Bei Anruf Empathie
Tu Gutes. Und rede nicht darüber. Die TelefonSeelsorge in Wolfsburg ist bewusst eine stille Einrichtung. Es gibt keine Tage der offenen Tür, keine Fotos in der Zeitung – um die Anrufenden zu schützen und die Ehrenamtlichen zu entlasten. Genau das macht sie zu einem vertrauensvollen Ort, an dem Menschen in Not sorgenfrei ihr Herz öffnen können.
Verantwortungsvoll im Verborgenen
Die Einrichtung selbst liegt im Verborgenen: kein Wegweiser, kein Schild – man muss eingeladen werden. Diese Anonymität senkt Hemmschwellen. Wer nicht weiß, dass vielleicht die Nachbarin oder der Arbeitskollege eine der über 70 Ehrenamtlichen ist, traut sich leichter, den Hörer in die Hand zu nehmen.
Früher führte Petra Kretschmer die TelefonSeelsorge, heute liegt die Leitung bei Verena Altenhofen. Unterstützt wird sie von Anna Schüßler und Pastorin Anja Niehoff, die unter anderem die Ausbildung der Ehrenamtlichen verantworten.
Anonymität und professionelle Begleitung
Das Stammprinzip gilt weiterhin: Es gibt keine Rufnummernanzeige, keine Spuren auf der Telefonrechnung und kein Name. Selbst im Büro wird anonym gearbeitet, Diskussionen über Anrufer:innen finden nur im Rahmen der Supervision statt. Diese Supervision, die meist durch Psycholog:innen oder speziell geschulte Fachkräfte durchgeführt wird, unterstützt die Ehrenamtlichen bei der Verarbeitung belastender Gespräche.
Die Themen am Telefon reichen von Einsamkeit und Existenzängsten bis hin zu Gewalterfahrungen oder Suizidgedanken.
Von den jährlich rund 10. 000 Anrufen, die die TelefonSeelsorge Wolfsburg entgegennimmt, betreffen etwa 300 Gespräche den Bereich Suizid – sei es als Verarbeitung eines Versuchs oder als konkrete Androhung. Hinzu kommen jährlich rund 300 Beratungsgespräche per Chat sowie etwa 500 seelsorgische E‑Mails. „Als Mitarbeiter mit dem Thema Selbsttötung konfrontiert zu sein, ist so gut wie sicher“, betont die Leitung: „Besonders in solch einem Fall muss man wissen, was man sagt – und wie man es sagt.“
Zuhören will gelernt sein
Die qualifizierte Ausbildung dauert rund ein Jahr und umfasst etwa 120 Stunden, die sich auf regelmäßige Trainingsabende und Mentoring verteilen. Die Inhalte umfassen Gesprächsführung, aktives Zuhören, psychologische Grundlagen und Selbstreflexion. Danach folgt ein Mentorenprogramm und auch später bilden sich die Ehrenamtlichen regelmäßig weiter.
Denn bei der TelefonSeelsorge geht es nicht darum Ratschläge zu geben, sondern zuzuhören. Hilfe zur Selbsthilfe. Dafür ist Geduld unverzichtbar: Manchmal vergeht am anderen Ende der Leitung fünf Minuten, in denen nur geweint wird, bevor Worte kommen.
Neue Wege: Chat und E‑Mail
Neben dem klassischen Telefongespräch bietet die TelefonSeelsorge Wolfsburg mittlerweile auch E‑Mail- und Chat-Beratung an – anonym, kostenfrei und bundesweit vernetzt. Immer mehr Menschen nutzen diese Möglichkeit, vor allem nachts oder in Situationen, in denen ein Telefonanruf zu schwierig erscheint. Auch das Kinder- und Jugendtelefon gehört zum Angebot.
Wenn du gerade selbst Hilfe brauchst
Vielleicht liest du diesen Blog nicht nur aus Interesse, sondern weil es dir selbst gerade nicht gut geht. Bitte zögere nicht, die Nummer zu wählen: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 – rund um die Uhr, anonym und kostenfrei. Auch Chat und Mail sind möglich über www.telefonseelsorge.de.
Es ist völlig in Ordnung, wenn du nicht weißt, wie du anfangen sollst. Ein einfaches „Hallo“ reicht. Jemand ist da, hört zu – so lange, wie du es brauchst.
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