Viel mehr als Baden im Meer

Schwimmen ist bei vielen Menschen ein populäres Hobby und erfreut sich besonders im Urlaub großer Beliebtheit. Mehrmals pro Woche im Verein zu trainieren und bei Wettkämpfen ins Wasser zu springen, ist für Hobby-Schwimmer aber eine unbekannte Welt. Der Besuch einer Trainingseinheit von leistungsorientierten Schwimmern zeigt, dass die Sportart viel mehr sein kann und zu bieten hat, als ein paar Züge im Meer.

Das mache ich doch jeden Sommer, werden sich viele Wolfsburger beim Thema Schwimmen denken und sich an ihre Ausflüge ans Meer erinnern. Das ist aber nur die eine Seite dieser Sportart. Leistungsorientiert im Verein zu schwimmen ist die andere, weitaus unbekanntere Seite. Auch weil viele Medien hauptsächlich über „König Fußball“ berichten, fristet Schwimmen ein Schattendasein. Dagegen wollte Marco Thiel, wohnhaft im Eichelkamp, etwas tun. Kurzerhand schrieb er an die Redaktion von DEIN WOLFSBURG. Wer wisse schon, so Thiel, dass „wir Schwimmer vom TV Jahn Wolfsburg im vergangenen Jahr bei den Europameisterschaften in London waren und diesen Sommer zu den Weltmeisterschaften nach Budapest fliegen? Und das erste Halbjahr 2017 ist dazu gespickt mit Norddeutschen und Deutschen Meisterschaften.“ Als von Beruf aus neugieriger Redakteur lässt man sich so etwas nicht zweimal sagen. Nach ein paar Telefonaten war ein Termin beim Training des Top-Teams vom TV Jahn Wolfsburg ausgemacht, um vor Ort der Frage nachzugehen, was leistungsorientierte Schwimmer in Wolfsburg eigentlich konkret machen.

(c) Sebatian Dorbrietz

Also Ortstermin im Badeland Wolfsburg. Hier trainiert von 18 bis 20 Uhr an jedem Wochentag das Top-Team des TV Jahn – die zwölf besten Nachwuchsschwimmer der Jahrgänge 1995 bis 2002. Der 29-jährige Marco Thiel ist hier nicht dabei. Thiel trainiert zwei- bis dreimal die Woche mit den älteren Schwimmern der sogenannten Masters-Gruppe. Schon jetzt wird klar: Leistungsorientiertes Schwimmen findet viel in der Gruppe statt und ist kein Sport für Einzelgänger. Das ist für den 21-jährigen Oliver Nauroth vom Top-Team ein großes Plus: „Das sehen Viele nicht. Es ist immer ein Teamgefühl. Man fiebert mit den anderen mit.“ Tatsächlich ist von diesem Wir-Gefühl in den Trainingspausen viel zu sehen: Die jugendlichen Schwimmer klopfen sich gegenseitig auf die Schultern oder wuscheln sich zur Aufmunterung durch die Haare. Mit Schwimmen fing Nauroth aber aus anderen Gründen an: „Ich bin Asthmatiker. Ein Arzt empfahl regelmäßigen Sport.“ Das Schwimmen brachte tolle Effekte für seine Gesundheit: „Ich hatte zu wenig Lungenvolumen. Mittlerweile habe ich 112 Prozent“, sagt Nauroth, der in der Teichbreite wohnt und es manchmal wegen seines Studiums nicht zum Training schafft.

(c) Sebastian Dorbrietz

Seine Trainingskameradin Eileen Schulze aus Brackstedt löst ihn dann beim Interview ab, setzt sich in ein Handtuch gewickelt nebenden Beckenrand, während das übrige Top-Team die Bahnen rauf und runter schwimmt. Der Unterschied zu den normalen Badegästen im hinteren Teil des Beckens ist deutlich zu erkennen. Die Geschwindigkeit und die wummernden Beinschläge beeindrucken ebenso wie die scheinbare Leichtigkeit, mit der die Teenager im Delfinstil schwimmen – eine Disziplin, die für viele Durchschnittsschwimmer viel zu schwierig ist. Unter Schwimmern gilt der Bruststil als technisch sehr anspruchsvoll. Ausgerechnet diese Disziplin favorisiert Eileen Schulze. Die Schülerin schwimmt seit ihrer Kindheit im Verein. Wie in vielen Sportarten zahlt sich dieses „Frühübtsich“ aus und ist eine gute Voraussetzung für spätere Erfolge. So auch bei Eileen: Sie ist unter anderem norddeutsche Meisterin auf 100 und 200 Meter Brust. Alle Erfolge aufzulisten, würde den Rahmen sprengen: „Ich muss schon nach freien Plätzen für Medaillen an der Wand suchen“, sagt die Schülerin. Irgendwann will sie auch bei einer Deutschen Meisterschaft aufs Treppchen. Und ganz wage träumt sie noch von den Olympischen Spielen: „2020 in Tokio dabei zu sein – das wäre schon was!“ Nun will sie aber erstmal zurück ins Wasser und verabschiedet sich.

Am Telefon berichtet Marco Thiel noch, dass er und seine Trainingsgruppe neben der einwöchigen Weltmeisterschaft in Budapest diesen Sommer zu zahlreichen anderen Wettkämpfen anreisen. „Das ist immer wie ein Familienausflug. Und man lernt viele neue Menschen kennen, auch überregional.“ Für Thiel macht das den Reiz aus. „Zudem ist es einfach ein toller Ausgleich zum Büroalltag.“
TK

 

VEREINS-SCHWIMMEN IN WOLFSBURG

  • Wettbewerb mit Schwimmern aus ganz Deutschland: TV Jahn Trophy 2017 am 13. Mai, ab 10 Uhr, Badeland. Eintritt kostenlos.
  • Sehr gut schwimmende Jugendliche melden sich für ein Probetraining in der Leistungsgruppe des TV Jahn bei: dennis.bauch@tvjahn-wolfsburg.de
  • Schwimmen in Wolfsburger Vereinen: www.stadtsportbund.wolfsburg.de/_cms/sport_schwimmen.php