im Verein ist man sich einig: Leistungsdruck haben Kinder und Jugendliche in der Schule schon genug. „Bei uns steht der Spaß klar im Vordergrund“, ergänzt Paprotny.

Und nicht selten entsteht gerade aus dem Spaß, dem spielerischen Herangehen ganz von selbst eben jene sportliche Leistung auf Wettkampfniveau. Bestes Beispiel: das Drachenbootfahren. Die Sub-Sparte, einst eher aus zeitgeistiger Neugier heraus entstanden, paddelt inzwischen international ganz vorne mit: Im vergangenen Herbst holten die „Speedform Dragons“ die Deutsche Meisterschaft in der Klasse Senior A Mixed über 500 Meter; im Juni geht es im ungarischen Szeged sogar um den Weltmeistertitel. Und auch im Outrigger messen sich die Wolfsburger Kanuten mit Erfolg – und bringen gleichzeitig echtes Südseefeeling in den Allerpark: Seinen Ursprung hat das Kanu mit Ausleger nämlich im westpazifischen Raum. Die Polynesier legten historischen Erkenntnissen zufolge mit diesem Schiffstyp teilweise enorme Strecken auf dem offenen Meer zurück – und lieferten sich von Beginn an Rennen.

Kein Wunder: Wer einmal in einem Kanu gesessen hat, kann sich dieser Faszination nicht wieder entziehen. Kaum hat man die ersten Paddelschläge getan, will man mehr, will man schneller werden, über das Wasser dahingleiten wie eine Möwe. Dieses Gefühl zu erleben, dafür gibt es in diesem Jahr zahlreiche Gelegenheiten: zum Beispiel am 26. Mai beim Tag der off enen Wassersportvereine, vom 28. Juni bis 1. Juli bei der Norddeutschen Kanurennsportmeisterschaft oder am 21. Juli im Rahmen des Sommerfests im Allerpark; außerdem lädt der Kanu-Club alle, die schwimmen können, ab dem 24. Mai immer donnerstags ab 17 Uhr zum Schnupperpaddeln ein. Mitzubringen ist neben guter Laune noch sicherheitshalber ein Satz Wechselkleidung. Denn Kanu-Sport ist nicht nur im Hinblick auf seine Unterhaltsamkeit keine trockene Angelegenheit.

YN

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Wolfsburger Kanu-Club e.V.
In den Allerwiesen 7
38446 Wolfsburg
Telefon: 05361-63356
Web: www.wolfsburger-kanu-club.de
E-Mail: info@wolfsburger-kanu-club.de