Wolfsburg am Strom der Zeit

Die Stadt Wolfsburg soll in Europa und der Welt bei der Umsetzung der Elektromobilität eine führende Rolle einnehmen – so ist es mit der Volkswagen AG vereinbart. Dafür ist geplant, eine hohe Dichte von Elektrofahrzeugen zu realisieren und die Ladeinfrastruktur weiter auszubauen. Wir haben vier E-Mobilisten getroffen, die als „Pioniere“ der Elektromobilität bereits Erfahrungen gesammelt haben. Bis 2025 soll in Wolfsburg die Hälfte aller Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben unterwegs sein – ein ambitioniertes Ziel, das aber eine realistische Perspektive darstellt, wie unsere Interviews zeigen.

Elektroautos machen Spaß – das sagen fast alle, die es schon mal ausprobiert haben. Die lautlose und ruckfreie Beschleunigung ist ein Vergnügen, und jeder Bremsvorgang füllt den Energiespeicher wieder ein wenig auf. Bei all unseren Interviewpartnern gehört der Umweltaspekt dazu, aber auch die Freude an der etwas anderen Art der Fortbewegung. Und Elektroautos stehen heute im Komfort ihren Benzinbrüdern in nichts nach – Elektrofahrzeuge sind heute definitiv keine Selbstbestrafung mehr. Kleine, aber verschworene Grüppchen sammeln sich an Ladestationen, man tauscht sich aus über Erfahrungen, Ladeinfrastruktur, neue Blogs und auch die angenehmen Möglichkeiten, die Ladezeit zu verbringen oder in den Tagesablauf zu integrieren. Dabei fallen Worte, die nicht im Duden stehen – Ladeweile oder Reichweitenangst beispielsweise. Beeindruckend, wie tief die Stromfahrer in der Materie sind, nicht nur bei der Elektromobilität, sondern auch beim Thema Stromerzeugung. Erstaunlich viele laden ihr Fahrzeug mit einer eigenen Fotovoltaikanlage oder planen das zu tun.

Kein Wunder, dass so mancher Presseartikel zum Thema Elektromobilität häufig hunderte Kommentare nach sich zieht. Eigentümer von Elektrofahrzeugen haben zumeist einen ganzheitlichen Blick auf Energieerzeugung und ihren Energieverbrauch. Mobilität ist dabei nur ein Teilaspekt, wenn auch ein wichtiger.

Das Aufladen ist an den meisten öffentlichen Ladesäulen in Wolfsburg nach wie vor kostenlos, das macht natürlich Freude. Und es kann auch ökologisch korrekt sein. Die Solartankstelle an der Braunschweiger Straße macht es vor: Dort wird Strom mit Solarzellen und Windkraft´erzeugt, der direkt in die Batterien fließt. Das ist effektive Energie-Nahversorgung – auch so kann die Effizienz insgesamt erhöht werden. Aber auch die übrigen Ladesäulen der Stadt werden mit Ökostrom versorgt. Klar, dass es noch zu wenige Ladepunkte in der Stadt gibt, aber der Ausbau ist bereits geplant – immerhin sind schon über 1.000 Fahrzeuge (410 Elektroautos und 748 Hybridfahrzeuge, Stand 01.01.2017) in Wolfsburg zugelassen, die an Ladesäulen andocken könnten. Doch auch mit „Outsidern“ kommt man als Elektromobilist erstaunlich häufig ins Gespräch – „wirklich elektrisch?“, „wie weit?“, „wie schnell?“, „wie teuer?“ sind fast immer die ersten Fragen. Viele sind positiv überrascht über die Antworten.

Immerhin: Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden – das hat uns Marlon Brando mitgegeben, und das trifft auf heutige Stromfahrer jedenfalls zu. Für sie steht nicht die Einschränkung, sondern das Mögliche im Vordergrund. Und es ist erstaunlich viel möglich: Für viele beginnt das Elektrofahrzeug sein Dasein als Zweitauto, bis schließlich immer mehr Anwendungsbereiche entdeckt und die Grenzen des Möglichen ausgelotet werden. Wären alle Stadt- und Zweitfahrzeuge in Wolfsburg mit elektrischen Antrieben ausgestattet, wäre das ein bedeutender Schritt in Richtung der Mobilitätsziele für 2025.

