Stadt, Land, Zweirad

Kurvenreiche Sträßchen, Dörfer im Sonnenschein und urige Ausflugslokale lassen das Herz jedes Motorradfahrers höher schlagen. Auch wenn sich die Idylle einer Diva gleich gerne erobern lässt – Wolfsburg und die Umgebung bieten alles, was zu einer traumhaften sonntäglichen Ausfahrt gehört. Die hier vorgestellte Tour startet im Herzen Wolfsburgs und führt bis an den südlichen Rand des Landkreises Helmstedt. Denn dort wartet die schönste Serpentinenstraße der Gegend.

Sonne, Sonntag, angenehme Temperaturen – da hält es keinen Motorradfahrer im Haus. Die Zweiräder werden aus der Garage geschoben, abgestaubt und die Motoren zum Leben erweckt. In Alt Hesslingen trifft man sich im Atelier Café mit befreundeten Bikern, um bei einem Cappuccino die Tour zu planen.

Vorbei an Kästorf, Brackstedt und Velstove geht es auf kleinen Alleen hinaus aufs Land. Hier warten schon die ersten Kurven, die jedoch nur mäßiges Vergnügen bereiten. Über Eischott, Brechtorf und Rühen erreichen wir den Drömling. Hier sind die Störche rechts und links von der Straße auf Futtersuche und die Kurven laden zum Schwingen ein.

Grafhorst und Wahrstedt heißen die nächsten Orte der Route, dann ändert sich die Landschaft. Erste kleine Hügel zeigen sich bei Bahrdorf und Rickensdorf. Weiter geht es durch die liebliche Landschaft des Hasenwinkels durch Groß Sisbeck und Volkmarsdorf nach Almke. In den Dörfern lohnt es sich, einen Blick in die Höfe der prächtigen Gutshäuser zu werfen. Mancherorts sind noch traditionelle Taubenhäuser zu sehen.

Über Neindorf und Ochsendorf erreichen wir den Abzweig nach Beienrode und Uhry. Hier gibt es eine kleine Nebenstrecke nach Schoderstedt, die – je nach Tageszeit – mit einer geradezu mystischen Stimmung überrascht. Am Horizont erhebt sich nun der Kaiserdom in Königslutter und dem Domstädtchen gilt auch der nächste Abstecher. Die Eisdiele auf dem Marktplatz vor der Kulisse des historischen Rathauses ist eines der Muss-Ziele für Motorradfahrer in der Region.

Nun geht es in langgezogenen Kurven bergauf in den Elm. Wir biegen am Abzweig Langeleben in Richtung Schöningen ab, um den Höhenzug in seiner ganzen Ausdehnung auszukosten. Viele Kilometer schlängelt sich die Landstraße hier ohne Unterbrechung durch den  Wald. Im Mai, wenn die Buchen frisches, helles Grün tragen, ist es im Elm besonders schön.

In Schöningen halten wir uns in Richtung Söllingen. Hinter Jerxheim liegt ein Höhepunkt der Tour: die kleine Serpentine, die den Höhenunterschied zwischen Heeseberg und dem Großen Bruch überwindet. Leider hat man hier die Geschwindigkeit stark reglementiert. Trotzdem vermittelt das kurze Wegstück ein bisschen alpines Feeling.

In Jerxheim-Bahnhof halten wir uns bei Ritchys Grill rechts in Richtung Beierstedt und Watenstedt. In dieser Landschaft zwischen Heeseberg und großem Bruch wurden schon Western gedreht – die Stimmung hier erinnert tatsächlich etwas an die Einsamkeit der Prärie. Über die Ebene geht es nun vorbei an Windrädern nach Schöppenstedt. Till-Eulenspiegel-Fans wollen vielleicht dem nahebei in Kneitlingen geborenen Narr ihre Referenz erweisen. Das Till-Eulenspiegel-Museum in Schöppenstedt wurde im Herbst vergangenen Jahres nach umfangreicher Renovierung mit einem neuen Ausstellungskonzept wiedereröffnet.

Wieder auf den Motorrädern folgt ein Klassiker für Zweiradfreunde – vor allem der unmotorisierten: der Sambleber Berg. Generationen von Radfahrern haben an diesem Berg viel Schweiß vergossen, darunter die Teilnehmer der Niedersachsen-Rundfahrt. Auf dem Motorrad ahnen wir von solchen Qualen nichts, wir können uns wieder an den grünen Austrieben der Bäume erfreuen.

Oben auf dem Elm-Kamm ist ein Stopp an der Ausflugsgaststätte Tetzelstein ein Muss. Hier trifft sich an den Wochenenden die ganze Biker-Gemeinde. Was Torfhaus für den Harz ist der Tetzelstein für den Elm. Man hält an, schaut die Gefährte der Gleichgesinnten an, führt ein paar Benzin-Gespräche und geht dann durch zur Gaststätte. Hier gibt es Kaffee und Kuchen, Eis oder was immer das Bikerherz begehrt.

Gestärkt fahren wir ein paar Meter zurück, um zum Abzweig ins Reitlingstal zu kommen. Dieses darf auf keiner Motorradrunde fehlen. Mit Schwung geht es durch die zahlreichen Kurven, der Duft des frischen Bärlauchs betört die Sinne – ein Genuss! In Hemkenrode, dem Heimatort von Axel Bosse, lassen wir den Elm langsam hinter uns. Wer historische, englische Landschaftsparks mag, nimmt in Destedt rechts die Lindenallee. Am Ende des Weges liegt ein Geheimtipp: der im 19. Jahrhundert angelegte Schlosspark Destedt mit einem einzigartigen Baumbestand.

Über Gardessen, Scheppau, Rieseberg und Glentorf geht es nun auf beschaulichen Pfaden zurück in Richtung Heimat. Durch Heiligendorf und Barnstorf erreichen wir die Stadt wieder. Doch unserer Tour fehlt noch ein würdiger Abschluss. Deshalb lassen wir den Schillerteich rechts liegen und fahren nach Mörse. Das Café Schrill ist der richtige Ort, um auf der Terrasse eine Kleinigkeit zu essen, etwas Kühles zu trinken und den Tag auszuwerten.

BZ