Ein Mann sitzt am Computer und überwacht die Sensoren der Mülltonne

Mülltonne kann clever & smart

Ist das da noch eine einfache Mülltonne oder gehört sie schon zu den vernetzten, mit Sensoren bestückten Entsor­gungs­sys­temen, die mit der Umwelt kommu­ni­zieren? Wenn Sie das nächste Mal durch Wolfsburg gehen, könnte Ihnen dieser Gedanke kommen. In unserer Stadt stehen fünf besondere Container, die Pioniere des modernen Abfall­ma­nage­ments sind – und es werden noch mehr.

Diese fünf Container sind nicht nur für Altpapier gedacht. In ihnen steckt auch die Hoffnung, die kommunale Abfall­ent­sor­gung auf eine höhere Entwick­lungs­stufe zu heben. Es gibt eine Reihe von Plänen in Wolfsburg, durch den Einsatz digitaler Techno­lo­gien die städti­sche Infra­struktur smarter, sprich: intel­li­genter und cleverer zu machen. Und das Motto smart.waste steht für die Idee, den Müllwerker*innen der Wolfs­burger Abfall­wirt­schaft und Straßen­rei­ni­gung (WAS) die Arbeit und allen Wolfsburger*innen das Leben leichter zu machen.

Der Mann, der diese Ideen in unserer Stadt voran­treibt, heißt Sebastian Ackermann und arbeitet bei der WOBCOM. „smart.waste ist eines unserer Pilot­pro­jekte“, erzählt er. „Wir haben Container mit Sensoren ausge­stattet, um rund um die Uhr darüber infor­miert zu sein, wie hoch ihr Füllstand ist.“ So gewinnt die Stadt Daten, die eine neue Zeitrech­nung des Abfall­ma­nage­ments einläuten sollen. Ziel ist es, anhand der Infor­ma­tionen die sinnvollsten Abhol­routen zu ermitteln und unnütze Leerfahrten zu vermeiden.

Noch sei das alles Zukunfts­musik, sagt Sebastian Ackermann. „Wir befinden uns noch in der Testphase, um Erfah­rungen mit dem System zu sammeln.“ Dazu zählt der Einfluss des Wetters: Wie arbeiten die Sensoren, wenn es besonders kalt oder besonders heiß ist? Leidet die Qualität der Daten unter außer­ge­wöhn­li­chen Tempe­ra­turen? Es gibt vieles, was beobachtet und erprobt werden muss. „In den Tests passieren Dinge, die nicht vorher­sehbar sind und aus denen wir jede Menge lernen können.“

Wer arbeitet alles an diesem Projekt?

Wir – das ist ein Team aus Informatikern*innen und IT-Administratoren*innen, aus Elektrotechnikern*innen, Produktmanagern*innen und Marketing-Fachleuten. Unter dem großen Dach von WOB.smart bringen sie digitale Lösungen mit Labor­cha­rakter Schritt für Schritt auf den Weg. Im Blick haben sie die Fahrer*innen von Elektro­fahr­zeugen, die bequem die nächste freie Ladesäule finden sollen (smart.parking). Es geht um die Überwa­chung wichtiger Gebäu­de­pa­ra­meter wie Tempe­ratur und Luftqua­lität (smart.building). Außerdem geht es darum, schnell, einfach und anonym die Zufrie­den­heit von Kunden*innen zu messen (smart.feedback).

In Wolfsburg sei man in der glück­li­chen Lage, viel Neues auspro­bieren und auf Sinnhaf­tig­keit testen zu können, sagt WOB.smart-Projekt­leiter Sebastian Ackermann. Möglich macht’s das Fundament, das sein Team in den vergan­genen Jahren gelegt hat. Die sogenannte LoRaWAN-Techno­logie (Long Range Wide Area Network), die viele Freiheiten eröffnet, wenig Energie verbraucht und wenig kostet. „Mit dieser digitalen Kommu­ni­ka­tions-Archi­tektur können wir das ganze Stadt­ge­biet abdecken und Daten über eine große Reich­weite senden“, betont der 34-jährige gebürtige Wolfsburger.

So auch im Anwen­dungs­fall von smart.waste. Die Contai­ner­sen­soren übertragen die Füllstand­sin­for­ma­tionen an den WOBCOM-Server, der über das Internet die Daten der WAS zur Verfügung stellt. Jetzt steht die nächste Etappe des Projekts an: Mit fünf weiteren sensor­ge­stützten Contai­nern im Stadt­ge­biet werden sich die Daten­menge und auch die Experi­men­tier­mög­lich­keiten mit einem Schlag verdoppeln.

Diese Entwick­lung freut Sebastian Ackermann, die Routen­planer der WAS und – irgend­wann alle Wolfsburger*innen. Denn was für die Müllwerker*innen gilt, gilt auch für die Menschen in unserer Stadt. Sie werden in Zukunft genau wissen, wo welcher Container steht, wie voll er gerade ist und ob die Fahrt zu ihm Sinn ergibt, um zum Beispiel sperriges Verpa­ckungs­ma­te­rial loszu­werden. „Unsere Vision“, sagt Sebastian Ackermann, „ist eine kosten­lose App, mit der jede*r Wolfsburger*in von unseren neu entwi­ckelten Services und ihren Vorteilen profi­tieren kann.“

Stefan Boysen

Fotos: © WAS

Ausgabe 10, DEIN WOLFSBURG, 2019

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