Von wegen Kneipensport

Der Präzisionssport Dart gewinnt immer mehr Fans, auch in Wolfsburg. Ein paar von ihnen gründeten eine Dartabteilung beim VFL Wolfsburg. Das „Bull‘s eye“ in der Mitte der Wurfscheibe ist nur eines ihrer Ziele.

Kommt das Gespräch auf das Thema Dart, tauchen oft folgende Vorstellungen auf: Das ist doch ein Kneipensport, bei dem man drei kleine Pfeile auf eine Zielscheibe wirft. Gelegentlich ist Dart auch im Fernsehen zu sehen, wo dann tätowierte Männer mit dicken Bäuchen in bunten Hemden auf großer Bühne schwitzend versuchen, sich zu konzentrieren, trotz der bierseligen Gesänge der Zuschauer im Saal. Besucht man die Abteilung Dart des VfL Wolfsburg, fühlt man sich in derartigen Vorstellungen zunächst bestätigt: Die VfL-Darter werfen natürlich mit drei Pfeilen auf eine Scheibe, und sie tun das in der Gaststätte des VfL am Elsterweg – also tatsächlich in einer Art Kneipe.

(c) Florian Koch

Auf den zweiten Blick will das vorgefertigte Bild jedoch nicht passen. Wie in einer typischen Kneipe sieht es in den Trainings- und Wettkampfräumen der VfL-Darter nicht aus. Es wird nicht geraucht, niemand trinkt ein Bier und gesprochen wird nur mit gedämpfter Stimme. Wer sich normal unterhalten will, tut dies im Vorraum oder auf der Terrasse der Gaststätte. Auch hat hier keiner einen Kugelbauch wie die Spieler im Fernsehen. „Wir wollten das mit dem Dartspielen seit unserer Gründung 2010 etwas ernsthafter, also sportlicher angehen“, sagt der Vorsitzende der Dart-Abteilung Dirk Schröder. Deswegen sind er und seine Mitstreiter durchaus stolz darauf, dass sie in der VfL-Gaststätte Extraräume mit mehreren Dartboards an der Wand zum Trainieren haben – und sie eben nicht in Wurfweite zur Theke auf Punktejagd gehen. „Im Vergleich zu anderen Dartvereinen haben wir hier beim VfL Luxus-Zustände“, sagt Schröders Vorstandskollege Thorsten Rösler.

Dass im Trainingsraum nur mit gesenkter Stimme gesprochen wird, hat auch mit der angestrebten Ernsthaftigkeit zu tun: „Viele Spieler können sich bei Lärm nicht richtig konzentrieren“, erklärt Rösler. Und die richtige Konzentration sei bei diesem Präzisionssport sehr wichtig. „Das und mentale Stärke machen viel aus. Dart ist zum größten Teil Kopfsport.“ Auch weil die Spieler nach jedem Wurf errechnen müssen, welche Felder sie bestenfalls als nächstes auf der Zielscheibe treffen, um als Erster ans Ziel zu kommen – was in aller Regel darin besteht, 501 Punkte mit möglichst wenigen Würfen zu erspielen. Wobei zudem noch der letzte Wurf ein „Double“ sein muss, also eines der äußersten Felder auf der Scheibe. „Da muss man oft schnell rechnen, welche Felder in Kombination zum Ziel führen“, sagt Schröder. Das mache auch den Reiz aus. „Das ist Mathe à la Dart. Dafür braucht es einige Übung.“

Beim Üben können sich jüngere Spieler Tipps von den erfahrenen VfLern holen. Etwa bei Schröder oder Rösler, die seit Jahrzehnten spielen. „Wir heißen jeden Interessierten willkommen und versuchen ihnen zu helfen, wenn sie möchten“, sagt Schröder. Können oder Wissen werde nicht vorausgesetzt. Auch müsse man nicht sofort in den Verein eintreten. Nur eines ist nötig: Eine gewisse Körpergröße. „Sonst wird es schwer, die Pfeile aus dem Board zu ziehen“, sagt Rösler grinsend.

(c) Florian Koch

39 aktive Mitglieder hat die Abteilung Dart des VfL aktuell. Es dürfen aber gern mehr werden, sagt Schröder: „Wir sind über jeden glücklich, der kommt und dabei bleibt.“
Insbesondere bei den Frauen und Jugendlichen könnten es mehr sein. „Es wäre toll, ein komplettes Jugend-Team für Verbandsturniere zu stellen“, sagt Rösler. Jüngster VfL-Darter ist derzeit Marius Weigert vom Laagberg. Der 15-Jährige ist Fan von Rekordweltmeister Phil Taylor, seitdem er ihn das erste Mal vor fünf Jahren im Fernsehen in Aktion sah. Dann hat er das mit dem „Pfeilewerfen“ zuhause ausprobiert und Gefallen daran gefunden. „Mit Training bin ich schnell besser geworden“, sagt Marius. Irgendwann soll er der ersten Mannschaft des VfL helfen, in die Bundesliga aufzusteigen. Derzeit tritt sie in der zweithöchsten Liga an. Marius hat aber einen noch größeren Traum: „Profi zu werden, das hätte was. Und irgendwann mal zur Dart-WM ins Ally Pally in London.“ Dort, wo dickbäuchige Profis in bunten Hemden vor laut singenden Zuschauermassen ihre Pfeile mit noch verblüffenderer Genauigkeit werfen.

TK

IM NOVEMBER RICHTEN DIE VFL-DARTER EIN NIEDERSACHSENRANGLISTENTURNIER IN DER VFL-SPORTHALLE AM ELSTERWEG AUS. IN DER VFL-GASTSTÄTTE FINDEN ZUDEM REGELMÄSSIG DART-TURNIERE FÜR JEDERMANN/JEDEFRAU STATT.

INFORMATIONEN

Schnupper-Training ohne Anmeldung möglich. Mittwochs und Donnerstags ab 17 Uhr in der Gaststätte des VFL Wolfsburg, Elsterweg 5, 38444 Wolfsburg. Pfeile können geliehen werden.