MG

Für uns war der e-up! eine ganz klare Kopfentscheidung. Wir sind nicht nur neugierig auf die neue Art der Antriebstechnik, sondern können und wollen hier unseren kleinen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Uns geht es dabei nicht nur um weniger Luftverschmutzung, sondern auch um die geringe Lärmbelästigung. Staatliche Förderungen sind grundsätzlich gut, aber unserer Meinung nach noch zu gering. So oder so fühlen wir uns jetzt als Pioniere einer neuen Technologie – die Ruhe der Fortbewegung und die Lockerheit der Beschleunigung ohne Abgase geben uns ein gutes Gefühl. Wir laden mit dem Strom unserer Fo to vol ta ik an la ge oder bei kostenlosen E-Tankstellen – das ist ein angenehmer Nebeneff ekt. Obwohl es gelegentlich knapp war, sind wir noch nie mit leerer Batterie liegen geblieben – das Handy für den Notfall ist aber immer dabei. Für die Reichweite beneiden wir die Verbrennerfahrer schon noch. Die langen Ladezeiten und die geringe Reichweite unseres Autos sind etwas nervig. Man entwickelt aber einen Sinn für die Streckenplanung und einen sehr sanften Umgang mit dem Gaspedal, wenn der Strom zur Neige geht. Gelegentlich bricht bei uns der Ladevorgang ab, das verlängert die Wartezeit – so etwas verzeihen wir unserem Auto aber gerne. An der E-Tankstelle hat man Zeit zum Entspannen und fürs Nachdenken, gelegentlich trifft man einen anderen E-Fahrzeugfahrer und kann ein nettes Gespräch führen und Erfahrungen austauschen.

KATHRIN

 

Ein Elektroauto macht einfach Spaß. Ich fahre den e-up! seit März 2017 und genieße die Agilität und Spritzigkeit. Gelegentlich stehe ich mit meinem elektrischen Kleinwagen ohne großes Überholprestige als erster an einer Ampel, neben mir hält ein großer PKW, den ich bei Grün gefühlt einfach stehen lasse. Manche können es dann nicht lassen und müssen mich auch im Ortsgebiet mit 70 Sachen überholen, als wäre es eine Frage der Ehre… Das amüsiert mich immer wieder. Ich habe mir vier Jahre für die Entscheidung Zeit gelassen, bis mein e-up! vor der Tür stand, ein Gebrauchtfahrzeug, das war günstiger, auch wenn mir keine staatliche Förderung geholfen hat. Preis und Leistung standen für mich in einem akzeptablen Verhältnis – klare Kopfentscheidung also, wir brauchen eine enkeltaugliche Wende in unserem Verbrauch von Energie und der Nutzung von Mobilität. Jedenfalls vermittelt ein Elektroauto das Gefühl von Spaß und Abenteuer. Besonders angenehm bei meinem E-Mobil ist das leise Gleiten und Segeln des Fahrzeugs. Ich bin Musiker – das Radio klingt in einem E-Auto um Welten besser. Mein Auto hat eine Reichweite von etwa 120 Kilometern, und ich bin bei längeren Fahrten mit dem Routenplaner von goingelectric.de auf der Suche nach Lademöglichkeiten. Das Netz von Ladesäulen wird immer dichter, aber außerhalb des Großraums Wolfsburg oder Braunschweig wird es dünn. Nordöstlich von Wolfsburg in Richtung Ostsee liegt eine große Ladewüste – da muss man schon planen!
Das verzeihe ich meinem Auto gerne, immerhin fahre ich 98% meiner Fahrten und 80% der Jahreskilometer elektrisch. Die Ladeenergie kommt bei mir aus regenerativen Quellen oder der eigenen Fo to vol ta ik an la ge – dann bekomme ich auch die Netzentgelte erstattet. Die Ladezeit nutze ich für Büroarbeit, Telefonate oder Einkäufe – dann suche ich mir die Läden durchaus nach der Lademöglichkeit aus, das ist für mich ein Entscheidungskriterium. Meistens lade ich aber zu Hause und dann schlafe ich zu 90% der Zeit. Ansonsten ist mein bevorzugter Ladeplatz die e-Mobility-Station in Wolfsburg, die nahe meinem Arbeitsplatz liegt. Hier wurde ich kompetent beraten – mir wurde bei vielen Fragen und kritischen Situationen geholfen und sehr gute Lösungen präsentiert. Nach dem Kauf eines Elektroautos beginnt erst das Abenteuer: Hinweise durch das Gewirr von Ladekarten und Infos zu günstigen Ladestationen sind wirklich wichtig. Die e-Mobility-Station ist für mich DAS Kompetenzzentrum, das seit Jahren an dieser Frage arbeitet, neueste Lösungen vorstellt und Tipps zum Thema Elektromobilität parat hat. Für die kommende Mobilitätswende werden solche Anlaufpunkte von großer Bedeutung sein – Wolfsburg kann sich glücklich schätzen, solche Experten zu haben. Das ist einmalig!

