Fauna und Flora genießen
Wenn ihr Menschen spazieren geht, braucht ihr Wege. Ich nicht. Ich fliege einfach los. Über Baumwipfel, Wasseradern und Wiesen – immer auf der Suche nach einem ruhigen Platz, einem kleinen Abenteuer oder einem guten Gespräch mit einem Frosch. Für mich als euren Außenreporter Kranich Richard gibt es dafür vier besondere Orte – Wolfsburgs EU-Vogelschutzgebiete. Die solltet ihr unbedingt mit eigenen Augen (und Füßen) erleben.
Gut zu wissen: Was ist eigentlich ein Vogelschutzgebiet? Hier gibt es Vogelarten, die besonders schützenswert sind, beispielsweise weil sie selten sind oder nur in begrenzten Gebieten vorkommen. Die Vogelschutzgebiete bieten wichtige Lebensräume für die betroffenen Arten, z. B. Feuchtgebiete. Hier gibt es wichtige Brut‑, Rast- oder Überwinterungsplätze. Mit der Ernennung zum Vogelschutzgebiet werden Schutzmaßnahmen für die Vögel ergriffen.
1. Der Barnbruch – Wald, Wasser und wilde Wege im Nord-Westen
Alte Eichen, sumpfige Wiesen und die Ruhe der Natur! Wenn ich im Barnbruch – nord-westlich von Wolfsburg – lande, knarzt nur das Schilf, vielleicht ein Ast. Es riecht nach Erde und langsam fließendem Wasser.
Auf rund 1.200 Hektar erwartet mich eine ursprüngliche Landschaft aus Auenwäldern, Wiesen und kleinen Wasserläufen – ideal für eine entspannte Zeit abseits des Trubels.
Was den Barnbruch besonders macht: Er war früher ein Bruchmoor, das im 19. Jahrhundert von euch Menschen entwässert wurde. Doch heute ist der Barnbruch wieder ein Ort, an dem wir Vögel durchatmen können. Besonders zur Brut- und Rastzeit ist hier viel los: Beutelmeisen, Seeadler, Rothalstaucher, Spießenten, Löffelenten,… Aber wir sind hier im Barnbruch natürlich nicht ganz alleine. Wir teilen uns dieses Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung mit vielen vom Aussterben bedrohten Amphibien- und Insektenarten.
Für mich nicht wichtig, aber für euch: Gut ausgebaute Wege führen durch das Gebiet – mal schattig unter alten Eichen, mal offen mit weitem Blick über feuchte Wiesen.




Mein Tipp: Folgt dem etwa 4,5 Kilometer langen Naturerlebnispfad, der mit Infotafeln durch den Ilkerbruch führt – einem Teil des Barnbruchs, der bereits seit 1989 unter Naturschutz steht. Zusätzlich gibt es einen zwölf Meter hohen Aussichtsturm (wenn ihr doch wie ich mal einen Blick von oben auf die Natur werfen wollt) und eine Beobachtungshütte. Aber vergesst das Fernglas nicht; meine Freunde und ich sind schüchtern!


Ich verrate euch auch noch, wie ihr von Sülfeld aus am besten in den Ilkerbruch kommt: Neben der Sülfelder Schleuse führt erst ein Weg und schließlich eine Eisenbahnbrücke entlang, die auch einen breiten Fußgänger-Abschnitt hat. Wenn ihr auf der anderen Seite des Mittellandkanals angekommen seid, nicht wundern! Der offizielle Weg ist eher ein Trampelpfad.
2. Der Drömling – Wolfsburgs Tor zum UNESCO-Biosphärenreservat
Etwas weiter im Osten liegt der niedersächsische Teil des Drömlings – ein echtes Naturwunder und ein Feuchtgebiet mit einem dichten Netz aus Kanälen, Gräben und Auen.
Seit 2023 ist es nicht nur EU-Vogelschutzgebiet, sondern auch UNESCO-Biosphärenreservat – und das völlig zu Recht, wie ich finde. Und wenn einer das weiß, dann ja wohl ich! Für mich ist es Heimat. Und ein Treffpunkt! Wenn im Herbst und Frühling neben Gänsen, Schwänen, Enten und Brachvögeln auch die Kraniche kommen, wird’s laut. Dann tanzen wir auf den Feldern, rufen und erzählen von unseren Reisen.
Abgesehen davon trifft hier im Drömling gepflegte Kulturlandschaft auf Wildnis-Gefühl. Ihr Menschen lauft entlang an Wasserläufen und begegnet vielleicht sogar einer der hier erfolgreich wiederangesiedelten gefährdeten Arten wie dem Fischotter, dem Biber oder dem Seeadler. Aber wir sehen euch auf jeden Fall!




