WOB Rockt

Wer erinnert sich noch an alle Adressen des Folk-Clubs Commode 2000? Was hat der Hit „New York – Rio – Tokio“ mit Wolfsburg zu tun? Wie vertragen sich Metal und Hip Hop im Jugendhaus Ost? Antworten gibt ab dem 24. Oktober die Ausstellung „Soundtrack WOB. Auf den Spuren von Musik und Jugendkultur in Wolfsburg“ im Stadtmuseum. Dafür trug Kurator Dr. Arne Steinert Platten, Plakate, Fotos und mehr aus über 50 Jahren lokaler Musikkultur zusammen – mit einem überraschenden Konzept: Er sortierte die Exponate nach musikrelevanten Orten.

In dem 100-Quadratmeter-Ausstellungsraum finden sich als Ankerpunkte etwa das Kulturzentrum im Alvar-Aalto-Kulturhaus, die vielen Jugendzentren, das Hotel Noack als „Jugendzentrum

Kellerclub unterm Delphin-Kino: Peter Petrel und seine Jazzband in der „Commode 2000“, 1974 Foto: IZS Wolfsburg, Sammlung Haak

Mitte“, der Jembker Hof, das Kaschpa und das Kulturzentrum Hallenbad, das alte Gewerkschaftshaus, das Schloss und sogar die Fußgängerzone – sowie die Commode 2000, die zuletzt unter dem heutigen Delphin-Kino residierte. Die Schau nicht nach Musikern zu strukturieren, hatte einen diplomatischen Grund, so Dr. Steinert: „Wenn wir aus einem Genre nur einen auswählen, stoßen wir alle anderen vor den Kopf.“

Namen von Protagonisten fallen natürlich trotzdem, einige wirkten via Interviews oder Soundbeispielen sogar aktiv mit. So geben DJs, Produzenten, Booker und natürlich Musiker Einblicke in ihre Vorgehensweisen und in die subkulturelle Geschichte der Volkswagenstadt. Mit dieser setzt sich zudem eine spezielle Abteilung der Ausstellung auseinander: Dort stehen sich VW-kritische Punks wie Halle 54 und der Musikförderer Volkswagen gegenüber.

Anhand von Schallplatten, Fotos, Konzertpostern, Filmen, Interviews, Eintrittskarten, Flyern zeichnet die Ausstellung ein buntes Bild der lokalen Kultur. Eines der ältesten Exponate stammt aus dem Jahr 1969 und wirbt für einen „Tanz mit zwei Kapellen“, den Beat-Nicks und The Ace: „Echte Pioniere, neben den legendären Lumpis natürlich“, so Dr. Steinert. Doch Funde aus der Zeit sind selten: „Aber zum Glück unterstützen uns Veteranen und Privatsammler.“ Von dort aus streift die Schau Punk, Soul, Rock und allerlei andere Stilrichtungen bis hin zur Hip-Hop-Kultur, die nicht nur im Jugendhaus Ost mit dem Metal in fröhlicher Eintracht lebt.

Bei seinen Recherchen stolperte Dr. Steinert über manche Kuriositäten, wie einen konsumkritischen Beitrag über den Ausverkauf der Beatmusik im

Die Trottelkacker
Foto: Mathias Bosenick

Vorsfelder Magazin „aktiv“ von 1968, das Festival „Open Arsch“ in Rümmer auf der Schweineweide, aktuelle Tour-Plakate von Grindcore-Bands mit
Auftritten in New York, Rio, Tokio und als einzigem Deutschland-Gig im Ost. Und à propos: An dem Hit „New York – Rio – Tokio“ der Gruppe Trio Rio war ein Keyboarder mit Wolfsburg-Wurzeln beteiligt, der Filmmusikkomponist Oliver Heuss. Schwierig zu dokumentieren war lediglich eine moderne Entwicklung, so Dr. Steinert: „Musik-Downloads sind nichtausstellbar.“

MB