Vorsicht, falscher Enkel

Krimialhauptkommissar Horst-Peter Ewert von der Beratungsstelle der Polizei Wolfsburg mit Informationen und Sicherheitstipps für Seniorinnen und Senioren zu sogenannten Enkeltrick.

 

 

 

ENKELTRICK –WAS IST DAS?

Es handelt sich dabei um eine besonders hinterhältige Betrugsform, die sich gezielt gegen ältere Mitmenschen richtet. Dabei geben sich die Betrüger am Telefon als Kinder, Enkel, sonstige Verwandte oder gute Bekannte der Senioren aus. Sie täuschen eine Notlage vor und bitten kurzfristig um Bargeld. In der Annahme ihren Angehörigen zu helfen, machen sich die Senioren auf den Weg zur Bank, um das geforderte Geld abzuheben. Danach übergeben sie es einem Boten, der vom vermeintlichen Verwandten angekündigt wird und sich mit einem zuvor vereinbarten Kennwort ausweist. Auf diese Weise verlieren die Opfer nicht selten ihre Ersparnisse. Außerdem sehen sie sich häufig auch noch den Vorwürfen und dem Unverständnis ihrer Bezugs- personen ausgesetzt.

Im Jahr 2015 sind der Polizei Wolfsburg über 40 solcher Taten gemeldet worden. In vier Fällen kamen die Täter zum Erfolg. Mit Einzelsummen zwischen 12.000 und 20.000 Euro Beute ergab sich ein Gesamtschaden von 62.000 Euro. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, da die Geschädigten aus Scham niemandem davon erzählen und deshalb auch keine Strafanzeigen erstatten.

Besonders betroffen sind allein lebende, ältere Mitmenschen, die durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt werden. Hinzu kommen noch weitere Faktoren wie Seh- oder Hörschwäche. Auch Vereinsamung, Zerstreutheit und Demenz machen Senioren zu leichten Opfern. Außerdem sind sie häufiger zu Hause, somit telefonisch meistens erreichbar und freuen sich sogar über den unerwarteten Kontakt.

Eine der letzten vollendeten Taten hat sich hier im Februar 2017 ereignet. Dabei wurde eine über 80 Jahre alte Rentnerin aus Warmenau mit dem Enkeltrick um eine höhere Summe betrogen.

WIE GEHEN DIE TÄTER VOR?

Die Kriminalpolizei weiß, dass die Betrüger bandenmäßig organisiert und meist miteinander verwandt sind. Sie sind nicht nur regional aktiv, ihr Aktionsradius erstreckt sich bis in die Nachbarländer. Und sie gehen immer ähnlich vor: Gezielt durchsuchen sie Telefonbücher oder entsprechende Internetangebote nach altmodischen Vornamen. Mit den Worten „Rate mal, wer hier ist?“ beginnen sie das Telefonat mit den potenziellen Opfern. Wenn der Angerufene daraufhin einen Namen nennt, bestätigt der Täter diesen. Gerne schieben die Anrufer eine Erkältung oder die Nutzung eines Autotelefons vor, wenn sich der´Angerufene über den ungewohnten Klang der Stimme wundert.

Im nächsten Schritt laufen die Betrüger zu Hochform auf: Sie schildern Notlagen der unterschiedlichsten Art und bitten herzerweichend um Hilfe, zum Beispiel für die Bezahlung eines Unfallschadens, die Begleichung von Schulden oder günstige Autokäufe. Geschickte Anrufe in kurzer Folge setzen das Opfer systematisch unter psychischen Druck, sie sollen keine Zeit zum Nachdenken haben. Meist drängen die Anrufer auf schnelle Bargeldübergaben. Durch eindringliche Ermahnungen zu absoluter Verschwiegenheit und Androhung von schlimmen Folgen für die Familien werden die Opfer eingeschüchtert.

Nicht selten schicken die Betrüger sogar ein bezahltes Taxi, welches das Opfer zur Bank bringt, um Geld abzuheben. Bandenmitglieder beobachten das Opfer beim Geldabheben. Zur Taktik gehört auch der Rat, sich nicht zu lange mit Bankangestellten zu unterhalten und keine Auskünfte zum Verwendungszweck des Geldes zu geben. „Nach der Geldübergabe verschwinden die Täter so schnell wie möglich. Erst später wird den Opfern klar, dass sie betrogen worden sind“, erklärt Kriminalhauptkommissar Ewert.

 

8 Ratschläge der Polizei zum Thema Enkeltrick:

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt.
  • Hinterfragen Sie Dinge, die nur der richtige Anrufer wissen kann.
  • Legen Sie einfach den Telefonhörer auf, sobald Ihr Gesprächspartner Geld von Ihnen fordert.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis.
  • Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist. Halten Sie Rücksprache mit der jeweiligen Person. Lassen Sie sich unter der bisher bekannten Telefonnummer den Sachverhalt bestätigen.
  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.
  • Informieren Sie bei verdächtigen Kontaktaufnahmen sofort die Polizei unter der Notrufnummer 110.
  • Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige.

Ewert/BZ

Sind auch Sie betroffen oder möchten sich zu dem Thema weiter informieren, dann wenden Sie sich bitte direkt an:

Kriminalhauptkommissar Horst-Peter Ewert
Polizeiinspektion Wolfsburg-Helmstedt
Heßlinger Straße 27, 38440 Wolfsburg
Telefon: 05361 – 4646107