Stichwort Pflegereform: Einfacher als Sie denken

Fast jeder kennt wohl eine Familie, die pflegedürftige Menschen zu versorgen hat, oder hat sogar selbst Angehörige, die einen entsprechenden Bedarf haben. Ein Thema also, das viele von uns angeht. Ein Thema auch, das kompliziert scheint. Im Zuge der Pflegereform und mit den sog. Pflegestärkungsgesetzen ist seit Januar 2017 vieles einfacher geworden. Außerdem stehen insgesamt 5 Milliarden Euro zusätzlich für die Pflege zur Verfügung – auch für Menschen, die bisher keine oder nur geringe Unterstützung bekamen. Wir haben uns bei zwei Wolfsburger Pflegediensten umgehört und auch eine Wolfsburger Seniorin besucht, die von der Pflegereform profitiert. 

Berta Amsel (Name von der Redaktion geändert) ist schon fast 80 Jahre alt und wird seit drei Jahren von der Caritas Sozialstation Wolfsburg-Süd in ihrer Wohnung betreut. Überwiegend wird Sie von der Mitarbeiterin Lydia Schön (56) versorgt. Sie schaut täglich nach dem Rechten, leistet Hilfestellung beim Duschen, zieht Ihr die Stützstrümpfe an und verabreicht Frau Amsel die Augentropfen. Mit der Einführung der Pflegegrade ab dem 1. Januar 2017 erhält die Seniorin zusätzliche Unterstützung: „Seitdem kommt eine Haushaltshilfe, die meine Einkäufe erledigt. Das ist eine enorme Erleichterung für mich und ermöglicht mir, wirklich hier wohnen zu bleiben“, erzählt Berta Amsel und fährt fort: „Die Caritas kam auf mich zu und informierte mich, über meine weiteren Leistungsansprüche und dann konnten wir die Unterstützung für mich unkompliziert aufstocken.“

Was für die betagte Wolfsburgerin möglich wurde, kann auch vielleicht in Ihrer familiären Situation greifen. Zu den Fakten – folgende sechs wesentliche Verbesserungen hat die Pflegereform mit sich gebracht:

  1. Sie haben einen Anspruch auf Pflegeberatung bei Ihrer Pflegekasse. Zudem können Sie natürlich bei den Pflegeeinrichtungen und beim Senioren- und Pflegestützpunkt der Stadt Wolfsburg Rat holen (siehe Infokasten). Letzterer berät Sie neutral und unabhängig.
  2. Durch ein neues und feineres Begutachtungsverfahren ist es möglich, die Pflegebedarfe individueller einzuschätzen und damit Leistungspakete zu schnüren, die persönlicher auf die pflegebedürftigen Menschen zugeschnitten sind. Körperliche, geistige und seelische Pflegebedürftigkeit ist jetzt gleichrangig.
  3. Insbesondere an Demenz erkrankte Menschen profitieren; die Chancen haben sich erhöht, dass sie Pflege erhalten.
  4. Es stehen insgesamt 5 Milliarden Euro mehr für pflegebedürftige Menschen zur Verfügung.
  5. Pflegende Angehörige erfahren verstärkte Unterstützung (bspw. durch eine „Urlaubsvertretung“ oder Auszeiten vom Beruf, in denen sie Pflegeunterstützungsgeld erhalten).
  6. Rückenwind für Pflegefachkräfte – die Qualität der Ausbildung wird verbessert; noch mehr Menschen sollen den Pflegeberuf erlernen.

Zurzeit gibt es in Wolfsburg wie auch in ganz Deutschland einen Pflegefachkräftemangel, die die Sozialstationen (Einrichtungen wie Caritas, das Deutsche Rote Kreuz oder auch die Diakonie) versuchen, gemeinsam zu lösen. Nadine Florentin (38), Einrichtungsleitung der DRK-Sozialstation in Fallersleben,  erläutert: „Wir haben auch innerhalb unseres Hauses ein Procedere entwickelt, um alle Klienten versorgen zu können. Jetzt im Sommer lernt ein weiterer Jahrgang an Pflegern und Pflegehelfern aus. Wir freuen uns auf neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“ Gut zu wissen: Wenn Sie Pflegeleistungen bewilligt bekommen haben, haben sie einen Versorgungsanspruch. „Wir tun unser Bestes dafür, jedem unserer Klienten gerecht zu werden. In der Regel gelingt uns das auch sehr gut. Unser Ziel ist es, unser Angebot mit neuem Personal weiter abzurunden und zu erweitern“, ergänzt Florentin.

Und wie gehen Sie am besten vor, wenn Sie eine Pflege für einen Angehörigen beantragen möchten? „Um Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten, müssen Sie einen Antrag zur Ermittlung eines Pflegegrads bei Ihrer Pflegekasse stellen. Gerne unterstützen wir bei der Antragsstellung und beraten Sie und Ihre Angehörigen über die Leistungen und Möglichkeiten im häuslichen Umfeld. “, weiß Sabine Marx, Pflegedienstleiterin der Caritas-Sozialstation Wolfsburg-Süd. Die Sozialstationen und Pflegedienste geben sich große Mühe, den Informationsbedarf zu decken: „Zum Jahresende haben wir alle unsere Klienten angeschrieben und über die neuen Möglichkeiten, weitere Pflegeleistungen in Anspruch zu nehmen, informiert“, erzählt Sabine Marx.

Wenn Sie also im Freundes- oder Bekanntenkreis oder gar in der Familie pflegebedürftige Menschen haben, bitte scheuen Sie sich nicht und lassen sich bei ihrer Krankenkasse, bei einer Sozialstation oder beim städtischen Senioren- und Pflegestützpunkt einen Termin geben: Die Antragstellung ist gerade seit dem 01.01.2017 weit weniger kompliziert, als Sie vielleicht annehmen – und die Chancen, eine Unterstützung zu erhalten sind deutlich gestiegen.

SRB

 

Pflegebedarf? Infos benötigt?
Wer sich informieren möchte, ob im Pflegefall Anspruch besteht, finanzielle Unterstützung zu erhalten, sich einen allgemeinen Überblick verschaffen oder erfahren möchte, wie eine Antragstellung funktioniert, der wende sich am besten an den Senioren- und Pflegestützpunkt der Stadt Wolfsburg. Hier ist eine neutrale und unabhängige Beratung zum Thema Pflege gewährleistet. Hier finden Sie ihn:

Senioren- und Pflegestützpunkt der Stadt Wolfsburg
Rathaus B im Servicebüro in Zimmer 164.
Porschestraße 49
38440 Wolfsburg
Telefon (0 53 61) 28-28 48

Er hat folgende Öffnungszeiten:
Montag und Dienstag: 08.30 bis 16.30 Uhr
Mittwoch und Freitag: 08.30 bis 12.00 Uhr
Donnerstag: 08.30 bis 17.30 Uhr

Surftipp
Auf der Website www.pflegelotse.de finden Sie nächstgelegenen Pflegedienste in Ihrem Umkreis und können Sie über das Thema Pflegeberatung schlau machen.