Mein Tipp: Von Wendschott oder Vorsfelde aus könnt ihr durch diesen Lebensraum spazieren. Nehmt doch beispielsweise den „Wanderweg – Am Drömling“ von Vorsfelde aus oder startet auf der anderen Seite des Mittellandkanals entlang des Steekgrabens.
3. Der Stadtwald – Natur mitten in der Stadt
Manchmal lande ich auch mitten in der Stadt. Genauer gesagt: im Stadtwald.
Er ist anders – gepflegter, geordneter, aber trotzdem ein guter Ort zum Rasten. 950 Hektar Erholung pur! Hier flitzen Eichhörnchen umher, Finken singen von der Buche und ihr Menschen schlendert auf breiten Wegen zwischen alten Bäumen. Ich sehe euch oft dort – beim Joggen, bei einer Runde mit dem Hund, beim spontanen Feierabendspaziergang oder beim Stillstehen und Genießen, wenn die Sonne durch das Blätterdach bricht. Hier wachsen Eichen, Kiefern und Buchen. Manche sind sogar über 100 Jahre alt. Je nach Jahreszeit verändert sich das Bild komplett: im Frühjahr das erste Grün, im Sommer dichte Schattenwege, im Herbst buntes Laub, das unter den Schuhen raschelt. Da lasse selbst ich mich gerne mal auf einer der Bänke nieder und entspanne ein wenig die Flügel.




Mein Tipp: Folgt dem Pfad der Brunnen- und Quellenwanderung, der die im ganzen Stadtwald verteilten Wasserstellen miteinander verbindet. Oder ihr schaut mal bei den sogenannten Drei Steinen vorbei. Starten könnt ihr beispielsweise am VW-Bad.
4. Hohenstedter Holz – ein Ort zum Entdecken
Nur einen Flügelschlag entfernt – im Südwesten Wolfsburgs – liegt das Hohenstedter Holz. 275 Hektar Naturparadies! Durchzogen von Bächen, Waldwiesen, kleinen Sümpfen, Nasswiesen und Teichen tummeln sich hier meine Bekannten in den ausgedehnten Buchenwäldern und Eichen-Hainen.
Als interessierter Naturkundler ist das der perfekte Platz für mich. Nach einem netten Plausch mit einem Schwarzspecht mache ich mich gerne auf die Suche nach einer der seltenen bzw. sogar gefährdeten Pflanzenarten, die hier zu finden sind. Würdet ihr Menschen das Breitblättrige Knabenkraut oder die Färber-Scharte erkennen? Wie es da wohl bei den waldansässigen Wildkatzen, Feuersalamandern und Mopsfledermäusen aussieht?
Euer Lieblingsplatz ist vielleicht eine der Bänke zum Ausruhen entlang der breiten Spazierwege, doch ich bin am liebsten an der Mühlenriede. In den 1960er Jahren habt ihr den kleinen Fluss begradigt – furchtbar für uns Tiere und die Pflanzen. Doch 2005 wurde die Mühlenriede renaturiert und seitdem entwickelt sich hier ein Paradies für Fauna und Flora.





Mein Tipp: Schaut doch mal, ob ihr die Infotafeln findet, die im ganzen Wald verteilt sind. Dort erfahrt ihr Spannendes über uns – die Bewohner des Waldes. Doch das ist nicht das Einzige, was es hier zu entdecken gibt. Ich bin schon oft an der ehemaligen Badeanstalt Ehmen, dem alten Bahndamm, der Wüstung Hohenstedt und dem Outdoor Bike Park Ehmen vorbeigeflogen. (Beeindruckend, was ihr Menschen alles so mit einem Fahrrad könnt!)
Starten könnt ihr beispielsweise am Ende der Auguststraße in Ehmen.
Vier Orte – ein Herz für Natur
Ob ihr fliegt wie ich, springt wie ein Fuchs oder wandert wie ihr Menschen – der Barnbruch, der Drömling, der Stadtwald und das Hohenstedter Holz zeigen, wie viel wilde Schönheit und welch ein großes Herz für Vögel Wolfsburg zu bieten hat.
Kommt vorbei! Ich bin dann oben. Vielleicht winke ich.
Doch eine bitte habe ich noch, wenn ihr eins der Wolfsburger Vogelschutzgebiete besucht: Bleibt auf den Wegen und behaltet eure Hunde ganzjährig an der Leine. Dann können wir alle die Natur genießen!
Liebe Grüße, euer Außenreporter Kranich Richard








