Wo die Puppen märchenhaft tanzen

EINE DER ADVENTS-TRADITIONEN IST ES WOHL, GEMEINSAM INS THEATER ZU GEHEN. WIE SCHÖN, DASS SICH DAS GUTE, ALTE WEIHNACHTSMÄRCHEN IN WOLFSBURG BEREITS SEIT KNAPP DREI JAHRZEHNTEN AUCH IN DER WOLFSBURGER FIGURENTHEATER COMPAGNIE IN GANZ BESONDERER FORM ERLEBEN LÄSST.

Mit nur rund 400 Puppentheatern, die es in Deutschland gibt, genießt Wolfsburg nämlich das besondere Privileg, ein Figurentheater beheimaten zu dürfen. Hier verleihen die Puppen dem Schauspiel ihren ganz besonderen Charme. Jedes der 32 Stücke, die die Puppenspielerinnen und Leiterinnen des Wolfsburger Figurentheaters, Andrea Haupt und Brigitte van Lindt, für ihr breites Publikum von Jung bis Alt im Repertoire haben, hat seine eigenen Puppen, die individuell für das Wolfsburger Theater liebevoll von Hand gefertigt wurden. Circa eine Woche dauert es, bis eine solche Figur gezeichnet, geschnitzt, bemalt und mit ihrem maßgeschneiderten Kostüm eingekleidet ist.

Ein Fundus von 400 handgefertigten Figuren

Rund 400 Puppen lagern im Theaterfundus des Wolfsburger Figurentheaters im Keller – gespielt wird im Wesentlichen mit Tischfiguren, Hand- und Klappmaulpuppen und Großfiguren. Demnächst kommen auch „Tschechische Marionetten“ auf die Bühne. Diese sind insgesamt nur mit vier Fäden ausgestattet, mit einem Draht am Kopf. Das macht sie leichter und flexibler spielbar. „Damit eignen sie sich auch wunderbar für Solospielerinnen, wie meine Kollegin und ich das sind“, erklärt Puppenspielerin Andrea Haupt.

In der Vorweihnachtszeit ist nun neben den bereits bewährten Aufführungen „Joshi und der Weihnachtsstern“, „Trubel um die falsche Weihnachtsgans“, „Frau Holle“ und „Ein Baum für den Weihnachtsmann“ ein Märchen der Gebrüder Grimm neu mit im Programm: „Das Rumpelstilzchen“, inszeniert für Kinder ab vier Jahren.

Doch wie gelingt es, das Rumpelstilzchen spannend zu erzählen?

Schließlich kennen viele Kinder bereits das Ende der Geschichte, so oft haben sie das Märchen erzählt bekommen. Der Reiz der Wiederholung mag beim Vorlesen oder Erzählen gegeben sein. Aber welche ramaturgie zieht die Kinder bei einem Puppenspiel in ihren Bann? Dazu hat sich Andrea Haupt mit ihrem Team einen ganz besonderen Kniff überlegt: „Wir schildern die Geschichte aus der Perspektive einer ganz besonderen Person: der königlichen Oberhof-Namenssammlerin“, erläutert die Puppenspielerin.

Die Oberhof-Namenssammlerin nämlich hatte einmal vor langer Zeit – damals, als sie noch das Zimmermädchen der Königstochter war – den Auftrag erhalten, einige unbekannte Namen herauszufinden. Und sie hat ihren Job verdammt gut gemacht. Denn mittlerweile sind wirklich alle möglichen Namen von nah und fern fein säuberlich dokumentiert und registriert…

Doch wie hat das Zimmermädchen dies bloß geschafft und ist dem Rumpelstilzchen, das seinen Namen verheimlichen wollte, auf die Schliche gekommen?
Das steht in keinem Märchenbuch, das ist geheim, und so können die Kids eine ihnen wohlbekannte Geschichte von einer neuen, spannenden Seite entdecken. Empfehlenswert!

SRB