CHRISTIAN

 

Ich habe viel nachgedacht, wie ich wirklich etwas für die Umwelt tun kann. Mein Elektroauto war deshalb das Ergebnis einer bewussten Kopfentscheidung. Ich lade es bevorzugt an meiner eigenen Wall-Box mit Strom aus der eigenen Fotovoltaikanlage – am Morgen ist es immer vollgetankt. Wer kann das schon von seinem Auto mit Verbrennungsmotor behaupten. Die Unabhängigkeit vom Benzin gibt mir ein Gefühl der Freiheit. Stromlos liegengeblieben bin ich noch nie – die Frage von Fahrern mit Verbrennerautos, was ich mit leerem Tank mache, nervt mittlerweile. Meine Antwort ist immer die gleiche: Ich tanke natürlich! Aber immerhin sind Verbrennerfahrer potenzielle Kunden für E-Autos!

CLAUDIA

 

Meine Initialzündung war der Bau der e-Mobility-Station an der Braunschweiger Straße, da war ich vermutlich der erste Kunde. Von der E-Gitarre zum E-Auto, das war eine logische Verbindung für mich. Ich bin noch nie ohne Strom liegen geblieben, und Reichweitenangst hatte ich nur einmal: Bei der ersten weiten Ausfahrt mit meinem Zoe, da hatte ich die Lademöglichkeiten noch nicht im Vorfeld geklärt. Das war die Unerfahrenheit damals, denn an Autobahnen gibt es noch zu wenig Ladestationen. Das Verzeichnis von Ladestationen von goingelectric.de ist da eine unerlässliche Hilfe, die ich heute regelmäßig nutze. Meine erste Langstreckenfahrt war die Teilnahme am Weltrekord der größten Fahrzeugparade mit elektrischem Antrieb mit meinem Zoe als einem von 577 Gefährten in Berlin-Tempelhof, ein tolles Erlebnis, und der Rekord wurde im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen. Der nächste Schritt für mich ist eine Fo to vol ta ik an la ge zum Aufl aden meines Autos. Elektroautos sind erst wirklich umweltfreundlich und tragen ihren Teil zur Energiewende bei, wenn sie emissionsfrei geladen werden. Darum ist es mir wichtig, dass der Strom aus Wind-, Wasser-, Solar- oder Erdgaskraftwerken stammt. Darum tanke ich aktuell am häufi gsten bei der e-Mobility-Station in Wolfsburg. Staatliche Förderungen wären gut, dann würde manches früher passieren, aber bisher war es für mich zu wenig, um einen Anreiz darzustellen. Jedenfalls bin ich total zufrieden und würde kein konventionelles Auto mehr fahren wollen – es ist das leise Schweben, das ich nicht missen möchte. Staatliche Förderungen wären gut, dann würde manches früher passieren, aber bisher war es für mich zu wenig, um einen Anreiz darzustellen. Jedenfalls bin ich total zufrieden und würde kein konventionelles Auto mehr fahren wollen – es ist das leise Schweben, das ich nicht missen möchte.

OLIVER

 

www.goingelectric.de

Eine der am meisten genannten Websites ist goingelectric.de. Neben ausgiebigen Foren und Blogs zu allen Aspekten der Elektromobilität gibt es das größte und aktuellste Verzeichnis von Ladestationen in 46 Ländern, inklusive vieler privater Lademöglichkeiten. Der angebotene Routenplaner kann unter anderem die Reichweite des eigenen Fahrzeugs berücksichtigen und eine optimierte Route mit allen notwendigen Ladestopps errechnen – ein unverzichtbares Hilfsmittel für jeden E-Fahrer!